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In letzter Minute zum ersten Bergfestsieg

Der Emmentaler Matthias Aeschbacher (27) schwingt am Schwarzsee obenaus. Die Berner dominieren beim Bergkranzfest trotz durchzogenem Auftakt und holen sich 13 von 14 Kränzen.

Der Festsieger: Matthias Aeschbacher gewinnt im Schlussgang in letzter Minute gegen Simon Anderegg und sichert sich den Gesamtsieg.
Der Festsieger: Matthias Aeschbacher gewinnt im Schlussgang in letzter Minute gegen Simon Anderegg und sichert sich den Gesamtsieg.
Raphael Moser
Schlussgang: Zuvor standen sich Simon Anderegg und Matthias Aeschbacher elf Minuten lang in nichts nach.
Schlussgang: Zuvor standen sich Simon Anderegg und Matthias Aeschbacher elf Minuten lang in nichts nach.
Raphael Moser
2018 hiess der Sieger Christian Stucki. Der Seeländer ist nach wie vor verletzt und kann den Festsieg nicht verteidigen.
2018 hiess der Sieger Christian Stucki. Der Seeländer ist nach wie vor verletzt und kann den Festsieg nicht verteidigen.
Raphael Moser
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Als der Platzrichter die letzte Minute ansagt, denkt sich Matthias Aeschbacher: «Und jetzt Vollgas – Sieg oder Niederlage!»

Es ist ein wunderbarer Gedanke an einem wunderbar sonnigen Sonntag am Schwarzsee. Zuvor mussten sich die 4100 Zuschauer beim Bergkranzfest in den Freiburger Voralpen während elf Minuten in Geduld üben. Der Schlussgang zwischen Aeschbacher und Simon Anderegg war arm an Höhepunkten und reich an Leerlauf. Anderegg hatte zuvor überzeugend geschwungen, den letzten Kampf des Tages nahm er mit Vorsprung in Angriff. Bei einem gestellten Gang hätten je nach Notengebung der Oberländer und sein Verbandskollege Jonas Lengacher oder Lengacher allein den Sieg geholt. Doch in letzter Minute fallen die taktischen und gedanklichen Fesseln: Aesch­bacher zieht, sein innerer Haken bringt Anderegg zu Boden – und lässt den Emmentaler einen Moment später in die Luft springen. «Ich habe das letzte Risiko für diese letzte Minute aufgespart, nahm auch eine Niederlage in Kauf», sagt Aeschbacher. Der Mut des 27 Jahre alten Maurers wird belohnt. Aeschbacher gewinnt sein sechstes Kranzfest und zum ersten Mal in der Höhe. Er spricht vom «schönsten und grössten Erfolg meiner Karriere».

Das Ziel in Zug

Im Vorjahr schwang Aeschbacher an drei Gauverbandsfesten obenaus. Diese Saison klappte es für ihn im Bernbiet nicht, was den Emmentaler vor allem bei seinem Heimfest fuchste, wo er sich den Triumph zum Ziel gesetzt hatte. Ein paar «blöde Gestellte» hätten ihn in den letzten Wochen um bessere Resultate gebracht. «Aber das ging in Ordnung. In einigen Gängen machte ich schlicht zu wenig für den Sieg.» Der 191 Zentimeter grosse und111 Kilogramm schwere Athlet aus Rüegsauschachen hat die Lektion gelernt und am Schwarzsee in der entscheidenden Phase entsprechend agiert.

«Der Erfolg gibt mir Selbstvertrauen fürs ‹Eidgenössische›», sagt Aeschbacher. Trotz Schwarzsee-Sieg wird für ihn dieses Jahr nur dann ein erfolgreiches sein, wenn er Ende August in Zug den eidgenössischen Kranz holt. Diesen verpasste Aeschbacher 2016 in Estavayer um einen Viertelpunkt, obwohl er im erwähnten Jahr neun Kränze gewonnen hatte. Lange Zeit bekundete der Berner Mühe damit, das Verdikt zu akzeptieren. Es käme einer gewaltigen Überraschung gleich, würde er in zwei Monaten nicht zum «Eidgenossen» aufsteigen.

Der König ohne Kranz

Auch Jonas Lengacher fehlt eidgenössisches Eichenlaub in der Sammlung. Der Oberländer aus Aeschi hatte seine Karriere unlängst wegen Knieproblemen beendet, er ist nun aber auf ein Jahr befristet zurückgekehrt und strebt in Zug einen Kranzrang an. Am Schwarzsee gewann Leng­acher fünf Gänge, bodigte mit Willy Graber und Bernhard Kämpf zwei «Eidgenossen».

Die Berner machten den Festsieg unter sich aus und gewannen 13 der 14 abgegebenen Kränze. Einzig Daniel Bösch reiste als Nicht-Berner mit Eichenlaub ab. Der Unspunnen-Sieger von 2011 bodigte Kämpf zum Auftakt, stellte danach mit Fortüne gegen den späteren Sieger Aeschbacher. Als dieser zum vermeintlich entscheidenden Schwung ansetzte, war die Zeit just abgelaufen.

Zu Beginn waren die Nordostschweizer bereit: Neben Bösch gewann Roger Rychen seine Spitzenpaarung gegen Remo Käser – und Domenic Schneider hatte Kilian Wenger beinahe auf dem Rücken. Fortan wurden die Gäste ausgebremst und nach hinten durchgereicht. Aus der Berner Equipe überzeugten die Youngster Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh und Patrick Gobeli. Und Michael Wiget sowie Florian Weyermann stiegen in die Gilde der Berg-/Teilverbandskranzer auf.

Nie auf Touren kam Schwingerkönig Wenger: Er stellte dreimal und verpasste den Kranz.

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