Federer kann nicht verhindern, dass Djokovic Geschichte schreibt

Der Schweizer verpasst den achten Titel in Cincinnati und braucht jetzt «eine Pause». Novak Djokovic schaffte mit dem Titel Historisches.

Niederlage gegen Djokovic: Roger Federer muss weiterhin auf seinen 99. Turniersieg warten. Video: Tamedia/AP
Adrian Ruch

Erstmals seit zweieinhalb Jahren das Duell zwischen Roger Federer und Novak Djokovic – die Affiche des Endspiels von Cincinnati hätte also kaum faszinierender sein können. Würde der Schweizer am Western & Southern Open zum 8. Mal triumphieren und seinen 99. ATP-Titel einheimsen? Oder würde der Serbe die Lücke im Palmarès füllen und zum ersten Spieler werden, der alle neun Titel der höchsten Turnierkategorie nach den Grand-Slam-Events gewonnen hat?

Die Antwort auf diese Fragen fiel aus helvetischer Perspektive negativ aus: Djokovic schrieb mit einem 6:4, 6:4-Sieg ein Kapitel Tennisgeschichte. «Novak ist ein grosser Champion, darum sollte sich diese Pressekonferenz um ihn drehen, nicht um die Returns, die ich verschlagen habe», meinte der Verlierer. Es sei extrem schwierig, Masters-1000-Events zu gewinnen, sagte Federer. «Es ist eine lange, intensive Woche, die besten Spieler sind dabei und du triffst schon in den ersten Runden auf starke Gegner.» Daher sei es eine verblüffende Leistung, alle neun Titel zu holen.

Djokovics 24. Sieg im 46. Duell mit Federer, dem ersten seit dem Halbfinal am Australian Open 2016 in Melbourne, war verdient. Der 31-jährige Serbe war der konstantere und deswegen bessere Spieler an diesem Nachmittag. Nach knapp eineinhalb Stunden Spielzeit verwertete er seinen ersten Matchball zum 70. Turniersieg der Karriere – nach dem 39. unerzwungenen Fehler Federers.

«Ich brauche eine Pause»

Federer hatte in Cincinnati vor dem Final all seine 43 Aufschlaggames durchgebracht und nach dem Auftaktmatch keinen einzigen Breakball mehr zugelassen. Doch gleich zu Beginn zeigte sich, dass von Djokovic mehr Gefahr ausgehen würde. Der Serbe erkämpfte sich gleich im ersten Game zwei Gelegenheiten zum Break. Der Schweizer reagierte allerdings im Stil eines Champions: mit einem Servicewinner und einem Ass. Bei 3:3 gelang es ihm dann nicht mehr, den Servicedurchbruch abzuwenden. Und weil er selber miserabel returnierte, war das Break gleichbedeutend mit dem Satzverlust.

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Im zweiten Game des zweiten Durchgangs kam Federer wie die Jungfrau zum Kind zum Break. Viele Zuschauer, welche mit dem 37-Jährigen mitfieberten, bejubelten den entscheidenden Doppelfehler seines Gegners. Wer nun hoffte, der Publikumsliebling, würde davonziehen, wurde enttäuscht. Der Gewinner von 20 Grand-Slam-Turnieren überbrachte seinerseits ein Geschenk, indem er mit einem Doppelfehler und einer verschlagenen Vorhand aus dem Halbfeld den Vorteil gleich wieder aus der Hand gab. Und bei 3:3 verlor der Routinier gleich nochmals seinen Aufschlag, und das nach einer 40:0-Führung.

Federer wirkte wie schon am Vortag gegen den angeschlagenen David Goffin fahrig sowie wenig inspiriert. So war er letztlich gegen den soliden Djokovic chancenlos. «Ich mag nicht mal nach Gründen suchen. Novak verdiente den Sieg. Meine Leistung war schlicht nicht gut genug. Es war eine gute Woche, aber ich bin froh, ist sie vorbei. Ich brauche eine Pause.»

«Ein Privileg, eine Ehre»

Djokovic war auch aufgefallen, dass sein Widersacher ungewohnte Schwächen zeigte. «Roger spielte nicht sein bestes Tennis, aber ich musste den Sieg trotzdem verdienen», hielt er fest. Zur Tatsache, dass er nun alle Masters-1000-Titel im Palamarès hat, sagt der 31-Jährige: «Es ist definitiv einer der speziellsten Momente in meiner Karriere. Im Sport, den ich liebe, Geschichte zu schreiben, ist ein Privileg, eine Ehre. Auf diese Leistung werde ich mein Leben lang stolz sein.» Er verriet noch, dass sich die meisten seiner Pokale in Belgrad befinden. «Meine Eltern sind sehr stolz darauf, wir haben einen Tennisclub und dort einen Raum für die Trophäen. Er ist aber immer noch deutlich kleiner, als es Pokalzimmer von Roger, von Rafa (Nadal, die Redaktion) und Jimmy Connors sind.»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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