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Marx bändigt auch wilde Flüsse

Kanufahrer Dimitri Marx aus dem Berner Obstbergquartier liebt die Aare und nutzt sie fürs Training.

Modelathlet und Sunnyboy: Dimitri Marx posiert mit Kanu-Utensilien neben der Aare.
Modelathlet und Sunnyboy: Dimitri Marx posiert mit Kanu-Utensilien neben der Aare.
Raphael Moser

Er bändigt wild brausende Flüsse in einem schmalen Kanuboot sitzend mit der puren Muskelkraft aus seinem Oberkörper. Er meistert tobende Wellen im rauen Meer auf einem Surfbrett balancierend mit Geschick und dem richtigen Sinn für das Gleichgewicht. Er schwimmt durch Seen mit der Geschmeidigkeit eines Delfins: Im Wasser fühlt sich Multitalent Dimitri Marx in seinem Element. Das kühle Nass ist für den Stadtberner wie ein natürliches Habitat, wie ein Spiel- und Tummelplatz, auf dem er seinem Draufgängertum und seinen Passionen frönen, aber gleichzeitig auch die Seele baumeln lassen kann.

«Die Aare ist für mich sehr wichtig. Dort verbringe ich extrem viel Zeit, im Sommer fast jeden Tag.»

Dimitri Marx

Marx lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester im Obstbergquartier nur einen Katzensprung entfernt von der Aare, die sich in diesen Tagen im Licht der Sonne mit ihren grünlichen und türkisen Färbungen anmutig wie ein Naturwunder unter der Berner Altstadt hindurchschlängelt. Und so pflegt der Modellathlet mit dem sagenumwobenen Fluss eine innige Beziehung. «Die Aare ist für mich sehr wichtig. Dort verbringe ich extrem viel Zeit, im Sommer fast jeden Tag. Ich schwimme oder surfe in der Aare, gehe mit Freunden auf eine Bootstour, springe von Brücken und trainiere fast täglich im Kanu in Worblaufen auf dem Slalomkurs oder fahre in Thun Freestyle», sagt der 20-Jährige.

Selbst wenn die Kälte ins Land zieht, und Marx nicht gerade in Dubai im Wintertraining weilt, ist er oft auf der Aare anzutreffen. Dann lässt er die Hanteln im Fitnesscenter liegen und absolviert sein persönliches Krafttraining, indem er im Boot von der Lorraine in Richtung Schwellenmätteli gegen die Strömung kurbelt, als ob es die lockerste Übung der Welt wäre.

Grosse Lehrmeister

Am Ursprung von Marx’ Affinität zum Wasser stehen seine Eltern. «Mein Vater machte Touren als Raftguide (Bootsführer von grossen Gummiboten), meine Eltern waren generell Fans von Wassersportarten.» In den Ferien gehörte ein Boot bei der Familie Marx zur Standardausrüstung, im Meer entdeckte er schon als Dreikäsehoch seine Vorliebe für Strömungen und Wellen.

Als die Familie den Wohnort wechselte und Peter Matti ihr Nachbar wurde, entfachte die Liebe zum Kanusport. «Matti war in den 1990er-Jahren der erfolgreichste Kajakfahrer der Schweiz und brachte mir den Sport näher», sagt Marx. Peter Matti, Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta und Europameister 1996 im Zweierslalom zusammen mit seinem Bruder Ueli, weihte Marx in das Abc des spektakulären Sports ein.

Marx in seinem Element. (Archivbild/Andreas Blatter)
Marx in seinem Element. (Archivbild/Andreas Blatter)

Marx versuchte es als Paddler und offenbarte Talent. Er schloss sich dem Kanu-Klub Bern an, machte in den Disziplinen Freestyle und Slalom seine ersten Manöver. In einem Kanu-Sommerlager entdeckte ihn die heutige U-23-Nationaltrainerin, kurz darauf kam er schon in den Genuss gezielter Förderung. Er lernte Welt- und Europameister Mike Kurt kennen, den helvetischen Kanufahrer schlechthin. Kurt entwickelte sich zu einem Mentor, trainierte mit dem Talent, gab ihm unbezahlbare Tricks und Kniffs mit auf den Weg.

