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«Wir sind hier. Wir sind schwul. Gewöhnt euch daran»

Der Freeskier Gus Kenworthy und der Eiskunstläufer Adam Rippon stehen öffentlich zu ihrer Homosexualität. Damit halten sie Trumps Administration auf Trab.

Freeskier Gus Kenworthy und sein Freund. Video: Tamedia

Es war nur ein kurzer, ehrlicher Kuss. Nichts geplant, nichts inszeniert. Doch es dauerte nicht lange, da ging dieser Kuss um die Welt. Denn der, der da am Rande der Slopestyle-Veranstaltung einen jungen Mann küsste, war Gus Kenworthy, ein amerikanischer Freeskier, der seit 2015 zu seiner Homosexualität steht.

Er habe nicht gewusst, dass es ein Moment war, der aufgenommen wurde, sagte Kenworthy nach seinem Wettkampf. Dieser interessierte plötzlich ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Amerikaner im Final Letzter wurde. Kenworthy war an diesem Tag der Sieger der Herzen. «Das zu machen, ihm einen Kuss zu geben, diese Liebe der Welt gezeigt zu haben, ist unglaublich», sagte der 26-Jährige.

Dass ihm dieser Kuss so viel bedeutet, kommt nicht von ungefähr. Als Kenworthy 2014 in Sotschi die Silbermedaille gewann, wollte er das eigentlich schon machen: der ganzen Welt zeigen, dass er Männer liebt. «Ich war nie stolz auf meinen Erfolg in Sotschi, weil ich mich so schrecklich gefühlt habe über das, was ich nicht gemacht habe», schilderte Kenworthy einmal. Er entschied sich aber auch dagegen, weil es nicht nur für Olympia ein Schock gewesen wäre, sondern auch für seine Familie. Ein Schock, genau so bezeichnet er das.

Die Tränen nach dem Coming-out

Mittlerweile weiss seine Familie um seine Vorliebe für Männer. Kenworthy hat sein Coming-out medienwirksam inszeniert. An dem Tag twitterte er auch: «Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens.» Das Coming-out habe ihm Angst bereitet, sagte der Freeskier einmal. «Aber dann kam die Erleichterung. Als ich die Nachricht abgesetzt habe, brach ich sofort in Tränen aus.» Kenworthy weiss, wie er Aufmerksamkeit generieren kann. Diese Aufmerksamkeit nutzt er für seine Botschaften: Er kämpft für die Rechte der Homosexuellen. Und er will ein unbeirrbares Vorbild sein. Eines, das er in seiner Kindheit nicht hatte. Über sein aktuelles Kussbild sagt er: «Als ich ein Kind war, gab es solche Bilder nicht. Ich habe so etwas nie gesehen. Hätte ich das, hätte es mir vieles leichter gemacht.»

In der Slopestyle-Szene wird ihm viel Respekt entgegengebracht. Das Coming-out hat sich gelohnt. Auch finanziell. Er wirbt unter anderem für Haarshampoo, eine Automarke und Kleider. «Ich bin nun vermarktbarer», sagt Kenworthy in einem Interview mit der «Welt».

Kenworthy spricht aber nicht nur über sich und homosexuelle Menschen, sondern auch über Politiker. Als er sich am Donnerstag vor seinem Olympia-Einsatz den Finger brach, teilte Kenworthy ein Röntgenbild auf Twitter und schrieb darunter: «Das wird mich natürlich nicht vom Wettkampf abhalten, aber es wird mich davon abhalten, Pence die Hand zu schütteln.»

Mit Pence meint er Mike Pence, den amerikanischen Vizepräsidenten und obersten Vertreter der Amerikaner in Südkorea. Hintergrund des Seitenhiebs: Pence war über Jahre als Lobbyist gegen Homosexuellenrechte aktiv. Generell erachtet der Amerikaner die Politik der Trump-Regierung als alles andere als schwulenfreundlich. Ein Treffen mit Pence kommt für Kenworthy deshalb nicht infrage. Das gilt auch für den US-Präsidenten Donald Trump, den alle Olympia-Teilnehmer nach den Winterspielen eigentlich gemeinsam treffen sollten.

«Ich wäre wohl kaum willkommen»

«Ich bin stolz, für die USA anzutreten und Amerikaner zu sein. Aber ich möchte keine Unterstützung für dieses Kabinett zeigen. Ein Händeschütteln wird es für mich nicht geben.» Genau gleich sieht das der Eiskunstläufer Adam Rippon. Er war der erste amerikanische Medaillengewinner an Olympischen Spielen, der sich outete. Er hat auch schon vor seiner Reise nach Südkorea klargestellt, dass er einem Empfang im Weissen Haus nicht beiwohnen würde, sollte es nach den Winterspielen zu einem solchen kommen.

«Ich glaube nicht, dass jemand wie ich da willkommen wäre», sagt Rippon. «Ich weiss, wie sich das anfühlt, wenn man einen Raum betritt und spürt, dass man dort nicht erwünscht ist.» Der Eiskunstläufer glaubt, dass es wirklich wichtig sei, für das einzustehen, was er glaube. «Und dass wir die Dinge aussprechen, die wir für falsch und ungerecht halten.» Trump entgegnet: «Rippon hat die letzten Wochen damit verbracht, nur über den Vizepräsidenten zu reden. Ich aber habe diesen nie etwas über Rippon sagen hören.»

Kenworthy und Rippon halten die Trump-Administration gegenwärtig ziemlich auf Trab. Zu Beginn der Olympischen Spiele teilten sie mehrere Bilder zusammen in den sozialen Netzwerken. Was Kenworthy darunter schrieb, war eine unmissverständliche Botschaft: «Wir sind hier. Wir sind schwul. Gewöhnt euch daran.»

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