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Federer: «2009 werde ich noch stärker sein»

Auf dem Weg zu seinem 13. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier zeigte Federer auch mental aussergewöhnliche Qualitäten – weshalb der Schweizer wieder siegen kann.

Im Englischen gibt es ein Sprichwort: Wenn das Laufen hart wird, beginnen die Harten zu laufen. Und hart waren sie, die letzten Monate, für Roger Federer. Er hatte Drüsenfieber, sein ganzer Aufbau geriet durcheinander, die Form litt. Er wurde als Australian-Open-Sieger abgesetzt, dann riss seine Siegesserie in Hamburg, er wurde im Paris-Final gedemütigt, nach fünf Jahren aus seinem Wohnzimmer in Wimbledon vertrieben und als Nummer 1 abgesetzt. Er verlor gegen Spieler, die er sonst regelmässig schlägt, und alles, was ihm blieb, waren zwei kleine Titel in Estoril und Halle.

Und so wurde immer mehr gesprochen über ihn: Seine Ära sei zu Ende, er werde nie mehr einen Grand-Slam-Titel gewinnen, und überhaupt, er habe den Zeitpunkt seines Rücktritts verpasst. Einige bezweifelten sogar seine Krankheitsgeschichte, und viele, die weder ihn noch das Profitennis kennen, spielten sich zu Experten auf, wollten ihm Ratschläge erteilen oder sich auf seine Kosten profilieren. Das Telefon im Haus der Eltern lief Sturm, oft waren nur Quacksalber am Draht.

In diesen harten Zeiten begann Federer, richtig zu laufen. Er bewahrte im Auge des Sturms die Ruhe und Übersicht. Er liess sich nicht beeinflussen, schottete sich ab, blieb unbeirrt positiv und weigerte sich, Negatives an sich herankommen zu lassen. Weil er wusste, dass er seine Situation am besten kannte, weil er sich bewusst war, wie sich die Serie dieser ungewohnten Niederlagen erklären liess. Dank dieser Weitsicht und seiner Instinkte, die ihn auch auf dem Tenniscourt auszeichnen, zog er, zusammen mit seinem professionellen Team, die richtigen Schlüsse. Er intensivierte sein Trainingsprogramm während der Turniere und schaffte es, gestärkt aus dieser Baisse hervorzugehen.

Viel Kraft aus positivem Denken

Federer lebte in den vergangenen Monaten exemplarisch vor, wie viel Kraft aus positivem Denken geschöpft werden kann - auch wenn ihn einige als Träumer darstellten. Und doch schaffte er die Rückkehr zum Erfolg nicht allein: Wäre Stan Wawrinka nicht gewesen, der ruhige Waadtländer Top-Ten-Spieler, würde Federers Lage wohl anders aussehen, wäre er vielleicht weder Olympia- noch fünffacher US-Open-Sieger. Schon auf die erste Frage nach seinem 13. Grand-Slam-Triumph strich Federer die Wichtigkeit des Olympiasiegs heraus. Diese Goldmedaille im Doppel habe ihn auf eine Wolke versetzt, von der er sich auch in New York nicht vertreiben liess.

Dabei kam Federer zugute, dass auch die Konkurrenz, allen voran Rafael Nadal, wegen des mit den Olympischen Spielen überfrachteten Programms angeschlagen war und Schwächen zeigte. Der Baselbieter dagegen, der sich wegen der vielen Niederlagen frischer fühlte als sonst zu dieser Jahreszeit, schaffte es in New York dank Kampfkraft, Motivation und Inspiration, sein Spielniveau zu steigern. Es war, als ob er im Halbfinal gegen Djokovic einen Schalter umgelegt hätte, den Turbo zuschaltete und mit einem unwiderstehlichen Schub Richtung Pokal davonzog.

Zur Überraschung vieler zeigte Federer danach kaum Spuren einer Genugtuung nach dem Motto, es wieder einmal allen gezeigt zu haben. Er wies zwar darauf hin, dass ihn viele Kritiken enttäuscht hatten, teilweise sei er sogar geschockt gewesen über die Dinge, die gesagt und geschrieben wurden. Doch während andere sich davon hätten niederziehen lassen, hakte es Federer ab, ignorierte es, so gut es ging - und lief weiter.

Der Lohn war gross. Auf den Tag genau 6 Jahre nachdem Pete Sampras in New York seinen 14. und letzten Grand-Slam-Titel holte und 39 Jahre nach Rod Lavers zweitem Grand-Slam wurde Federer am 8. September zum ersten Spieler der Tennisgeschichte, der zwei der grössten Turniere fünfmal in Serie gewinnen konnte. Seine Saison 2008, strich er heraus, sei bereits besser als 2003, das Jahr seines Durchbruchs, in dem er den ersten (von fünf) Wimbledon-Titeln holte.

Lausanne, Basel und Shanghai

Und noch ist die Saison nicht vorbei: Mit dem Davis-Cup in Lausanne, dem Heimspiel in Basel und dem Masters Cup in Shanghai stehen drei grosse Ziele auf seinem Programm, dazu wird er auch an Turnieren in Stockholm, Madrid und Paris erwartet. Sollte Nadal einbrechen, hat Federer eine winzige Chance, ihn in diesem Jahr von der Spitze zu verdrängen. Dass der Baselbieter gleich sein erstes Turnier als Nummer 2 seit 2004 mit einem Grand-Slam-Titel beendete, war eine deutliche Kampfansage an den Weltranglistenersten.

Ob nun alles wieder gut sei, wurde Federer gefragt. «Es war eigentlich alles okay, es wurde nur überdramatisiert», antwortete er. «Doch nun kommt die Zeit, in der ich wieder hart arbeiten kann. Deshalb werde ich 2009 noch stärker sein.»

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