Mäders Premiere in der Heimat

Nur einen Monat nach dem Handgelenkbruch steht Radrennfahrer Gino Mäder am Dienstag wieder am Start. Der 22-jährige Oberaargauer bestreitet die Tour de Romandie.

Gino Mäder posiert, am Dienstag startet er in Neuenburg.

Gino Mäder posiert, am Dienstag startet er in Neuenburg.

(Bild: Christian Pfander)

Peter Berger@PeterBerger67

DNF – Did not finish – steht bei zwei von den drei Rennen 2019 bei Gino Mäder. Die erste Saison als Profi hat für ihn bei einer Rundfahrt in Argentinien gut begonnen; zweitbester Jungprofi und Gesamtelfter. Auf den Überflieger in diesem Frühling, Julien Alaphilippe (FRA/2.), hatte Mäder nur eine Minute, auf Nairo Quintana (COL/9.) sogar nur neun Sekunden verloren. «Das war cool», blickt der Berner zurück.

Danach aber folgten die Aufgabe am Eintagesrennen Strade Bianche und der verhängnisvolle Sturz in der 2. Etappe der Katalonien-Rundfahrt, als er am 26. März das Handgelenk brach und seither pausieren musste. «Ein DNF hinter dem Namen sieht nie gut aus», weiss Mäder. Dass es seine erste Saison bei den «Grossen» ist und er erst am Anfang seiner Profikarriere steht, bildet für ihn nur einen schwachen Trost. Er schliesst nicht aus, dass er nun auch an der Tour de Romandie vorzeitig aussteigen muss.

«Nach dem Unfall habe ich eigentlich nicht mehr mit einem Start gerechnet. Dass ich nun trotzdem meine erste Heimrundfahrt bestreiten darf, ist eine grosse Ehre.» Die Ambitionen hat der 22-Jährige aus Wiedlisbach indes gesenkt. Erst seit einer Woche ist er wieder draussen im Verkehr unterwegs. «Ich muss die Tour als Training nutzen und schauen, ob und wie es mit dem Handgelenk geht.»

Die Scheidung

Mäder fährt seit dieser Saison für das Team Dimension Data. Dank seinen zwei Etappenerfolgen an der Tour de l’Avenir 2018, quasi der Tour de France des Nachwuchses, und dem 4. Platz an der U-23-WM im vergangenen Herbst konnte er sich seinen ersten Arbeitgeber als Profi aussuchen. Bei der südafrikanischen Equipe hat er schliesslich für zwei Jahre unterschrieben.

Damit erfüllte er sich einen Traum. Denn schon als kleiner Junge war er durch die Eltern zum Radsport gekommen. Vater Andreas und Mutter Sandra hatten in Wiedlisbach zwischenzeitlich sogar den «GP Mäder» ins Leben gerufen. Als dann vor ein paar Jahren der Vater den Kindern offenbarte, dass die Ehe nicht mehr zu retten sei, fasste der Sohn definitiv den Entschluss, Profi zu werden.

«Es war an einem Abend im Dezember, als uns der Vater informierte», erinnert sich Mäder. «Ich war überfordert mit der Situation, verspürte den Drang, auf das Rad zu steigen. Draussen war es jedoch kalt und schon dunkel, also spannte ich das Velo auf die Rolle und strampelte los. Aus Trotz sagte ich mir: Jetzt erst recht. Ich dachte, wenn ich Profi werde, müssen die Eltern zusammen meine Rennen besuchen.»

Das Lob

Die Trennung hat Mäder längst überwunden, die Eltern sind immer wieder vor Ort. Aber nur Profi sein reicht ihm nicht. Er will Erfolg. Und diesen trauen ihm viele zu. Auch Danilo Wyss, der Schweizer Teamkollege bei Dimension Data: «Gino ist ein grosses Talent und verfügt über einen enormen Willen. Sein Potenzial ist riesig. Bereits ist er ein sehr guter Bergfahrer.»

Mäder holt sich bei den älteren Fahrern in der Mannschaft wie Wyss, Sprintstar Mark Cavendish oder dem Österreicher Bernhard Eisel Rat. «Man merkt, Gino will sehr schnell lernen», stellt Wyss fest. «Auch im Gespräch wird man ein besserer Fahrer, man profitiert von der Erfahrung der Routiniers», erklärt Mäder. Primär geht es nun aber für ihn darum, Renntage zu sammeln.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt