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Der Jäger ist in seinem Revier

Am GP von Japan will Tom Lüthi den WM-Leader Franco Morbidelli unter Druck setzen. Die Vorzeichen stehen trotz der Dominanz des Italieners in dieser Moto-2-Saison nicht schlecht.

In Übersee den Druck erhöhen: Tom Lüthi ist im WM-Ranking an Franco Morbidelli dran. Obwohl der Italiener nach Saisonsiegen 8:1 führt.
In Übersee den Druck erhöhen: Tom Lüthi ist im WM-Ranking an Franco Morbidelli dran. Obwohl der Italiener nach Saisonsiegen 8:1 führt.
Keystone

Die Ruhe vor dem Sturm ist zu Ende. Nach dreiwöchiger Rennpause bildet der GP von Japan an diesem Wochenende den Auftakt zu den drei Moto-2-Überseerennen im Herbst innerhalb von zwei Wochen. «Ich freue mich auf diese Strecken», sagt Tom Lüthi, der sich in Japan, Australien und Malaysia stets wohl fühlt. Der Rummel ist geringer, es hat weniger Medienleute, Sponsoren, Fans. Lüthi ist ganz bei sich und seiner Arbeit. «Das gefällt mir», sagt er. «Es geht nur ums Fahren.»

Ende September, am GP von Aragon, büsste der Emmentaler als Vierter im Titelkampf gegen Franco Morbidelli 12 Punkte ein, er liegt vier Rennen vor Saisonende 21 Zähler hinter dem schnellen Italiener. Morbidelli hat 8 von 14 Grands Prix in diesem Jahr gewonnen, und doch rechnet sich Lüthi trotz nur einem Saisonsieg Chancen im Titelduell aus. «Es geht auch um Konstanz», sagt er, «und wir haben 2017 einen grossen Schritt nach vorne gemacht.» In 10 von 14 Rennen raste Lüthi aufs Podest, das ist Rekord, zweimal wurde er zudem Vierter.

Ruhiger Italiener

Tom Lüthi sagt, er sei lieber in der Rolle des Jägers. «Als Führender hat man viel mehr zu verlieren», sagt der 31-Jährige. Es sei faszinierend, wie ruhig Morbidelli bleibe, wie cool und locker auch. «Leute, die ihn näher kennen, sagen, seine Verwandlung auf dem Motorrad sei erstaunlich.» Morbidelli könne den ganzen Tag schlafen, sei aber innerhalb von Sekunden bereit, den Schalter umzulegen. Er gehört zum Clan von Legende Valentino Rossi, besitzt aber selbstredend erheblich weniger Charisma.

Der Römer ist ein unscheinbarer Kerl, relativ jung immer noch, aber mit enormem Talent gesegnet. In den letzten zwei Rennen fuhr Morbidelli allerdings hektischer als zuvor, das Resultat waren ein Ausfall am GP von San Marino sowie ein beinahe noch vergebener Sieg am GP von Aragon. «Ich hoffe, er wird irgendwann noch richtig nervös», sagt Tom Lüthi schmunzelnd.

Dazu benötigt der Schweizer starke Resultate. Zuerst am Sonntag in Japan, wo Lüthi letztes Jahr und 2014 triumphierte. Am Freitag im Training fuhr er die klare Bestzeit, Morbidelli verlor im Regen beinahe eine Sekunde. Kurz vor Ende der Einheit stürzte Lüthi, er kehrte mit Schlamm bedeckt ins Fahrerlager zurück, der Abwurf aber verlief glimpflich. «Alles ist okay», sagt Lüthi, «mir geht es gut. Und wir beobachten das Wetter genau. Es dürfte auch am Sonntag regnen.» So wie bei seinem einzigen Saisonsieg Anfang September in Misano.

Die erstaunliche Negativserie

Tom Lüthi wirkt zuversichtlich, will den Druck auf Morbidelli erhöhen – und glaubt an seinen zweiten Weltmeistertitel nach ­jenem 2005 in der damaligen 125-er Kategorie. Die Italiener als ausgesprochenes Motorradland warten übrigens trotz Superstar Rossi fast gleich lang wie die Schweiz auf einen WM-Titel. Der neunfache Weltmeister Rossi triumphierte letztmals 2009, zuletzt wurde er dreimal Zweiter im WM-Ranking. Und in der Moto 2 (seit 2010) und der Moto 3 (seit 2012) eroberte noch gar nie ein Italiener den Weltmeistertitel.

Franco Morbidelli soll diese überraschend lange Erfolglosigkeit nun beenden, er ist der grosse Favorit. Tom Lüthi blickt derweil von Rennen zu Rennen und setzt sich vorläufig zum Ziel, dass der Zweikampf vor dem letzten GP in Valencia Mitte November noch nicht zu Ende ist. «An den drei Rennen in Übersee bin ich immer stark gefahren», sagt Lüthi. Letztes Jahr gewann er in Japan und Australien und wurde in Malaysia Sechster. Trotz dieser hervorragenden Bilanz büsste Morbidelli in den drei Rennen mit den Rängen 3, 2 und 2 nur vier Punkte ein.

In dieser Saison wären das bezüglich Lüthis Titelambitionen wohl zu wenig.

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