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Rückblick 2002: Kahns einziger Fehler mit fatalen Folgen

Ein Bild, gewissermassen das Abschlussbild, hat sich von der WM 2002 eingeprägt: Wie Oliver Kahn mit seinem einzigen Fehler des gesamten Turniers vom gefeierten Helden zur tragischen Figur wird.

Wie er mit starrem Blick am Pfosten lehnt, immer tiefer sinkt und sich schliesslich auf dem Boden niederlässt, all das hatte irgendwie symbolischen Charakter. Am Final-Vorstoss der Deutschen hatte der "Titan" mit zahllosen spektakulären Paraden entscheidenden Anteil. Er bewahrte die DFB-Mannschaft gegen Irland (1:1) vor der Niederlage, spielte bei den drei 1:0-Siegen in der K.o.-Runde überragend (u.a. im Halbfinal gegen den überraschenden Gastgeber Südkorea). Und er kassierte in den sechs Partien bis zum Endspiel nur ein Tor, jenes gegen Irland. "Im 34. Jahr seines Lebens ist Oliver Kahn nicht auf dem Gipfel. Er selbst ist der Berg. Mount Kahn. Unbezwingbar", schrieb das Magazin "Stern" vor dem Final.

Aber dann, als es für Aussenseiter Deutschland gegen den klaren Favoriten Brasilien um den Titel ging, beging er einen entscheidenden Fehlgriff. Er liess nach 67 Minuten einen Schuss von Rivaldo abprallen, direkt vor die Füsse von Ronaldo. Der beste Torschütze bezwang den besten Spieler des Turniers mit Leichtigkeit, das 0:1 war der Anfang vom Ende für Deutschland. "Das war mein einziger Fehler in sieben Spielen", sagte Kahn. "Und das wurde bitter bestraft." Dass er in einer Aktion davor einen Kapselriss in einem Finger der rechten Hand erlitten hatte, liess der (über-)ehrgeizige Überflieger, der in Yokohama "wieder zum Menschen wurde" (Tagesspiegel), nicht als Ausrede gelten.

Was Kahn auf internationaler Ebene mit der deutschen Auswahl als Stammkeeper nicht schaffte, holte er mit Bayern München vor und nach: Er hamsterte Titel. Wurde sagenhafte achtmal deutscher Meister, sechsmal Cupsieger, gewann 2001 - zwei Jahre nach dem Trauma gegen Manchester United - doch noch die Champions League und wurde dreimal zum Welttorhüter des Jahres gewählt. Die Demontage durch Jürgen Klinsmann vor der Heim-WM 2006 (an seiner Stelle spielte Jens Lehmann) nahm er überaus sportlich. Seit seinem Rücktritt vor sechs Jahren arbeitet Kahn als Experte für das ZDF und beweist zuweilen, dass er seinen beissenden Humor nicht verloren hat.

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