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Wackers Linkshänder trumpfen auf

Nicolas Raemy und Jonas Dähler führen die Thuner Handballer zum Heimsieg über Pfadi Winterthur.

Adrian Horn
Nicht aufzuhalten: Nicolas Raemy.
Nicht aufzuhalten: Nicolas Raemy.
Patric Spahni

Wie sich die Dinge ändern können! So gar nichts zu jubeln hatte der Wacker-Anhänger im bisherigen Jahr. Und nun, im ersten Heimspiel 2020, spendet er begeistert Beifall, noch bevor die Partie beginnt.

Unmittelbar vor dem Duell mit Pfadi Winterthur wird in der Lachenhalle auf Grossleinwand ein Video gezeigt, in dem Nicolas Raemy verkündet, was zu diesem Zeitpunkt im Grunde längst jeder weiss: dass er seinen Vertrag um gleich drei Saisons verlängert hat.

Den Club gibts nun doch schon eine Weile, seit 59 Jahren, um genau zu sein, und selten ist die Unterzeichnung eines Kontrakts so sehr zelebriert worden. Raemy ist ja auch nicht irgendwer, sondern die nach Coach Martin Rubin wichtigste Figur im Verein.

Wie wertvoll der Luzerner ist, demonstriert er im Anschluss. Erstmals überhaupt in dieser Spielzeit kann er zu Hause mittun, er steht gleich in der Startaufstellung und ist der mit Abstand beste Akteur.

Er bringt Unberechenbarkeit, Spielfreude und Kreativität in den Thuner Aufbau: Elemente, welche diesem zuletzt fehlten. Handball, das ist im Fall des stets lächelnden Linkshänders nicht Büez; das ist Vergnügen.

Zyniker werden nach der Begegnung behaupten, die 60 Minuten hätten das bisherige Engagement des Studenten vorzüglich zusammengefasst. Wacker glänzt dank Raemy in der ersten Halbzeit, und Wacker spielt nach der Pause ohne Raemy, der angeschlagen ist und nun geschont wird.

Seit Sommer 2014 läuft der 27-Jährige für die Thuner auf, er wurde Meister und zweimal Cupsieger, fiel aber auch immer wieder und teils sehr lange aus. Dass er jeweils gleich wieder federführend, bisweilen gar dominant ist, trotz all den gesundheitlichen Problemen: Es ist Beleg seiner Sonderklasse.

Dählers Renaissance

Die Gastgeber verteidigen die Führung im zweiten Umgang, obwohl der MVP der letzten Saison passen muss. Vorübergehend beträgt der Vorsprung 5 Tore. Gefühlt ist der Auftritt nun aber schwächer, es mangelt mal wieder an Ideen, und die Deckung vermag die Pässe an den Kreis nicht zu unterbinden. Die Zürcher rücken am Ende näher.

30:28 gewinnt Wacker, es ist ein Sieg fürs Gemüt nach schwierigem Start ins Jahr. Vor allen Dingen aber ists der Tag der Linkshänder. Jonas Dähler gehörte in den letzten 10 Saisons stets zu den stärksten Thunern, tut sich nun aber vergleichsweise schwer. Am Samstag erinnert er an die beste Version seiner selbst. Immer wieder trifft der Captain aus Spitzestwinkel.

Mit sieben Treffern ist er der beste Torschütze seines Teams. Und Gabriel Felder, ein weiterer Linkshänder, ist erstmals 2020 dabei, nachdem auch er verletzt war. Unverändert nicht mit von der Partie sind Pfadis Linkshänder. Das fällt ins Gewicht. Rechtshänder werfen vom rechten Flügel; das war noch nie erfolgversprechend.

Trainer Rubin, Linkshänder übrigens, zeigt sich angetan von der Darbietung seiner Leute, hält aber fest, dass sich die Verteidigung weiter steigern müsse. In der Tat gibts noch immer Luft nach oben.

Wacker bestätigt sich zunächst mal als Wundertüte der Liga. Zwei Jahre nach ihrer Blütezeit können die Oberländer noch immer jeden schlagen. Meister aber vermögen sie nur zu werden, wenn Raemy spielt. Und zwar nicht nur für jeweils 20 Minuten.

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