Die Slowenen mögen die Romandie

Bis vor kurzem war Slowenien ein Radsportzwerg. Nun treten aus diesem bei der Westschweizer Rundfahrt gleich zwei Fahrer an, die wissen, wie man die Tour gewinnt.

Ganz in Gelb durchs blühende Rapsfeld: Primoz Roglic an der letzten Tour de Romandie. Foto: Keystone

Ganz in Gelb durchs blühende Rapsfeld: Primoz Roglic an der letzten Tour de Romandie. Foto: Keystone

Slowenien trat indirekt auf die Radsport-Landkarte: als schwacher Nachbar. Plötzlich gab es diesen jungen Fahrer aus dem Osten, der überall, wo er auftauchte, für Spektakel sorgte. Peter Sagan hiess er, aus der Slowakei kam er, wie die Radsportwelt bald darauf zu memorisieren begann. Und damit auch Slowenien – als Nachbarland der Slowakei, als Land ohne Sagan.

Die Zeiten haben sich geändert. Sagan ist immer noch eine grosse Nummer. Aber Slowenien ist seinem Status als kleines Nichts entwachsen, was sich an der Startliste der Tour de Romandie zeigt. Vier Fahrer aus dem 2-Millionen-Einwohner-Land starten heute in Neuenburg zum Prolog. Das sind zahlenmässig nicht viele – 11 Nationen stellen mehr Fahrer. Doch aus dem Quartett können sich zwei Fahrer Chancen auf den Gesamtsieg ausrechnen.

Primoz Roglic ist sogar der Titelverteidiger. Der 29-Jährige gehört weiterhin in die Kategorie «Aufsteiger», wenngleich er eigentlich längst angekommen ist. Nur: Er begnügt sich nicht damit, sondern steigt weiter auf. Vor vier Jahren feierte er noch in der heimischen Rundfahrt seinen grössten Erfolg. Dann kam er 2016 auf die Worldtour – und siegte weiter. Erst, damals völlig überraschend, in einem Zeitfahren des Giro d’Italia. Seither gewann er zwei Bergetappen der Tour de France, dazu kleine Rundfahrten in Serie – vor einem Jahr auch die Tour de Romandie.

Diese soll nun als Startrampe dienen zu Roglic’ nächstem Aufstieg: Im Mai tritt er erstmals als Teamleader zum Giro an. Mit dem Ziel, das Rennen zu gewinnen.

Während Roglic’ Potenzial immer noch nicht vollends ausgeschöpft scheint, ist dieses bei ­Simon Spilak sehr scharf umrissen. Man könnte meinen, dieser sei einzig Radprofi, um Jahr für Jahr an den zwei Schweizer Worldtour-Rundfahrten zu brillieren. Den Rest der Saison taucht er resultatmässig ab. Die Tour de Suisse hat er zwei Mal gewonnen. In der Romandie überzeugt er mit seiner Konstanz: Auf neun Starts kommen ein Sieg, drei zweite Plätze und zwei weitere Top-10-Klassierungen. Spilak macht das schlechte Wetter nichts aus. Das ist an der regelmässig verregneten Tour de Romandie definitiv ein Vorteil.

Doch Spilak (32) und Roglic (29) sind nicht die einzigen Gründe, warum Slowenien mittlerweile als Radnation ernst genommen wird. Dahinter folgen Matej Mohoric und Tadej Pogacar. Ersterer ist 24 und wurde 2013 in atemberaubender Manier U-23-Weltmeister. Bei den Profis brauchte er einen Moment, aber nun gehört er auch dort zu den Spektakelmachern: Er hat die seltene Fähigkeit, der Konkurrenz bergab davonfahren zu können.

Pogacar ist noch einmal vier Jahre jünger. Der Neo-Profi sollte an der WM letzten Herbst der nächste U-23-Weltmeister werden, verpasste den Titel aber im Duell mit dem Berner Marc ­Hirschi. Doch nun fährt er an der Worldtour, als ob er nie etwas ­anderes gemacht hätte. Er gewann eine Etappe im Baskenland und die Algarvenrundfahrt. Wenn der junge Mann so weiterfährt, könnte es sein, dass in ­wenigen Jahren von ihm als Phänomen gesprochen wird. Und nicht mehr von seinen Lands­leuten. Oder von Peter ­Sagan.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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