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Rückblick 1994: Romario - Vom "Bad Boy" zum Politiker

Die WM 1994 prägten zwei Namen: Trainer Roy Hodgson aus helvetischer Optik, der brasilianische Stürmer-Star Romario aus internationaler Sicht. Romario führte die "Seleçao" in den USA zum Titel.

Der Engländer Roy Hodgson, in Brasilien 2014 Trainer der englischen Nationalmannschaft, sorgte vor 20 Jahren als Schweizer Teamchef für einen Fussball-Boom in unserem Land. Der britische Gentleman löste mit seinem Team 28 Jahre nach der letzten WM-Qualifikation eine Euphorie in der Schweiz aus. Hodgson, der Bonvivant mit massgeschneiderten Anzügen, disziplinierte und kasernierte die Schweizer. Während er während der WM dem Golfspiel frönte und ein Glas besten Bordeaux kredenzte, waren die Spieler im Camp eingesperrt und überwacht. Und wenn ihm etwas missfiel und er in Rage geriet, bediente er sich vulgärem Cockney-Slang der untersten sozialen Schicht Grossbritanniens.

Die zweite schrille Person war Romario, der brasilianische Goalgetter, der als Fussballer genial war, aber auch als unerträglicher Egomane auffiel. "Baixinho" ("der Kurze"), der nur 169 cm grosse und schwer erziehbare Strassenfussballer aus den Favelas, fiel nicht nur durch Tore (je nach Zählweise waren es entweder 1002 oder 904 Treffer, verbürgt sind 55 in 70 Länderspielen für die Nationalmannschaft), sondern auch durch Skandale, Ärger mit Frauen und den Steuerbehörden und Storys über angeblichen Drogenkonsum auf.

Doch als er 2009 als 43-Jähriger von der Fussball-Bühne abtrat, die ihn nebst Engagements in Spitzenvereinen seiner Heimat (Flamengo, Fluminense, Vasco da Gama) auch nach Europa (Eindhoven, Barcelona), Asien (Katar) und in die USA (Miami) führte, änderte er sein Leben und seine Gesinnung. Ivy, seine Tochter aus dritter Ehe, die mit einem Down-Syndrom geboren wurde, machte aus dem ehemaligen Weltfussballer mit exzessiver Lebensweise einen seriösen Politiker, der sich um die Sorgen armer Zeitgenossen kümmert und sich für die Unterschicht vehement einsetzt.

Als Abgeordneter sitzt Romario seit Oktober 2010 im brasilianischen Nationalkongress und kämpft um Chancengleichheit. "Ich konnte nie die Klappe halten und sage deshalb, dass die WM 2014 der grösste Raubzug in der Historie unseres Landes ist." Die Regierung habe Versprechen gebrochen. Nicht private Investitionen würden die finanzielle Hauptlast tragen, sondern Milliarden von Steuergeldern würden für die WM aufgewendet.

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