Wacker Thun: Die grosse Ungewissheit

Möglicherweise wird sich bei Wacker Thun eine Menge ändern. Der Vertrag vieler wichtiger Spieler endet mit Saisonschluss. Korrekturen böten sich am Kreis und im linken Rückraum an.

«Es het scho meh gfägt»: Coach Martin Rubin ist wenig angetan.

«Es het scho meh gfägt»: Coach Martin Rubin ist wenig angetan.

(Bild: Patric Spahni)

Adrian Horn

Die vierte Niederlage in Folge erleidet Wacker. Es ist das dritte Heimspiel in Serie, das die Thuner verlieren. Zum zweiten Mal de suite unterliegen sie in extremis. Und ein Mann ist bedient. Coach Martin Rubin sagt am Mittwoch an einer Talkrunde: «Es het scho meh gfägt.»

Es sind keine sonderlich erfreulichen Monate für die Angehörigen eines Clubs, dem jahrelang sehr vieles gelang. Immer wieder fallen Akteure aus, jüngst Linkshänder Ron Delhees, der sich erneut das Kreuzband riss, sowie Phillip Holm, der einzige Ausländer, welcher aber nicht allzu lange fehlen, im übernächsten Match zurückkehren dürfte.

Und den Zuschauerrückgang müssen die Berner Oberländer spätestens jetzt, nach dem Derby, als Tatsache betrachten. Auch nach der Partie gegen den Kantonsrivalen warten sie darauf, in dieser Saison zu Hause erstmals vor 1000 oder mehr Leuten auftreten zu können. Festzumachen ist das Sinken des Interesses nicht bloss an Zahlen. Spürbar mehr Platz steht den Besuchern in der Lachenhalle dieser Tage zur Verfügung.

Kein Wettkampfglück, wenig Anhänger und viele Ausfälle: Da kann man als Trainer schon mal zum Schluss kommen, dass es «scho meh gfägt het». Gerade wenn man innerhalb von sieben Jahren sechs Titel gewann, Erfolg für einen lange Alltag war.

Die Sorge vor dem Aderlass

Keinen Anlass zur Freude bietet auch das Faktum, dass viele Verträge nur bis zum Ende der laufenden Saison Gültigkeit besitzen. Bereits verlängert haben vergleichsweise wenig Akteure, kürzlich unterschrieben Stefan Huwyler und Gabriel Felder.

Und so drohen zumindest theoretisch unter anderen die Abgänge von Torhüter Marc Winkler, MVP Nicolas Raemy, Nationalspieler Delhees und Rückraum-Allrounder Holm. «Respekt» hat Rubin vor der Eventualität, gleich mehrere Schlüsselfiguren zu verlieren. Er sagt, er sei sehr zuversichtlich, dass Wacker auch künftig ein starkes Team stellen werde, kann aber nicht ausschliessen, dass ein Umbruch erfolgen wird.

Die Kaderplanung für 2020/2021 dürfte erst im Januar vorangetrieben werden; einige Spieler haben sich bis dahin Bedenkzeit ausbedungen. Es ist also unklar, wie das Wacker der Zukunft aussehen wird. Änderungsbedarf herrscht in den Augen vieler Beobachter am Kreis.

Simon und Stefan Huwyler sind in der Verteidigung weit besser als im Angriff, und Spezialist Reto Friedli überzeugt nicht mehr so sehr, wie er dies lange und vorab in der ersten Meistersaison tat.

Ein Zugang aber zeichnet sich nicht ab. Denkbar ist, dass mittel- oder spätestens langfristig vermehrt auf die aktuell bei Partnerclub Steffisburg engagierten Eigengewächse Janick Sorgen und Yannick Schwab zurückgegriffen werden wird.

Der Kampf um einen Vertrag

Gleichfalls nicht hervorragend besetzt ist der linke Rückraum, die eigentliche Königsposition. Keinen klassischen Shooter beschäftigen die Thuner. Am ehesten entspräche der im Oktober dazugestossene Noah Haas diesem Profil. Aber er ist unerfahren – und ausser Form; das wurde am Mittwoch offensichtlich.

Von den Linksaufbauern hat einzig Damien Guignet einen Vertrag über die aktuelle Saison hinaus. Die Talentlizenz für Roman Bouilloux etwa ist nach jetzigem Stand lediglich bis Ende Saison gültig, genauso wie der Kontrakt Dario Lüthis.

Einige Akteure spielen um einen neuen Vertrag. Andere zögern vorerst, einen solchen zu unterzeichnen. Es herrscht gerade die grosse Ungewissheit. Sicher ist: Auf Rubin kann der Club weiterhin zählen; sein Engagement endet frühestens 2021. Das ist mehr als bloss die Basis.

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