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Im Idealfall Integrationsfiguren

Der Einfluss von Ausländern im Unihockey war früher grösser, weil die Schweizer längst selber top ausgebildet sind. Teams wie Zug, der Playoff-Gegner von Köniz, sind aber nach wie vor abhängig von ihren Ausländern.

Leadertyp, Integrationsfigur, Captain und Erfolgsgarant: Tatu Väänänens Einfluss als Ausländer bei Wiler-Ersigen ist immens. Foto: Marcel Bieri
Leadertyp, Integrationsfigur, Captain und Erfolgsgarant: Tatu Väänänens Einfluss als Ausländer bei Wiler-Ersigen ist immens. Foto: Marcel Bieri

Als in den frühen 1990er-Jahren die ersten ausländischen Akteure im Schweizer Unihockey auftauchten, glich das einer kleinen spielerischen Revolution. «Selbst eher mittelmässige Finnen oder Schweden hatten damals einen grossen Einfluss auf das Spiel» sagt René Berliat. Als Unihockeypionier und langjähriger Aktiver beim UHC TLS Köniz erlebte Berliat die Wirkung von starken ausländischen Gegenspielern einst am eigenen Leib mit.

Später arbeitete er als Trainer von Floorball Köniz selber mit Ausländern zusammen, lernte auch deren Mentalität kennen. «Früher gab es oft den Ausländer des Typs Abenteurer oder Lebenskünstler, der sich dank Skills von den Schweizern abheben konnte. Für diese Spieler ist es heute schwieriger geworden, weil die Schweizer technisch und vor allem auch athletisch viel besser geworden sind», erzählt der Könizer Meistertrainer von 2018, der nach seinem Rücktritt als Headcoach auch heute fast jedem Heimspiel der Vorstädter beiwohnt.

Fünf Schweden in Zug

Auch wenn ihr Einfluss im Vergleich zu den Anfängen geringer geworden ist und gewisse Teams ganz auf sie verzichten, gibt es in der NLA nach wie vor starke Ausländer, die dem Spiel den Stempel aufdrücken. Am ausgeprägtesten ist dies bei Zug der Fall, dem Playoff-Gegner von Köniz (drittes Spiel Samstag, 18 Uhr, Weissensteinhalle). Nicht weniger als fünf Schweden (ein Goalie, vier Feldspieler) figurieren im Kader der Zentralschweizer. 85 von 144 Toren erzielten sie in der regulären Saison, drei von ihnen waren in der Skorerliste unter den Top 10 vertreten.

«Sie sind individuell stark, haben gute Skills, können aus dem Nichts Tore schiessen. Und im Powerplay, in dem sie zusammen agieren, sind sie brandgefährlich», sagt Berliat. Der Einfluss der Nordeuropäer bei den Zugern ist immens, auch was die Mentalität betrifft. «Die Schweden wissen meistens genau, was es für den Erfolg braucht, sie kennen die richtigen Instrumente. Sie zeichnen sich oft durch ein hohes Mass an Selbstverantwortung aus und lassen sich meist gut ins Team integrieren», erzählt Berliat, der im hohen Norden einst selber während zweier Saisons gecoacht hatte.

Spieler aus dem Land des Rekordweltmeisters bilden in der Schweiz den grössten Ausländeranteil, gefolgt von Akteuren aus Finnland, dem aktuellen Weltmeister, sowie Tschechen. «Die Finnen sind auf dem Feld wilder als die Schweden, sind top ausgebildet und zeichnen sich oft durch eine starke Stocktechnik aus», findet Berliat.

Tschechen habe er derweil meist als pflegeleichte Spieler, speziell auch in der Betreuung durch den Verein, wahrgenommen, «die oft eine klare Ansage brauchen». Grundsätzlich müsse sich ein Club bei der Verpflichtung eines Ausländers überlegen, was dem Team noch fehle und in welchen Bereichen man etwas zu kompensieren habe, sagt Berliat.

Technische und taktische Fertigkeiten sind bei der Verpflichtung von Ausländern, die heute oft per Agenten den Clubs angeboten werden, das eine. Mindestens so wichtig können aber auch Ausstrahlung und Führungsqualitäten sein. So wie bei Tatu Väänänen von Wiler-Ersigen, der zu einer Integrationsfigur mutiert ist und einer der einflussreichsten Ausländer der letzten Jahre war.

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