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Raemy kommt nicht zur Ruhe

Seit dem heftigen Foul von Milan Skvaril an Wacker-Thun-Spieler Nicolas Raemy ist bereits mehr als ein halbes Jahr vergangen. Trotzdem ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.

Die umstrittene Aktion: Skvaril drückt mit dem Ellbogen gegen den Nacken Raemys.
Die umstrittene Aktion: Skvaril drückt mit dem Ellbogen gegen den Nacken Raemys.
Christian Pfander

Eine langwierige Sache hätte enden können. Stattdessen ist sie quasi neu lanciert.

Nicolas Raemy war bereit, sich mit Milan Skvaril aussergerichtlich zu einigen, nachdem dessen Anwalt einen Vergleich angestrebt hatte, wie der Wacker-Thun-Spieler festhält. Raemy stellte in Aussicht, die Anzeige gegen den Tschechen unter Umständen zurückzuziehen, auch nachdem er sich mit Verbandsvertretern ausgetauscht und dabei «gute Gespräche» geführt hatte. Der 27-Jährige forderte nach eigener Aussage im Wesentlichen eine Entschuldigung des Kontrahenten, die Offenlegung der Gründe für dessen Wegzug sowie dass Skvaril einen Teil der Verfahrenskosten übernimmt.

Der Verband hat mit mehreren Involvierten eine Analyse vorgenommen, überprüft, wie sehr Foulspiele hierzulande im Vergleich mit anderen Ligen bestraft werden. In dieser Angelegenheit setzten sich Vertreter zweimal mit Raemy an den Tisch, der im Frühling im Playoff von einem Gegenspieler heftig angegangen worden war. Skvaril, damals für Suhr aktiv, beging erst ein Foul, ehe er dem am Boden liegenden Thuner den Ellbogen in den Nacken drückte; er wurde lediglich für eine Begegnung gesperrt.

Wackers Schlüsselspieler hatte einst während nahezu eineinhalb Saisons aussetzen müssen infolge eines Schleudertraumas. Die Symptome von damals verspürte er nach Skvarils Aktion wieder, und nach Angaben seiner Ärzte trug er nur knapp keine gröberen Schäden davon. Später zeigte er den Tschechen an. Dieser verliess im Verlauf der angelaufenen Saison die Aargauer, und dies wurde teils in Zusammenhang gestellt mit der Anzeige. Offenbar aber gibt es in der Szene Leute, welche glauben, der Wegzug sei weder aus diesem noch aus dem offiziellen Grund – Skvaril sprach von familiären Überlegungen – erfolgt. Nur so erklärt sich, dass dies Teil der Einigung gewesen wäre.

Skvarils Kontakte, Raemys Sorge

Der Tscheche, mittlerweile wieder in der Heimat engagiert, lehnte den Vergleich ab. Und er unterhält allem Anschein nach unverändert beste Kontakte in die Schweiz. Jedenfalls liegt der «Aargauer Zeitung» das Papier vor, in dem Raemy die Voraussetzungen für die Rücknahme der Strafanzeige nennt. Der für die Berner Oberländer engagierte Luzerner ist darob selbstredend sauer, schliesslich war die Korrespondenz über die Anwälte der beiden und vertraulich geführt worden. Er sagt: «Was Skvaril tat, indem er die Sache publik machte, ist höchst befremdlich. Es torpediert ein gemeinsames Vorgehen.»

Der Nationalspieler befürchtet, sein primäres Ziel sei in Gefahr. Er will erreichen, dass Tätlichkeiten, welche die Gesundheit eines Spielers gefährden, strenger geahndet werden. Seine Absichten korrespondieren mit dem Ergebnis von besagter Analyse des Verbands, welche ergab, dass derlei Regelwidrigkeiten eher härter bestraft werden müssten.

Marco Ellenberger, beim Verband für die Kommunikation zuständig, bestätigt, dass Raemy von Vertretern zweimal angehört worden sei. Und dass angestrebt werde, «grobe Verstösse gegen die Sportlichkeit» stärker zu bestrafen. Er legt Wert auf die Feststellung, dass die Analyse ohnehin wäre vorgenommen worden, unabhängig vom vorliegenden Fall. Und laut Ellenberger ändern die jüngsten Vorkommnisse in der Angelegenheit Skvaril/Raemy nichts am Resultat der Analyse und deren Konsequenzen.

Der Innerschweizer indes glaubt, seitens der Gegenpartei werde nun der Eindruck erweckt, er habe innerhalb der angestrebten aussergerichtlichen Einigung Druck aufgesetzt, auch auf den Verband. Und dass dies Auswirkungen auf dessen Vorgehen haben werde.

Der Fall – er ist hängig. Und er wird alle Beteiligten noch eine ganze Weile beschäftigen. Raemy sagt, er habe die Anzeige zu keiner Zeit bereut: «Ich stehe für etwas ein, das mir wichtig ist. Wenn ich mit meinem Vorgehen andere Spieler vor gesundheitsgefährdenden Verletzungen bewahren kann, dann wurde etwas erreicht.»

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