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Die Formel 1 hinter dem Eisernen Vorhang

Der GP von Ungarn ist heute fester Bestandteil des Formel-1-Kalenders. Als die Königsklasse 1986 nach Mogyorod kam, war das eine Sensation.

Es war Bernie Ecclestones grösster Coup: Nach einem Besuch in Budapest im Sommer 1983 schaffte es der GP-Vermarkter, die kommunistische Regierung Ungarns zum Bau einer Formel-1-Rennstrecke zu bewegen. Die Königsklasse des Motorsports durchbrach so drei Jahre später endlich den Eisernen Vorhang. Vor den Verhandlungen mit den Ungarn hatte Ecclestone vergeblich versucht, die Führung der Sowjetunion zur Ausrichtung eines Strassenrennens in Moskau zu überreden.

Zusammen mit Ecclestone hatten Tamas Rohanyi und Tibor Balogh an der Umsetzung des Ostblockrennens gebastelt. Rohanyi, ein nach Brasilien ausgewanderter Ungar, arbeitete damals für den Sender TV Globo, Balogh stand dem ungarischen Automobilclub als Generalsekretär vor.

Neun Monate dauerten die Bauarbeiten für die Rennstrecke in Mogyorod, rund 20 Kilometer von Budapest entfernt. Die Kosten: nach heutigen Massstäben fast schon lächerliche 8 Millionen Franken. Die Staatskasse wurde überhaupt nicht belastet. Das nötige Geld brachten der ungarische Automobilclub, die Reiseagenturen Ibusz und Cooptourist, die Strassenbaugesellschaft Asphalt sowie das Transportunternehmen Volan auf.

«Am 10. August wird der Grand-Prix-Zirkus, ein Sinnbild kapitalistischen Gewinnstrebens, in Ungarn einfallen. Ein Panorama aus Produktwerbung wird die Landschaft verstellen, zum erstenmal erleben Fans im Ostblock live die werbebepflasterten Ungetüme von Rennwagen und deren Fahrer als wandelnde Litfasssäulen», schrieb das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» damals in seiner Vorschau auf das Rennen.

Der GP von Ungarn war ein Geschäft, das beiden Seiten nützte. Den Gastgebern brachte er Devisen, der Formel 1 ebenso dringend benötigte Popularität. Nachdem 1985 an den Nürburgring nur 45'000 und ins portugiesische Estoril gar nur 11'000 Besucher gekommen waren, weckten Ayrton Senna und seine Rennfahrerkollegen endlich wieder Begeisterung.

Der Zuschaueraufmarsch übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Zu den beiden Trainingstagen erschienen 180'000 Fans, zum Rennen 200'000. Trotz Eintrittspreisen, die sich die meisten Ungarn nicht leisten konnten. Auch aus der DDR, Polen und der Tschechoslowakei strömten die Motorsportenthusiasten in Massen nach Mogyorod. Studentinnen der Universität von Budapest verteilten im Auftrag eines grossen Tabakkonzerns Zigaretten. Für drei Tage hielt der Westen mitsamt Grid Girls Einzug im kommunistischen Ungarn. Drei Jahre später öffnete dessen Führung die Grenze gen Westen und leitete so das Ende des Eisernen Vorhangs ein.

Den ersten GP in einem kommunistischen Land gewann der Brasilianer Nelson Piquet im Williams vor seinem Landsmann Ayrton Senna im Lotus. Rang 3 ging an Nigel Mansell, ebenfalls in einem Williams.

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