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500 km/h mit einem Seitenwagen

Adolf Hänni plant, im September einen Weltrekord zu brechen. Der Ex-Motorrad-Weltmeister aus Thun will in einem Seitenwagen mit 500 Kilometern pro Stunde über den Bonneville-Salzsee im US-Bundesstaat Utah fahren.

Der Streamliner vom Hänni Racing Team ist sieben Meter lang und wiegt 1700 Kilogramm.
Der Streamliner vom Hänni Racing Team ist sieben Meter lang und wiegt 1700 Kilogramm.
PD
Ein Defekt am Motor hielt Adolf Hänni auf dem Weg zu seinem Rekord auf.
Ein Defekt am Motor hielt Adolf Hänni auf dem Weg zu seinem Rekord auf.
PD
Probesitzen im noch nicht ganz fertigen Streamliner: Hänni in der Produktionsstätte in Montana.
Probesitzen im noch nicht ganz fertigen Streamliner: Hänni in der Produktionsstätte in Montana.
zvg
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Dreimal Weltmeister, sechsmal Vizeweltmeister, zweimal WM-Dritter: Adolf Hänni hat als ­Beifahrer eine erfolgreiche Karriere im Seitenwagen erlebt. Mittlerweile ist der Thuner 62 Jahre alt. Aber vom Motorrennsport und vom Adrenalin hat er auch nach über 30 Jahren noch nicht genug. Im Gegenteil: Hänni plant einen Speedrekord. Im September will er auf dem Salzsee bei Bonneville im US-Bundesstaat Utah einen Geschwindigkeitsrekord in einem Seitenwagen aufstellen.

«Meine Rennsportkarriere ist vorbei, ich werde bald pensioniert. Ich brauche deshalb neue Ziele, die mich im Alltag motivieren», erklärt der Thuner ­Garagist, warum er die verrückte Idee, die vor gut 3 Jahren entstanden ist, umsetzen will.

Der kühne Plan

«Es entsteht kein gewöhnlicher Seitenwagen. Der Passagier wird mit 30 Kilogramm Gewicht ersetzt», erzählt Hänni. Denn für einen üblichen «Plampi» wäre die Rekordjagd viel zu gefährlich. «Wir peilen 500 Stundenkilometer an», sagt Hänni zur Zielsetzung. Den offiziellen Gespann­rekord hält der Schweizer Fritz Egli mit 332 Stundenkilometern.

«Aber letztes Jahr hat ein Ame­rikaner inoffiziell 420 Stundenkilometer realisiert. Der Rekord zählte nicht, weil er nicht an­gemeldet war. Jetzt hat sich der Amerikaner eingeschrieben. Wir gehen davon aus, dass er eine Schippe drauflegen wird, deshalb müssen wir wohl mindestens 500 Stundenkilometer erreichen.»

Zusammen mit Bohnhorst

Hänni realisiert das Projekt mit dem Deutschen Ralph Bohnhorst. Mit dem 54-Jährigen absolviert er immer wieder Seitenwagenshowfahrten, mit ihm arbeitet er auch für den Motorradweltverband FIM. Jetzt wollen sie im speziell ­angefertigten Vehikel, einem sogenannten Streamliner, einen Weltrekord realisieren.

Das 7 ­Meter lange und 750 Kilogramm schwere Gefährt soll mit einem 600 PS starken Motor die 500-Stundenkilometer-Grenze knacken. Danach wird noch ein ­Motor mit 420 PS eingebaut. «In dieser Kategorie gibt es noch ­keine Versuche. Ralph und ich haben noch nicht entschieden, wer mit welchem Motor fahren wird», sagt Hänni.

Eigentlich wollte er das Projekt schon vor einem Jahr realisieren. «Aber wir waren noch nicht fertig.» Der Streamliner wird in Montana in den USA gebaut. «Dort arbeiten die Fachmänner für solche Spezialfahrzeuge. Ihnen muss man vertrauen», sagt Hänni. Gebaut wird ein hochkomplexes Fahrzeug. Ein Gitterrohrrahmen schützt den Piloten. Zwei Fallschirme müssen das Fahrzeug abbremsen.

«Die grösste Gefahr besteht darin, dass ein Slickreifen platzt und das Gefährt kippt oder dass ein Schlauch reisst und Feuer ausbricht», erzählt Hänni. Dann würde der Rahmen zum tödlichen Gefängnis. Als Hochrisikoakt will er das Unterfangen nicht bezeichnet haben. «Die Reise mit dem Flugzeug nach Amerika macht mir mehr Angst.» Aber klar weiss auch Hänni, dass kein Fehler ­passieren darf. Letztes Jahr führte ein Amerikaner erste Tests durch und starb. Nicht der Unfall sei aber die Todesursache gewesen, sondern ein Herzinfarkt.

Lange Leidenszeit

Hänni hatte selber mit 35 Jahren schon einen Herzinfarkt. Überhaupt kann der Berner Oberländer eine lange Liste an Verletzungen vorweisen. 25 Knochenbrüche hatte er in seiner Karriere. «Der rechte Schlüsselbein­knochen fehlt mir gänzlich.»

2012 erlebte er in Le Mans seinen schlimmsten Unfall. Seit der Operation leidet er an einem ­Infekt, der trotz 14 weiteren Eingriffen bis heute nicht neutralisiert werden konnte. «Er bricht immer wieder aus. Ich hoffe ­einfach, dass ich während des ­Rekordversuchs fit bin, sonst kann ich nicht fahren.» Die beiden Versuche seien zwar unter «Hänni Racing Team» angemeldet. «Aber wenn ich nicht selber fahren könnte, wäre das bitter.»

Am 25. August fliegt er in die USA. Ab dem 10. September soll es losgehen. Klappt der Versuch, kennt Hänni schon sein nächstes Projekt: «Den eigenen Rekord verbessern.»

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