Hilfe für Berner Tennistalente

Michel Kratochvil nimmt eine Pionierrolle ein und gründet mit viel Prominenz die erste Berner Nachwuchsstiftung für Bedürftige.

Michel Kratochvil erklärt, wie die von ihm gegründete Stiftung für bedürftige Tennistalente funktioniert.

Michel Kratochvil erklärt, wie die von ihm gegründete Stiftung für bedürftige Tennistalente funktioniert.

(Bild: Adrian Moser)

Peter Berger@PeterBerger67

Wer den Weg bis nach Wimbledon schaffen will, braucht vor allem zwei Sachen: Talent und Geld. Der finanzielle Aufwand nimmt dabei exponentiell zu, von rund 2000 Franken pro Jahr für ein junges Clubmitglied bis zu 100000 Franken für einen Jungprofi. «Tennis ist teuer. Für zwei Trainings pro Woche im Club reichen 2000 Franken im Jahr, kommt noch eine Privatlektion bei einem Tennislehrer dazu, steigen die jährlichen Ausgaben schnell um 5000 Franken an», erzählt Michel Kratochvil. Der ehemalige Profi weiss, wovon er spricht. «Auch ich bin unterstützt worden. Ohne Gönner schafft es in der Schweiz im Tennis niemand in die Weltspitze.»

Kratochvil hat festgestellt, dass die finanziellen Hürden oftmals zu hoch sind. «Kinder, die gern Tennis und Fussball spielen, landen eher beim Fussball, weil für diese Sportart weniger Auslagen zu tätigen sind.» Diesen Trend will die frühere Weltnummer 35 nun stoppen. Zusammen mit sechs weiteren Personen lanciert er die Berner Nachwuchsstiftung BENAS für Bedürftige im ganzen Kanton. Der frühere SCB-Goalie Marco Bührer und Teamarzt Martin Schär, YB-Verwaltungsrat Richard Gostony, Kommunikationsexpertin Caroline Forte, Treuhänder Roger Schönenberger und Felix Marti (Auto Marti AG) sowie Kratochvil bilden die Stiftungsräte.

«Die Stiftungsräte sind explizit nicht die Geldgeber, aber sie sind für die finanzielle Beschaffung zuständig», hält Kratochvil fest, der die Mitglieder aus seinem privaten Umfeld rekrutierte und allen «viel Tennisherzblut» attestiert. «Sie arbeiten unentgeltlich. Wir organisieren keine Anlässe oder VIP-Reisen. Jeder Rappen fliesst zu den Spielern», betont Kratochvil. Namhafte Botschafter wie der Schweizer NHL-Eishockeypionier Mark Streit und der frühere Tennisprofi Jakob Hlasek amten als Botschafter.

Kader ist Pflicht

Bei Swiss Tennis stösst die Idee auf Zustimmung. Alessandro Greco, Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis, hält fest: «In Zeiten, in denen es grundsätzlich schwierig ist, Sponsoren und Gönner zu finden, fliesst hier Geld ins Tennis und zu den Junioren – das ist eine gute Sache.» Mit einem Budget von mindestens 100000 Franken will die Stiftung begabte, aber finanziell benachteiligte Tennisspieler aus dem Kanton Bern, vorwiegend zwischen 10 und 18 Jahren, nachhaltig unterstützen.

«Die sportlichen Kriterien richten sich nach den Vorgaben des Regionalverbandes Bern und Swiss Tennis. Eine Kaderzugehörigkeit ist Pflicht, der Stiftungsrat entscheidet danach anhand des Einkommens und Vermögens der Eltern über den Unterstützungsbeitrag», sagt Kratochvil. Der ehemalige Davis-Cup-Spieler hofft, dass damit eine Förderlücke geschlossen werden kann und Bern wieder zu einer führenden Tennisregion der Schweiz wird.

Keinen Eigennutzen

Einen Eigennutzen verneint der Inhaber einer Tennisschule explizit. «Alle Spielerinnen und Spieler aus dem ganzen Kanton können Anträge stellen, unabhängig davon, bei welchem Club sie trainieren.» Das Ziel ist vor allem, die Talente im Tennissport zu behalten. «Sie übernehmen vielleicht später in ihrem Club eine Funktion und helfen damit wiederum unserem geliebten Sport.»

Kratochvil wäre aber selbstverständlich auch stolz, wenn es ein von der Stiftung unterstützter Berner bis nach Wimbledon schaffen würde. Dort hatte der Ostermundiger 2002 mit dem Vorstoss in die Viertelfinals sein bestes Resultat an einem Grand Slam erreicht. 2007 trat der heute 40-Jährige letztmals und als bisher letzter Berner in Wimbledon an.

www.benas.ch

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