Zum Hauptinhalt springen

Vom Podest in die Depression

Am Wochenende wird in Grächen um Weltmeisterehren im Marathon gefahren. Die Berner Oberländerin Ariane Lüthi gehört zum Kreis der Medaillenanwärterinnen.

Ariane Lüthi kann wieder lachen. In Grächen will die Oberländerin an der WM brillieren.
Ariane Lüthi kann wieder lachen. In Grächen will die Oberländerin an der WM brillieren.
zvg/Lorenz Richard

Wenn Ariane Lüthi von Zielen spricht, zögert sie. Natürlich ist da einerseits der Traum von einer WM-Medaille, andererseits weiss die Oberländerin aus eigener Erfahrung, dass Podestplätze nicht immer ein Segen sind. Sie können einen Karriereverlauf auch bremsen, so geschehen in diesem Frühling. Lüthi nahm zusammen mit der Polin Maja Wloszczowska am Cape Epic teil, dem prestigeträchtigen Mehretappenrennen in Südafrika. Dem wohl wichtigsten Anlass eines Marathon-Mountainbikers.

Das Duo machte seine Sache sehr gut, es resultierte der dritte Schlussrang. Die Folgen aber waren verheerend. Statt Jubelgesang gab es sowohl für Wlosz­czowska als auch für Lüthi einen Karriereknick. Die Polin wurde krank und verpasste mehrere Rennen im Cross-Country-Weltcup. Lüthi fiel ebenfalls in ein tiefes Loch. «Ich war nicht mehr motiviert. Stark angeschlagen: physisch wie psychisch.»

Heute kann sie die Geschehnisse einordnen. «Ich habe schon in der Saisonvorbereitung überdreht. Ich befand mich auf der falschen Seite des schmalen Grates», erzählt sie. Am Cape Epic selber fuhr sie über ihre Verhältnisse. «Ich war die schwächere Fahrerin als Maja und musste stets schauen, dass ich mitmochte.»

Eine Hautinfektion führte dazu, dass die 35-Jährige in den letzten drei Etappen nur mit grössten Schmerzen auf dem Sattel ihres Bikes sitzen konnte. Kurz: «Ich habe mir zu viel zuge­mutet.» Nach dem Cape Epic dauerte die Regeneration viel länger als geplant, rund vier Monate. «Ich war komplett ausgebrannt. Der Spass am Sport war weg.»

Erst im August erholte sich Ariane Lüthi, seither stieg ihre Formkurve rasant an. Mit den Erfolgen kam das Selbstvertrauen zurück und viel wichtiger: die Lust aufs Biken. Die Schweizer Meisterschaft hat die Guntenerin zu ihren Gunsten entschieden, damit rückt sie für die WM, die am Wochenende in Grächen stattfindet, zu den Favoritinnen auf.

Und damit sind wir wieder bei den Zielen. Eine WM-Medaille fehlt Lüthi noch. Zweimal, 2015 und 2016, wurde sie Vierte. Das Rennen im Wallis ist ein Heimspiel, kein Wunder, sind die Ambitionen hoch. «Ich habe die Strecke mehrmals besichtigt», sagt Lüthi, «sie sollte mir liegen.»

Die Athletin sieht ihre Chancen vor allem in den technisch anspruchsvollen Abfahrten. «Bergab gehöre ich sicher zu den ­Besten im Feld», sagt sie selbstbewusst. Bergauf lägen die Vorteile aber natürlich bei den leichten Fahrerinnen. Gut möglich, dass die Entscheidung erst kurz vor dem Ziel fallen wird. Bei der Mauer, einem sehr steilen Bergweg. Lüthi spricht von gegen 35 Prozent Steigung. «Ich gehe davon aus, dass wir Frauen diese Passage nicht fahren können.» Dann heisst es absteigen und rennen.

Die Heim-WM ist der letzte Höhepunkt der Saison. Was danach kommt, weiss Lüthi noch nicht. Sie möchte ihre Profikarriere weiterführen, hat aber noch keinen Vertrag für die kommende Saison. Das Cape Epic möchte sie – im Gegensatz zur Polin Wloszczowska – auch im nächsten Jahr bestreiten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch