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Lewis Hamilton: «Schockiert, dass wir hier sind»

Die (Sport-)Welt steht wegen des Coronavirus still. Nur die Formel 1 will sich drehen – vor 300'000 Zuschauern.

Lewis Hamilton kritisiert den Formel-1-Start. (Bild: Getty)
Lewis Hamilton kritisiert den Formel-1-Start. (Bild: Getty)

Die Formel 1 bewegt sich oft unter ihrer Glosche. Kleinigkeiten werden zu Wichtigkeiten, harmlose Aussagen zum Skandal, ein Furz wird zum Donner. Die Aussenwelt bleibt genau das: Aussenwelt.

Es ist Sinnbild, was in diesen Tagen geschieht. Die (Sport-)Welt steht so gut wie still wegen des Coronavirus. Und die Königsklasse des Motorsports? Sie will nur eines: sich weiterdrehen – beziehungsweise sich erstmals drehen in dieser Saison, beim Auftakt in Australien an diesem Sonntag. Alle Teams sind angereist, 300'000 Zuschauer werden erwartet, 300-mal mehr, als in der Schweiz bei Anlässen noch zugelassen sind.

«Ich glaube nicht, dass eine Menschenmenge das Problem ist.»

Brett Sutton, Arzt in Victoria, Australien.

Daran wollen die Veranstalter vorerst festhalten – und werden gestützt von Brett Sutton, dem leitenden Arzt des australischen Bundesstaates Victoria. Im australischen Radio sagte dieser: «Ich glaube nicht, dass eine Menschenmenge das Problem ist. Es ist vor allem wichtig, dass Erkrankte isoliert werden. Wir haben 300'000 Menschen, die jeden Tag zur Arbeit in die Stadt fahren. Der öffentliche Verkehr gleicht dann einer einzigen Massenansammlung.»

Allerdings spitzt sich die Lage in der Formel 1 zu. Vier Mitarbeiter des amerikanischen Rennstalls Haas stehen unter Verdacht, am Coronavirus zu leiden. Hinzu kommen je ein Angestellter von Williams und McLaren. Der Mitarbeiter von McLaren wurde mittlerweile positiv auf das Virus getestet, weshalb der Rennstall auf einen Start verzichtet. Damit folgt er den Anweisungen von Arzt Sutton, der sagte: «Sollte sich der Verdacht erhärten, müssten auch die Menschen, die mit ihnen in Kontakt waren, in Quarantäne.» Nun scheint der Rennstart gefährdet, zumal Formel-1-Sportchef Ross Brawn jüngst sagte, ein Grand Prix werde abgesagt, sollte ein Team nicht mittun können.

«Die Formel 1 macht einfach weiter»

Die Fahrer meldeten sich bereits davor zu Wort. Und das ziemlich deutlich. «Ich bin schockiert, dass wir alle hier sind», sagt Weltmeister Lewis Hamilton. «Die ganze Welt reagiert auf das Virus, Donald Trump untersagt Europäern die Einreise in die USA, die NBA setzt aus. Und die Formel 1 macht einfach weiter.» Weshalb das so ist? «Geld regiert die Welt.»

Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel sagt derweil, er vertraue den Entscheidungsträgern: «Ich hoffe einfach, dass es keine schweren Fälle gibt oder gar Tote. Das wäre dann der Zeitpunkt, an dem wir wirklich die Handbremse ziehen müssten.» Und Alfa-Romeo-Pilot Kimi Räikkönen: «Ich weiss nicht, ob es das Richtige ist, hier zu sein – wohl nicht. Aber die Entscheidung liegt nicht bei uns. Könnten die Teams entscheiden, wären wir vermutlich alle nicht in Australien.» Wie lange die Formel 1 noch so tun kann, als betreffe sie das Coronavirus nur am Rande, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Oder wohl eher: Stunden.

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