Den Favoriten gekitzelt, aber am Ende eingebrochen

Das Frauenteam Thun Berner Oberland verliert im Cupviertelfinal gegen Zürich.

Die Thunerin Andrea Michel (li.) gegen Riana Fischer.

Die Thunerin Andrea Michel (li.) gegen Riana Fischer.

(Bild: Patric Spahni)

Adrian Lüpold

Sie sind seit über einem Jahrzehnt das Nonplusultra. Neun der letzten elf Meistertitel heimsten die Frauen des FC Zürich ein und gewannen in jener Zeit auch sechsmal den Cup. Und obschon im Sommer einige talentierte Spielerinnen den FCZ verliessen, um im Ausland ihr Glück zu versuchen, stellen die Zürcherinnen weiterhin ein Spitzenteam.

In der NLA hinter Servette auf Rang 2 liegend, führte sie die Auslosung im Cup nach Thun. Auf dem Kunstrasen des FC Lerchenfeld versuchte das NLB-Frauenteam Thun Berner Oberland, im Viertelfinal das Unmögliche möglich zu machen und eine Sensation zu bewerkstelligen.

Schulings Traumtor

Bei garstigen Bedingungen zeigten die Oberländerinnen vom Anpfiff weg, weshalb sie in der NLB so gut in Form sind und auf Aufstiegskurs liegen (Rang 4 mit zwei Punkten Rückstand auf Leader Rapperswil, aber mit zwei Spielen weniger). Sie kitzelten den FCZ und ärgerten ihn. Defensiv gut organisiert, aggressiv in den Zweikämpfen und frech im Spiel nach vorne, war von einem Klassenunterschied zunächst nichts zu sehen. «Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen», sagte die Thuner Torhüterin Janine Teuscher.

Tatsächlich generierten die Oberländerinnen die ersten Chancen, derweil der hochdekorierte FCZ kaum ein Bein vors andere brachte. In der 30. Minute belohnten sich die Thunerinnen mit einem Traumtor. Nach einem Zusammenspiel im linken Couloir und einem Querpass an die Strafraumgrenze, fackelte Mittelfeldspielerin Eline Schuling nicht lange. Sie nahm den Ball aus vollem Lauf und schlenzte ihn technisch anspruchsvoll zur 1:0-Führung ins Lattenkreuz.

So ausgiebig der Jubel der Thunerinnen nach diesem Geniestreich war, so schnell verhallte er auch wieder. Denn keine fünf Minuten später brach die ehemalige Thunerin und Ex-Nationalspielerin Martina Moser (129 Länderspiele) aus abseitsverdächtiger Position durch und wurde von Thun-Goalie Teuscher sehr unsanft gestoppt. FCZ-Captain Riana Fischer – die Tochter von Union Berlins Coach Urs Fischer – verwertete den Elfmeter zum 1:1-Ausgleich. Moser musste das Spielfeld indes verletzt verlassen.

Am Ende fehlte die Kraft

Im zweiten Spielabschnitt riss sich der FCZ zusammen, agierte zielstrebiger. Gleichzeitig begannen die Kräfte von Thun zu schwinden. «Die Kraft liess nach, und wir wurden auch etwas nervös», meinte Goalie Teuscher. Coach Hugo Kostezer ergänzte: «Das Team war nach der ersten Halbzeit, in der so viel gelaufen wurde, mental müde. Ich bin aber extrem stolz auf die Leistung.»

Mit vier Toren binnen 20 Minuten zog der FCZ auf 5:1 davon, wahrte so die Hierarchie und zog in den Halbfinal ein. Die Thunerinnen dürfen derweil trotz des Einbruchs am Ende stolz sein auf ihren Auftritt, der für die letzten zwei Spiele in der Liga vor Weihnachten nochmals einen Extraschub geben könnte.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt