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Als Federer in Bogotá in Tränen ausbrach

Ein Kamerateam von ESPN begleitete den Schweizer auf seiner Südamerikatournee. Die Doku «Everywhere is Home» zeigt ihn auch in seinem schwierigsten Moment.

Gingen gemeinsam auf Lateinamerika-Tour: Roger Federer und Alexander Zverev.
Gingen gemeinsam auf Lateinamerika-Tour: Roger Federer und Alexander Zverev.
Jose Mendez, Keystone
Der Schweizer wurde dabei von den TV-Kameras von ESPN begleitet.
Der Schweizer wurde dabei von den TV-Kameras von ESPN begleitet.
Jose Mendez, Keystone
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Dass Roger Federer ab und zu eine Träne vergiesst, ist bekannt. Meistens tut er das nach grossen Siegen, wenn die ganze Spannung von ihm abfällt. Während seiner Südamerika-Tournee gibt es bei ihm aber Tränen der Enttäuschung und Frustration. Als er den Schaukampf in Bogotá absagen, vor die vollen Ränge erwartungsfroher Fans treten muss, weil der kolumbianische Präsident Ivàn Duque Màrquez wegen Ausschreitungen eine Ausgangssperre ausgesprochen hat und die Zeit zu knapp ist für ein Tennismatch.

Eine TV-Crew von ESPN, des grossen US-Players im Tennis, begleitete Federer und Alexander Zverev auf ihrer siebentägigen Tournee durch fünf Länder Südamerikas im November. Dabei sind eindrückliche Bilder entstanden. Wie eben aus jenen heiklen Stunden in Bogotá, als die regierungskritischen Proteste just an jenem Tag ihren Höhepunkt erreichen, als Federer und Zverev dort Station machen. Am Nachmittag geben sie am anderen Ende der 8-Millionen-Stadt noch Tennislektionen für Kinder, doch dann spitzt sich die Lage zu.

«Mir wurde klar: Wir sollten nicht spielen»

Man sieht in der Doku «Everywhere is Home», wie sich Federer und sein Manager Tony Godsick beraten, nachdem die Ausgangssperre ausgesprochen worden ist. Godsick schlägt vor: «Spielt doch einfach einen Satz!» Doch Federer ist skeptisch. Später erklärt er: «Ich fragte mich: Ist das wirklich eine gute Idee? Die Leute müssen nach Hause kommen, ihre Sicherheit steht im Vordergrund. Mir wurde klar: Wir sollten nicht spielen.» Er tritt den schweren Gang auf den Court an, um die Absage zu erklären, erntet auch Pfiffe. Weinend kehrt er in die Garderobe zurück. Alexander Zverev umarmt und tröstet ihn. Es sind sehr intime Szenen.

Zwei Stunden später geht es für Federer und Zverev weiter nach Mexico City, wo sie in der grössten Stierkampf-Arena der Welt vor 42'517 Zuschauern den Rekord für ein Tennismatch brechen werden. Sie tauchen in ein Lichtermeer ein, überall jubeln ihnen die Fans zu. Der Kontrast zu den Momenten am Tag zuvor könnte kaum grösser sein.

107-jährige Federer-Anhängerin

Berührend ist, wie Federer in Buenos Aires seine wohl älteste Anhängerin trifft, die 107-jährige Dorothea. Sie war 86, als er sein Profidebüt gab, und schaut jedes Spiel, das ausgestrahlt wird. Sie hat sich schick gemacht fürs Treffen und sagt danach: «Er sah anders aus als auf den Fotos. Jünger. Alle sagen, er solle aufhören mit Tennis. Er sei zu alt dafür. Aber er ist doch überhaupt nicht alt! Das ist lächerlich! Die Leute haben keine Ahnung davon, was alt ist.»

Solche Erfahrungen der anderen Art seien für ihn als Tennisspieler Benzin, sagt Federer: «Am liebsten würde ich ewig spielen. Ich werde mein Bestes versuchen, das so lange zu tun wie möglich. Es wird traurig sein, wenn es vorbei ist. Aber ich weiss immerhin, dass ich alles getan habe.» Fünf Länder in sieben Tagen, über 19'000 Flugmeilen, von der einen ausverkauften Arena zur anderen, überall kreischende Massen. Selbst für Federer, der sich punkto Rummel einiges gewöhnt ist, dürfte der Trip nach Lateinamerika so schnell nicht zu verarbeiten sein. «Von dieser Woche werde ich meinen Enkeln erzählen», schliesst er. Er wird sich noch eine Weile gedulden müssen. Myla und Charlene sind zehn, Leo und Lenny fünf.

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