Mit Erfolg: Marx gewann etliche nationale Wettkämpfe und profitierte vom Goodwill der Schulleitung des Campus Muristalden, die ihm Freiheiten gewährte und ihn auch an Events im Ausland teilnehmen liess. «Ich lernte früh, selbstständig zu handeln, musste Eigeninitiative entwickeln. Das stärkte mich mental. Davon konnte ich später bei Prüfungen in der Schule profitieren.»

Die stetige Aufbauarbeit mündete letztes Jahr bei der U-23-WM im italienischen Treviso in einen Coup: Im erstmals bei einer WM integrierten Extreme Slalom, bei dem vier Athleten zeitgleich von einer Rampe auf einen Parcours mit Auf- und Abwärtstoren geschickt werden, sicherte sich Marx die Goldmedaille. Dies, obschon die Vorbereitung nicht ideal war und er sich in den Wochen zuvor noch mit dem Stress der Maturaprüfungen herumschlagen musste.

Das Profileben in der RS

Letzte Woche verpasste es Marx im polnischen Krakau bei der U-23-WM knapp, den Titelgewinn von 2018 zu wiederholen. «Ich gewann den Vorlauf, war im Final gut unterwegs, wurde aber zuunterst noch abgedrängt», erzählt er. Am Ende resultierte der starke 4. Platz; das Edelmetall ging aber flöten. Eine leise Enttäuschung für den ehrgeizigen Athleten, zumal er sich im Vorfeld so gut vorbereitet wie noch nie gefühlt hatte.

Gerade erst hat Marx die Spitzensport-RS in Magglingen hinter sich gebracht, wo er sich erstmals über Monate nur auf den Sport konzentrierte. «Die RS pushte mich. Ich habe den Flow, wie ein Profi zu leben, genossen und konnte oft im Wildwasser trainieren. Vor allem in körperlicher Hinsicht bin ich stärker geworden», sagt Marx. Vielleicht habe er sich aber auch unter Druck gesetzt, mutmasst der polysportive Athlet, der auch als Snowboarder, Volleyballer oder mit dem Frisbee eine gute Figur abgibt. «Oft braucht es Zeit, die Dinge so umzusetzen, wie man sie sich vornimmt», erzählt der smarte Berner.

«Oft braucht es einfach auch etwas Zeit, die Dinge so umzusetzen, wie man sie sich vornimmt.»

Dimitri Marx

Vorerst wird sich der Sunnyboy dem Paddeln widmen und im Ausland Wettkämpfe bestreiten, ehe er im Herbst Teilzeit das Einführungsstudium für BWL in Angriff nimmt. «Ich denke, dass ein reduziertes Studium einen guten Ausgleich darstellt.» Marx, der die Ausgaben für seine Wettkämpfe selbst stemmt, dabei aber von der Schweizer Sporthilfe Unterstützung erhält, träumt von den Olympischen Spielen. Eine Teilnahme in Tokio 2020 erscheint jedoch unwahrscheinlich, weil er in diesem Jahr noch nicht im Eliteteam ist. Eine kleine Chance besteht aber, sollte er etwa bei der EM im nächsten Jahr in London über sich hinauswachsen.

Seinen Fokus richtet er aber eher auf die Wettkämpfe 2024 in Paris. Dann dürfte er auf dem Zenit seines sportlichen Schaffens angelangt sein, dann möchte er durchstarten. Die Kriterien sind indes hart. Pro Disziplin darf nur ein Athlet pro Land starten. Und ob seine Lieblingsdisziplin Extreme Slalom in Paris im Programm figuriert, wird erst im Dezember verhandelt. «Die Disziplin ist mir egal, die Olympischen Spiele sind mein Ziel, darauf arbeite ich hin», sagt Marx. Umso schöner, dass er die Grundlagen für seinen Traum vor der Haustür in der schönen blauen Aare schaffen kann.

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