Goliath Federer für David Clarke zu stark

Roger Federer hat in Wimbledon seine Pflichtaufgabe gelöst, diesmal ohne Satzverlust.

Mit einem Break besiegelt Federer den ungefährdeten Dreisatzsieg gegen den britischen Wildcard-Inhaber Jay Clarke. (Quelle: SRF)
Adrian Ruch

Es war eine David-gegen-Goliath-Affiche. Auf der einen Seite des Netzes stand Jay Clarke (ATP 169), der sich noch nie für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert hat und sich im Vorfeld der Championships in sämtlichen vier Partien auf Rasen hatte geschlagen geben müssen. Ihm gegenüber stand Roger Federer (ATP 3), der schon 20 Grand-Slam-Titel geholt hat und vorletzte Woche in Halle zum 19. Mal an einem Rasenturnier triumphiert hatte.

Die Besucher auf den Rängen des gut 12000 Personen fassenden Court 1 waren sich bewusst, dass der Engländer Unterstützung brauchen würde. Jedenfalls wurden die Punktgewinne des Aussenseiters von Anfang an lautstark bejubelt. Für einmal war der Schweizer nicht der Liebling der Massen.

Noch glänzt nicht alles

Weil ihm der sichtlich nervöse Clarke im zweiten Game mit drei Doppelfehlern den Weg zum Servicedurchbruch ebnete, wies Federer früh eine beruhigende Führung auf. Die einzige heikle Phase im ersten Satz überstand der Baselbieter souverän: Die beiden Breakbälle des Briten bei 3:1 wehrte er mit einer starken Vorhand und einem Ass ab. Das 6:1 durfte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Federer auf der Rückhand massive Probleme bekundete, viele Fehler und etliche Rahmenbälle produzierte.

Im zweiten Satz war Clarke konstanter. Federer war bei eigenem Aufschlag ungefährdet, vermochte aber in den Returngames nicht zu überzeugen. Zweimal verpasste er gute Chancen, auf Deuce auszugleichen und so seinen unerfahrenen Widersacher unter Druck zu setzen. So musste die Entscheidung im Tiebreak fallen. Federer geriet durch einen missglückten Vorhand-Volley zwar 1:2 in Rückstand, wirkte danach aber hochkonzentriert. Mit seinem siebenten Ass buchte er das 7:3 und damit auch den zweiten Durchgang.

Mit diesem Ass holt sich Federer den zweiten Satz im Tiebreak. (Quelle: SRF)

Knifflige Aufgabe in Runde 3

Damit war der Widerstand des 20-jährigen Clarke gebrochen. Der Schweizer holte sich zu Beginn des dritten Satzes 12 der ersten 13 Punkte und ging 3:0 in Führung. Ohne Steinschleuder konnte Clarke letztlich nichts ausrichten. Nach 97 Minuten war David um eine Erfahrung reicher, und Goliath stand als 6:1, 7:6, 6:2-Sieger fest.

Federer buchte mit der Vorhand und am Netz auf spektakuläre Weise zahlreiche Punkte und war bei eigenem Aufschlag ungefährdet. Allerdings verriet er beim Rückhand-Topspin und beim Return etwelche Schwächen. Am Samstag dürfte die Aufgabe etwas kniffliger werden; es geht gegen den begabten Franzosen Lucas Pouille (ATP 28).

Die beiden trafen bisher einmal aufeinander: 2014 in Paris-Bercy, Federer gewann 6:4, 6:4. «Ich habe mit Lucas Ende 2016 in Dubai trainiert und mich mit ihm auf die Saison 2017 vorbereitet. Wir haben sicher 20 Sätze gespielt. Wir verstehen uns gut, hier sitzen wir in der Garderobe gleich nebeneinander, daher sehen wir uns immer wieder. Ich freue mich auf den Match, auch wenn er sicher schwierig ist.»

Resultate und News zum Turnier in Wimbledon finden Sie im Liveticker.

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