«Der Wert der Liga wird unterschätzt»

Vor dem Saisonstart in der MySports League (MSL) am Samstag traf sich diese Zeitung mit den vier Trainern der Berner Clubs.

Die Trainer der vier Berner MSL-Clubs (v.l.): Serge Meyer (Lyss), Andreas Beutler (Huttwil), Stefan Gerber (Wiki) und Christoph Schenk (Thun). Foto: Christian Pfander

Die Trainer der vier Berner MSL-Clubs (v.l.): Serge Meyer (Lyss), Andreas Beutler (Huttwil), Stefan Gerber (Wiki) und Christoph Schenk (Thun). Foto: Christian Pfander

Ist die MSL eine Ausbildungsliga oder ein Auffangbecken für Spieler, die den Sprung zum Profi nicht geschafft haben?
Andreas Beutler (Huttwil): Sportlich ist diese Liga das Beste, was passieren konnte. Die Mannschaften sind ausgeglichen, der Kampf ums Playoff spannend, und es wird guter Sport geboten. Wenn es ein Spieler bis im Alter von 22 oder 23 Jahren nicht zum Profi geschafft hat, sollte er unbedingt in die MSL. Hier spielt er auf einem hohen Niveau und hat trotzdem Zeit, seine berufliche Laufbahn zu forcieren.

Christoph Schenk (Thun): Ich glaube, sie ist im Moment ein Auffangbecken, entwickelt sich aber immer mehr zu einer Ausbildungsliga. Deren Wert wird derzeit noch unterschätzt. Wenn ein 18-jähriger Spieler in einem U-20-Elit-Team – so heissen die früheren Elite-A-Junioren – den Sprung in eine NLA-Mannschaft nicht geschafft hat, ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass er diesen noch realisieren wird. Wenn er allerdings in die MSL wechselt statt in der U-20-Elit bleibt, bin ich überzeugt, dass seine Chancen für den Sprung in eine höhere Liga steigen.

Stefan Gerber (Wiki): Da stimme ich zu. Die Intensität, die Professionalität im Umfeld ist höher als früher in der 1. Liga.

Serge Meyer (Lyss): Das Niveau ist wirklich top. Für einen jungen Spieler ist es viel besser, er kommt in diese Liga und übernimmt Verantwortung, als dass er einem Team aus der Swiss League angehört und kaum Eiszeit erhält. Ich denke, die Tendenz in der MSL geht zu einer U-23- oder U-25-Liga, natürlich mit wichtigen Routiniers im Team. Für einen Jungen ist diese Liga Gold wert. Sie mindert die Gefahr, dass einer, der den Sprung zum Profi nicht geschafft hat, in die 1. Liga geht und dort bald aufhört.

Beutler: Vielleicht sollten wir sogar so weit gehen, dass das letzte Jahr als Junior das erste Jahr in der MSL sein sollte.

Meyer: In Lyss arbeiten wir stark mit Biel zusammen. Da gibt es Überlegungen, dass ein Junior sowohl in der NLA als auch in der MSL spielt.

Schenk: Solche Beispiele gab es schon. Servette parkierte etwa Spieler bei Sierre. Das meine ich, wenn ich sage, dass den Wert der Liga noch nicht alle erkannt haben. Das betrifft sowohl Clubs wie auch viele Spieler.

Meyer: Viele gehen noch immer lieber zu einem Swiss-League-Verein, obwohl sie dort kaum spielen.

Wie gross ist denn der Sprung von der MSL in die Swiss League?
Gerber: Der Unterschied liegt nicht im läuferischen oder physischen Bereich. Einzig die Intensität und Qualität ist höher, weil die Spieler dort mehr trainieren. Und in der Swiss League gibt es Ausländer, die häufig den Unterschied ausmachen. Natürlich muss ein solches Team auch über vier Linien ausgeglichener besetzt sein als bei uns.

Ist die Belastung in der MSL nicht zu gross? Die Partien finden auch an Wochentagen statt. Die Rückkehr aus Graubünden oder dem Wallis wird spät. Trotzdem ruft am nächsten Morgen schon wieder die Arbeit.
Beutler: Natürlich ist die Erholung wichtig. Mehr als vier Abende pro Woche, je zwei Trainings und Partien, muten wir den Spielern nicht zu.

Schenk: Wir in Thun haben sogar fünf Termine – drei Trainings, zwei Partien. Ich stelle fest, dass viele Spieler gute Arbeitsstellen haben, an Matchtagen früher gehen oder am nächsten Tag später kommen dürfen. Natürlich ist der Aufwand gross, aber die Spieler scheuen diesen nicht, sie kommen gerne, denn für sie ist Eishockey mehr als ein Hobby. Und die langen Reisen sind nicht verlorene Zeit, sondern dienen der Teambildung.

Gerber: Die Spieler absolvieren eigentlich eine Lebensschule. Sie lernen sich besser kennen, können organisieren, die Freizeit planen, wissen, was sie zur Erholung brauchen. Während andere Menschen mit ein, zwei Terminen schon überfordert sind, sind unsere Spieler viel organisierter und strukturierter.

Jetzt gibt es vier Berner Teams in der MSL. Was bedeutet das?
Hat es überhaupt genug Spieler für diese Liga?
Meyer: Wichtig ist eben, dass die Jungen nicht abspringen.

Wie sehen denn die Ziele aus?
Beutler: Für uns ist klar: Wir haben eine gute Mannschaft, wir wollen in die Playoff-Halbfinals einziehen.

Beutler: Für uns ist das ideal. Gegen Thun, Wiki oder Lyss gibt es bestimmt auch mehr Zuschauer als gegen andere Teams. Zudem sind die Reisewege kürzer als nach Arosa oder Chur.

Meyer: Auf dem Transfermarkt hat das Auswirkungen. Es ist eine Challenge, eine schlagkräftige Equipe zusammenzustellen. Zählt man Düdingen dazu, sind es gar fünf Teams aus der gleichen Region. Wichtig ist deshalb, dass man die Jungen einbindet.

Beutler: Ich denke, es gibt genug. Wir orientieren uns nach Langnau oder Langenthal. Wiki und Thun haben dagegen das gleiche Einzugsgebiet, ein SCB-Spieler kommt eher nicht nach Huttwil.

Schenk: Wir unterhalten mit Wiki zusammen die grösste Nachwuchsabteilung im Kanton. Dragon Thun zählt rund 300 Spieler. Das Ziel ist, aus diesem Reservoir zu schöpfen. Das Problem ist, dass der Sprung für einen Elite-B-Junior, jetzt U-20-Top, relativ hoch ist. Aber wir versuchen es.

Gerber: Das ist auch finanziell bedingt. Wir können nicht Auswärtigen Topsaläre zahlen. Somit sind wir wieder bei der Frage am Anfang: Ja, wir sind eine Ausbildungsliga. Aber wir müssen uns auch Zeit geben, pro Saison schafft es vielleicht ein Junger, sich in der MSL zu etablieren. Doch die Erwartungen an die Clubs sind hoch, alle wollen ins Playoff kommen.

Schenk: Ich sehe die vier Teams Martigny, Huttwil, Dübendorf und Basel vorne. Dahinter kämpft der Rest um das Playoff, auchwir.

Gerber: Wir haben die Ziele etappiert: Erst wollen wir in der Qualifikation Fuss fassen und das Playoff erreichen. Dann schauen wir weiter.

Meyer: Auch wir wollen ins Playoff, aber Priorität geniesst für uns der Ligaerhalt.

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