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Olympia hat er noch nicht abgehakt

Der Berner Marathonspezialist Adrian Lehmann befindet sich nach langer Pause auf einem guten Weg.

Adrian Lehmann ist wieder zuversichtlich.
Adrian Lehmann ist wieder zuversichtlich.
Manuel Zingg

Adrian Lehmann war nicht davon ausgegangen, lange keine Startnummer mehr anziehen zu können. Im letzten Frühling hatte er auch eine Teilnahme an der Marathon-EM in Berlin im Sommer 2018 nicht ausgeschlossen. Eine Stressfraktur am Darmbein sollte normalerweise in drei Monaten ausgeheilt sein. Es dauerte schliesslich mehr als ein Jahr, bis der in Köniz wohnhafte Oberaargauer wieder einen Wettkampf bestreiten konnte. Am letzten Samstag war es endlich so weit: Der 29-Jährige belegte an der Berglauf-SM, die auf den Moléson führte, den achten Platz.

Lehmann hatte immer wieder Trainingsversuche unternommen, aber stets Schmerzen verspürt, und diese wieder abgebrochen. Der Marathonspezialist suchte diverse Mediziner auf, Physiotherapeuten, Naturheilpraktiker. Mal machte er keinerlei Sport, mal viel Krafttraining, ging schwimmen und fuhr Rad. Besserung trat keine ein. Erst Ende 2018 konnte diagnostiziert werden, woran der Läuferwirklich litt, neun Monate nach dem letzten Wettkampf, der Halbmarathon-WM in Valencia. Es handelte sich um eine rheumatische Reaktion; Lehmann sucht seither regelmässig einen Spezialisten auf, der ihm alle zwei Wochen eine Spritze setzt. Und der lange Weg zurück begann.

Ein Jahr bis zur Bestform

«Wenn man wie ich so lange nicht mehr spezifisch trainiert hat, braucht man ein Jahr, um wieder in Bestform zu kommen», sagt Lehmann. Sukzessive begann er, sein Laufpensum zu erhöhen, mittlerweile ist er bei 100 Kilometern pro Woche angelangt, früher waren es bis zu 200. Vor zwei Monaten steigerte er auch die Intensität bei den Dauerläufen, bewusst am Berg. «Aufwärts ist die Intensität der Schläge auf den Körper geringer», liefert er die Begründung.

Der nächste Schritt ist, die Belastung in der Fläche zu steigern. Den ersten Marathon nach der Verletzungspause will Lehmann bald bestreiten. «Ich möchte im September in Berlin starten», nennt er ein klares Ziel. In zwei vierwöchigen Trainingsblöcken in St. Moritz will er sich in die Verfassung bringen, die eine Teilnahme sinnvoll macht.

Möglich wird dies, weil Lehmann mittlerweile Profi ist, seine Teilzeitstelle als Konstrukteur gekündigt hat. «Es erscheint unlogisch, dass ich das gemacht habe, als nicht klar war, wie es weitergeht». sagt er. «Damals hatte ich jedoch Zeit, um über die Zukunft nachzudenken.» Die Sponsoren, die im Umfeld des Laufsports angesiedelt sind, blieben ihm während der Wettkampfabstinenz treu; Lehmann hat vermehrt beratende und repräsentative Aufgaben übernommen.

Das mittelfristige Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Dafür braucht der 29-Jährige bis zum nächsten Frühling ein Ergebnis, das ihn im Weltranking genügend weit nach vorn bringt. Neu ist dieses für die Selektion entscheidend, es muss nicht mehr eine bestimmte Zeit erreicht werden. «Erzwingen will ich jedoch nichts», sagt Lehmann. Er hat gelernt, geduldig zu sein.

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