Captain, Leaderin, Skorerin

Die 15-jährige Oberaargauerin Alina Marti nimmt im Schweizer U-16-Nationalteam an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne eine tragende Rolle ein.

Wie schon an der U-18-Weltmeisterschaft möchte Alina Marti nun auch an den Jugendspielen in Lausanne jubeln. Foto: IIHF/HHOF

Wie schon an der U-18-Weltmeisterschaft möchte Alina Marti nun auch an den Jugendspielen in Lausanne jubeln. Foto: IIHF/HHOF

Peter Berger@PeterBerger67

Alina Marti verwertet den Penalty im Training in Romanshorn souverän. Sie lässt sich auch vom eingespielten ohrenbetäubenden Fangesang über die Lautsprecheranlage nicht beirren. Und wie zuvor bei jedem Treffer einer Kollegin während der 90-minütigen Einheit bejubelt sie auch ihr Tor lautstark. Kein Zweifel: Marti gibt im U-16-Nationalteam den Ton an. «Alina ist Captain und wichtig fürs Team», sagt Tatjana Diener. Die Trainerin lobt die Bernerin: «Sie ist eine absolute Leaderin, das zeigt sie sowohl auf als auch neben dem Eis.»

Marti nahm in der Altjahrswoche als 15-Jährige erstmals an der U-18-WM teil und vermochte in der Slowakei auf dem Weg zum Klassenerhalt zu überzeugen. «Es war cool, erstmals an einem solchen Turnier dabei zu sein und zu sehen, wie man im internationalen Vergleich dasteht.» Die zwei Tore in den fünf Spielen zeigten ihr, dass sie sich auch in der höheren Altersklasse nicht zu verstecken braucht.

Unvergessliches Erlebnis

Kaum ist sie zurück aus der Slowakei, wartet mit den Olympischen Jugendspielen in Lausanne das nächste Highlight. «Das Heimturnier wird bestimmt zu einem unvergesslichen Erlebnis», ist Marti überzeugt. Am Mittwoch dislozierte sie mit dem Team vom Trainingscamp in Romanshorn an die Spiele nach Lausanne. Später, so sagt sie, möchte sie dann auch mit dem A-Nationalteam einmal an den grossen Olympischen Spielen teilnehmen.

Bis dahin gilt ihre Konzentration den Clubs. Neben Einsätzen mit dem NLA-Frauenteam der ZSC Lions spielt Marti vorwiegend mit Langenthals U-17-­Junioren. «Bei den Jungs gehts etwas schneller zu und her, aber ich profitiere in beiden Teams», sagt Marti.

Cupsieger mit ZSC Lions

Letztes Jahr hatte sie als 14-Jährige die ZSC Lions in La Chaux-de-Fonds zum Cupsieg geschossen. Das 2:1 gegen Lugano bedeutete im Final das Siegestor. «Dass mir das in der voll besetzten Halle gelungen ist, konnte ich fast nicht glauben. Das war toll.» Auf ein ähnliches Erlebnis hofft sie nun im Waadtland. Geht es nach ihr, soll das Motto der Schweizer «Dream Big» wahr gemacht werden. Am Freitagabend startet die Equipe gegen Tschechien, am Sonntagmittag folgt die Partie gegen Japan. Die beiden Bestklassierten der Dreiergruppe qualifizieren sich für die Halbfinals.

Nach den Jugendspielen ist es Zeit, dass sich Marti wieder einmal in der Schule und im Lehrbetrieb blicken lässt. Seit dem Schulabgang im vergangenen Sommer besucht sie an der BWD (Bildungszentrum Wirtschaft und Dienstleistung) in Bern die Berufsschule und absolviert bei der IB (Industrielle Betriebe) in Langenthal das KV. «Solange die Noten stimmen, sind alle sehr tolerant mir gegenüber, und ich kann für das Eishockey fernbleiben», sagt Marti. Bisher verkrafte sie die Doppelbelastung mit Beruf und Sport gut. Die Ausbildung will sie unbedingt abschliessen.

«Danach schauen wir weiter.» Einen Wechsel ins Ausland in drei Jahren schliesst sie nicht aus. Ihr Vorbild ist Alina Müller, die in Nordamerika engagiert ist. «Aber auch Roman Josi imponiert mir mit seiner offensiven Spielart als Verteidiger.» Schliesslich ist Marti selber Verteidigerin, auch wenn ihre Skorerwerte eher auf eine Stürmerin schliessen lassen. «Bei meinen Schüssen ist wohl oft etwas Glück dabei», meint sie bescheiden, um dann doch noch anzufügen, dass sie stets versuche, mit vollster Entschlossenheit und Überzeugung den Torerfolg anzustreben.

Eine Medaille als Ziel

Die Oberaargauerin aus Bleienbach begann im Alter von sechs Jahren mit Eishockey. Nicht einmal zehn Jahre später sind bereits einige Höhepunkte und Erfolge in ihrem Palmarès. Und in Lausanne will Marti nicht nur unvergessliche Momente erleben, sondern auch «eine Medaille gewinnen». Und sollte es am nächsten Dienstag im Final in der vollen Vaudoise-Arena zu einem Penaltyschiessen kommen, wäre Marti jedenfalls bestens vorbereitet.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt