Der neue Meister bereitet dem Nationaltrainer Kopfzerbrechen

Radquer Lars Forster gewinnt souverän seinen dritten Titel. Aber darf er auch zur Heim-WM antreten?

Gerade Jahre sind seine Jahre: Lars Forster am Ziel. Foto: Keystone

Gerade Jahre sind seine Jahre: Lars Forster am Ziel. Foto: Keystone

Emil Bischofberger@bischofberger

Kurz nach dem Mittag geht die Meldung über den Lautsprecher: Bratwürste sind aus. Wenig später ist auch das Kuchenbuffet leer. Und zwischenzeitlich ist auch kein Bier mehr da. Die Meldungen aus der Verpflegungszone auf der Baldegg ob Baden lassen nur einen Schluss zu: Vor der Heim-WM in Dübendorf in drei Wochen will die ganze Rad-Schweiz ihre Trümpfe begutachten, gegen 3000 Zuschauer sind vor Ort.

Das liegt nicht zuletzt am Wetter: Die Schweizer Meisterschaft findet bei Verhältnissen statt, auf die die Querfahrer sonst nur im Spätherbst hoffen können: Als sich am Nachmittag die Elite misst, hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft, von Schlamm und Dreck keine Spur.

So bleiben die Fahrer zwar ungewohnt sauber, aufregend ist ihre Darbietung aber auch so. Es ist wie so oft an den Titelkämpfen das Duell zwischen den Quer-Spezialisten und ihren temporären Herausforderern, den Mountainbikern.

Nach einem Drittel des Rennens sind die Positionen bezogen, zuvorderst duelliert sich ein Duo – die letzten beiden Meister: Biker Lars Forster sowie Titelverteidiger und Quer-Spezialist Timon Rüegg.

Konter auf Konter auf Konter

Bald haben sie die ganze Konkurrenz distanziert, drehen ­gemeinsam ihre Runden. Bis ­Rüegg in der vorletzten Runde in einer der technischen Passagen, einer leicht ansteigenden Treppe, seine Quertechnik ausspielt und Forster attackiert. Doch der vermag zu kontern – und lässt sich auch von Rüeggs unmittelbarer Replik nicht düpieren. Im Gegenteil: Erneut setzt Forster eine Tempoverschärfung drauf, es ist nun die vierte auf dieser achten von neun Runden. Und die entscheidende: Rüegg findet keine Antwort mehr. Womit Forster seine Serie fortsetzt: ­Gerade Jahre sind seine Jahre, es ist sein dritter Meistertitel in der Elite nach 2016 und 18.

WM-Selektion nicht erfüllt

Was den St. Galler aus Rapperswil-Jona eigentlich zu einem ­logischen Aushängeschild der Schweizer WM-Equipe machen würde. Würde. Denn auch wenn die Quer-WM in Dübendorf für ihn ein Heimspiel ist, hat sie für den Biker im Olympiajahr 2020 eine untergeordnete Bedeutung. Deshalb verzichtete Forster auf Starts an Quer-Weltcups, bestritt – durchaus erfolgreich – nur nationale Rennen. Nur: Das Selektionskriterium von Swiss Cycling ist ein Top-25-Resultat an einem Weltcup. Der 26-Jährige spe­kulierte damit, dass keine fünf Konkurrenten dieses Kriterium erfüllen würden – wonach er dann doch gute Chancen auf einen Platz hätte.

Damit hat er Nationaltrainer Bruno Diethelm in die Zwickmühle gebracht. Zwar hat Forster bislang richtig spekuliert. Erst drei Schweizer haben das geforderte Weltcupergebnis erreicht: Timon Rüegg, Nicola Rohrbach und Marcel Wildhaber. Simon Zahner und Lukas Flückiger schrammten mit je einem 26. Platz knappstmöglich daran vorbei. «Er macht es mir nicht einfach», sagt Diethelm. «Wie sollte ich eine Selektion Forsters demjenigen erklären, der trotz eines 26. Weltcup-Platzes nicht dabei ist, wenn dasselbe ­Resultat für den anderen dieses Duos für die WM reicht?»

Diethelm hofft, dass sich sein Dilemma am Weltcup nächstes Wochenende von selbst erledigt: indem mindestens ein weiterer Fahrer das Selektionskriterium erfüllt. Auch Forster wird das Rennen gespannt verfolgen: von zu Hause aus.

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