Deshalb ist Berrettini kein Federer-Fan mehr

Der Italiener fordert im Achtelfinal Wimbledons den achtfachen Sieger. Früher drückte er Roger Federer die Daumen.

Den letzten Gegner fegte Federer vom Platz. Nun kommt einer der Aufsteiger der Saison. (Video: SRF)
Simon Graf@SimonGraf1

Aufgepasst! Rasenkönig Roger Federer wird im Achtelfinal Wimbledons von jenem Spieler gefordert, der in diesem Jahr die meisten Rasenspiele gewonnen hat. Der Italiener Matteo Berrettini hat auf dem Grün eine 12:1-Bilanz, seine einzige Niederlage bezog er im Halbfinal von Halle gegen David Goffin. Damals verpasste er zum zweiten Mal innert Kürze sein erstes Rendezvous mit Federer, nach Roland Garros. Nun hat es im dritten Anlauf geklappt – allerdings musste er am Samstag gegen den Argentinier Diego Schwartzman im vierten Satz drei Matchbälle abwehren, ehe er sich im fünften durchsetzte.

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Der 23-jährige Römer ist einer der Aufsteiger der Saison, startete als Nummer 54 ins Jahr und ist inzwischen in die Top 20 vorgestossen. Bei ihm bestätigte sich die These, dass grössere Spieler oft etwas länger brauchen in ihrer Entwicklung. Der 1,96-Meter-Mann war kein überragender Junior, weil er sich noch nicht so gut bewegte. Inzwischen ist er explosiver geworden. Und mit seinem Aufschlag und seiner wuchtigen Vorhand hat er zwei Schläge, mit denen er das Spiel bestimmen kann. Seine Achillesferse ist aber immer noch die Defensive.

Obschon er 2018 in Gstaad auf Sand seinen ersten Profititel feierte, ist er kein Sandplatzspezialist. Sein rasantes Spiel ist besser geeignet für die schnelleren Unterlagen. Aber in Gstaad kam ihm die Höhenluft entgegen, hier fliegen die Bälle schneller. Berrettini ist ein ganz anderer Typ als der aufbrausende Fabio Foginini, der nicht nur mit seinem Tennis, sondern auch mit seinen Wutausbrüchen immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Die italienischen Tennisjournalisten bezeichnen ihn als sehr gut erzogen.

Berrettinis Idol war Federer. «Ich drückte ihm stets die Daumen, als ich jünger war», sagt er. Aber jetzt sei er nicht mehr Federer-Fan. Aus einem einfachen Grund: «Als ich erstmals meinen Namen im gleichen Tableau sah wie jenen Federers, hörte ich auf, ihm zuzujubeln. Denn das geht nicht, schliesslich bin ich ja nun einer seiner Gegner.»

Er werde sich nicht zufriedengeben, erstmals den Court zu teilen mit dem achtfachen Sieger, blickte der Italiener voraus. Er habe die Möglichkeiten, ihn mit seinem aggressiven Spiel zu schlagen. Dass Berrettini auf Rasen spielen kann, ist inzwischen bekannt. Wie gut er damit umgehen wird, erstmals auf dem Centre Court Wimbledons einzulaufen, wird sich weisen.

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