Zum Hauptinhalt springen

Das verflixte zweite Jahr

Nach tollen Darbietungen in der Premierensaison ist Wacker-Aufbauer Marco Giovanelli bloss noch Ergänzungskraft.

Gestoppt: Marco Giovanelli.
Gestoppt: Marco Giovanelli.
Christian Pfander

40 Minuten repräsentieren 15 Monate. Marco Giovanelli darf im Champions-League-Spiel bei Riihimäen Cocks von Beginn an ran. Er überzeugt in der ersten Hälfte, erzielt da fünf Tore, Wacker führt in Finnland zur Pause auch seinetwegen mit vier Treffern Differenz. Im zweiten Umgang tut sich der im rechten Rückraum positionierte Linkshänder auf einmal schwer, gleich zu Beginn geraten zwei Würfe zu unpräzise. Das Selbstvertrauen: weg. Der 20-Jährige wird aus- und nicht wieder eingewechselt. Die Thuner unterliegen 29:31.

Überzeugend gestartet, Probleme bekundet, das Selbstbewusstsein verloren, auf der Bank gelandet: Das fasst das bisherige Wirken des gebürtigen Frutigers ganz gut zusammen. Der Aufbauer erfährt gerade, wie schwierig es ist, eine starke erste Saison zu bestätigen.

Spielzeiten sind kürzer, die Einsätze rarer

Im Sommer letzten Jahres war er zum Fanionteam gestossen, er war der Emporkömmling in einer routinierten Mannschaft. Er gelangte zu vielen Einsätzen, Coach Martin Rubin nominierte ihn auch in wichtigen Partien in die Startaufstellung, im EHF-Cup-Auswärtsspiel gegen Azoty-Pulawy etwa. Und auch wenn er im zweiten Teil des Playoff nicht oft berücksichtigt wurde, fiel das Fazit nach dem Premierenjahr positiv aus: Giovanelli hatte sich im Oberhaus auf Anhieb durchgesetzt und sich für die U-21-Auswahl des Landes empfohlen.

Heuer bekundet er ungleich mehr Mühe. Die Spielzeiten sind kürzer, die Einsätze rarer, die Leistungen schlechter geworden. Der Betroffene bestreitet dies nicht. Vielmehr erweist er sich als Kritiker seiner selbst. «Unbefriedigend» seien seine Auftritte in dieser Saison, sagt er. Zuletzt habe er zwar eine leichte Aufwärtstendenz ausgemacht, «aber ich bin noch immer weit davon entfernt, so zu spielen, wie ich mir dies vorstelle».

Unterstützung des Vizecaptains

Giovanellis Problem ist, dass er nach oft gutem Beginn im Nu das Selbstvertrauen verliert, wenn einzelne Aktionen missrieten. Reto Friedli versucht dem entgegenzuwirken, indem er seinem jungen Teamkollegen fortwährend Mut zuspricht, ihm empfiehlt, weiterhin forsch zu agieren. Der 20-Jährige schätzt die Unterstützung des Vizecaptains. Wirkung gezeigt haben die aufmunternden Worte aber nicht immer. Aus dem Aufsteiger ist ein Ergänzungsspieler geworden.

Eine ganze Menge erhoffte sich Giovanelli von der Saison. Er freute sich unter anderem auf die Champions League, auf die Heimspiele, die in Gümligen ausgetragen werden, unweit der Schule, die er besucht hatte. Die Lehre zum Elektroplaner hatte er im Frühsommer abgeschlossen, worauf er sein Pensum auf 60 Prozent reduzierte. Mehr Freizeit zu haben, sei vielleicht nicht förderlich, sagt der in Steffisburg aufgewachsene Berner. «Im letzten Jahr hatte ich gar keine Gelegenheiten zum Nachdenken. Ich tat einfach, was ich tun musste.»

Die Freude aber – sie ist unverändert da. Und der Rückraumakteur stellt sein Engagement nicht infrage: «Ich werde immer Handballer sein wollen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch