Dieser Moment begleitete Lauda bis zu seinem Tod

Am 1. August 1976 verunfallte Niki Lauda auf dem Nürburgring schwer. Die Bilder des Horrorcrashs gehen heute wieder um die Welt.

Unvergessliche Szenen: Niki Lauda überlebt seinen Horrorunfall vom 1. August 1976 auf dem Nürburgring. (Video: Youtube/The Fastlane)

Auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere ging Niki Lauda beim GP Deutschland auf dem Nürburgring durch die 800 Grad heisse Feuerhölle. Am 1. August 1976 veränderte sich sein Leben schlagartig.

Auf dem Nürburgring verlor der Österreicher in der zweiten Runde bei Tempo 220 in einer Linkskurve die Kontrolle über seinen Ferrari 312T. Der Bolide des damals 27-Jährigen brach nach rechts aus, prallte gegen eine Felswand und wurde zurück auf die Strecke geschleudert. Sein Wagen fing Feuer und brannte lichterloh, als er auch noch von Brett Lunger gerammt wurde. TV-Bilder vom Crash existieren keine, da bei diesem Streckenabschnitt keine Kameras standen. Nur ein Zuschauer machte Aufnahmen, die nach Laudas Tod am Montag nun erneut um die Welt gehen.

Die Konkurrenten hielten an und versuchten, dem WM-Leader zu helfen. Doch Brett Lunger, Guy Edwards und Harald Ertl kamen wegen der Feuersbrunst nicht an das Cockpit heran. Rund 200 Liter Benzin loderten bei 800 Grad. Zwischen 30 und 50 Sekunden (die Angaben sind unterschiedlich) musste Lauda im Inferno aushalten. Sein Helm war beim Aufprall weggeschleudert worden, nur eine Kopfhaube schützte ihn an einigen Stellen.

«Er war leicht wie eine Feder»

Schliesslich schaffte es Arturo Merzario, sich bis zu Lauda vorzukämpfen. Er öffnete die Sitzgurte und zog den Verunfallten aus dem Ferrari. Der heute 76-jährige Italiener erinnert sich an diesen Moment, als wäre er gestern gewesen: «Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Als ich ankam, war er schon bewusstlos, hing leblos in den Gurten. Die waren von seinem verzweifelten Kampf gegen den Tod total verdreht. Als ich ihn freibekam und rausziehen konnte, war er dann leicht wie eine Feder.»

Im Spital fiel Lauda ins Koma und kämpfte vier Tage lang gegen den Tod. Neben schwersten Verbrennungen erlitt er zwei Rippenbrüche und einen Jochbeinbruch. Da der Rennfahrer im Feuer giftige Gase eingeatmet hatte, war seine Lunge verätzt. Doch Lauda hatte einen unbändigen Lebenswillen, der ihn zurückbrachte. Der Österreicher erwachte aus dem Koma und biss sich zum Comeback durch.

Nur 42 Tage nach dem Horrorunfall startete er in Monza zum GP von Italien. Gezeichnet von den Verbrennungen – sein rechtes Ohr war komplett weggebrannt – stieg Lauda wieder ins Cockpit. Sein Team hatte nicht mit einer derart schnellen Rückkehr gerechnet und bereits einen Ersatzfahrer gemeldet. Ferrari bestritt das Rennen deshalb mit drei statt zwei Autos. Seine erste Fahrt brach Lauda zwar ab, da ihn die Angst einholte, doch den GP absolvierte er dann und fuhr auf den sensationellen 4. Rang.

«Will mich nicht noch einmal umbringen»

Nach seinem Comeback-Rennen in Monza führte Lauda die WM-Wertung mit 17 Punkten Vorsprung an. In der Folge ging er auch am GP von Kanada an den Start, wo er Achter wurde, und beendete danach den GP der USA als Dritter auf dem Podest. Da Konkurrent James Hunt zweimal gewonnen hatte, lag der Brite vor dem letzten Saisonrennen in Fuji nur noch drei Zähler hinter Lauda. Am entscheidenden Renntag regnete es stark und Nebel lag über der Strecke.

Vor Laudas Horrorunfall hatten ähnliche Bedingungen geherrscht, weshalb die Sicherheitsbedenken auch beim Österreicher gross gewesen waren und er diese entsprechend geäussert hatte. Dennoch trat er zum GP von Japan an. Nach der zweiten Runde fuhr er allerdings in die Box und stieg aus seinem Rennauto. «Ich will mich nicht noch einmal umbringen», soll er zu den Mechanikern gesagt haben. Hunt nutzte seine Chance und sicherte sich mit Rang 3 den Weltmeistertitel.

1985 stieg er endgültig aus

Lauda wurde ein Jahr später zum zweiten Mal Weltmeister. In der Saison 1979 trat Lauda während des Trainings zum GP von Kanada zurück. Er begründete dies mit mangelnder Motivation und der Aussage: «Warum soll ich wie ein Trottel mit den anderen im Kreis fahren?» Er baute in der Folge mit der Lauda Air seine eigene Fluggesellschaft auf und kommentierte nebenbei einige Formel-1-Übertragungen. 1982 kehrte der bereits zur Legende gewordene Pilot im McLaren in die Rennserie zurück. In der Zwischenzeit waren die Boliden wegen technischer Veränderungen wesentlich sicherer geworden.

1984 wurde Lauda zum dritten und letzten Mal Weltmeister. Ein Jahr später trat er endgültig vom Rennsport zurück. Sein letztes Rennen fuhr der Österreicher am 3. November 1985 beim GP von Australien. Bis zur 57. Runde lag Lauda in Führung, ehe er mit einem defekten Reifen ausfiel. Nach seiner bewegten Karriere als Formel-1-Pilot kehrte er als Berater in die Rennserie zurück. Bis zuletzt äusserte er sich immer wieder kritisch zur Königsklasse.

red

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