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Massimo Busacca ist Chef der 25 WM-Schiedsrichter

Wie immer kommt an der WM auch den Schiedsrichtern eine wichtige Rolle zu. Massimo Busacca ist seit drei Jahren FIFA-Schiedsrichter-Verantwortlicher und bereitet die Referees auf ihre WM-Aufgaben vor.

"Wir sind wie eine Nationalmannschaft und das 33. Team an dieser WM", sagt Massimo Busacca. Der 45-Jährige aus Bellinzona ist seit 2011 Chef der FIFA-Schiedsrichter. Seit drei Jahren und in rund einem Dutzend Seminare, zuletzt im Frühjahr im Home of FIFA in Zürich, wurden die Referees und ihre Assistenten von 19 Instruktoren aus 15 Ländern begleitet und geschult, seit Januar erhalten die für die WM selektionierten Unparteiischen von der FIFA einen Lohn, um beruflich entlastet zu werden. "Wir haben alles gemacht, was möglich ist. Die Schiedsrichter waren noch nie so gut vorbereitet wie in Brasilien", so Busacca.

Die 25 Schiedsrichter kommen aus allen Konföderationen, die Bekanntesten sind die Europäer; der Engländer Howard Webb pfiff vor vier Jahren den WM-Final zwischen Spanien und Holland, der Portugiese Pedro Proença 2012 den EM-Final zwischen Spanien und Italien, der Holländer Björn Kuipers vor wenigen Wochen den Champions-League-Final zwischen Real und Atletico Madrid. Erstmals seit dem ersten Turnier 1930 in Uruguay fehlt ein Schweizer Schiedsrichter an einer Weltmeisterschaft.

Antizipation und Kommunikation

Seit Anfang Juni sind die 25 Schiedsrichter-Gespanne in Rio de Janeiro stationiert, wo täglich intensiv auch mit Hilfe eines brasilianischen Jugend-Teams gearbeitet wird. Auch die Erholung und Regeneration sind wichtig, Video-Analysen der an der WM teilnehmenden Mannschaften ebenso Teil des Alltags. "Die Schiedsrichter müssen die taktische Ausrichtung der Teams und die Vorlieben und Mentalität der Spieler kennen", so Busacca. Er und seine Crew fordern viel. "Die 'Message' war klar, wir wollten Qualität und zwar im technischen, medizinischen und physischen Bereich."

Sein Augenmerk bei der Ausbildung legte der Tessiner vor allem auf zwei Punkte: die Antizipation und die Kommunikation. Die Schiedsrichter müssen das Spiel lesen und Situationen erahnen können, so Busacca. "Wenn der Ball kommt, musst du als Schiedsrichter bereits da sein." 'Read the game', nennt er dies. Sei dies der Fall, könne er auch einen Fehler akzeptieren. Bei 300 Entscheiden pro Spiel sind solche unvermeidlich. Auch die Kommunikation und der Umgang mit den Spielern ist für Busacca zentral: präsent sein, aktiv kommunizieren und sich nach einem kleinen Fehler auch einmal entschuldigen können. Busacca fordert aber auch von den Spielern und Trainern Respekt und Fairplay. "Treten sie respektvoll und fair auf, wird die Sache auch für uns einfacher."

Unterstützt werden die Schiedsrichter in Brasilien neben einem Farb-Spray, um den korrekten Abstand der Spieler vom Ball zu markieren, auch von der Torlinien-Technologie, die erstmals an einem grossen Turnier zum Einsatz kommt. Damit sollen krasse Fehlentscheide wie vor vier Jahren, als bei der Partie Deutschland gegen England (4:1) ein Schuss von Frank Lampard klar hinter der Linie landete, der Treffer aber nicht gegeben wurde, verhindert werden. Busacca begrüsst die neue Technologie, die von einer Schweizer Firma entwickelt wurde. "Es ist eine Hilfe, aber nicht die Lösung unserer Probleme." Fussball sei ein Kontaktsport, in gewissen Situationen gebe es mehr als nur eine Lösung, da sei man sich auch nach der Konsultation der TV-Bilder und einer zehnminütigen Diskussion noch nicht einig. "Wir, ob Schiedsrichter, Trainer oder Spieler, sind alles Menschen, die Fehler machen", so Busacca. "Dies wollen wir im Fussball aber nicht immer akzeptieren."

Schiedsrichter-Akademie als Vision

Busacca pfiff von 1996 bis 2011 in der höchsten Schweizer Spielklasse, 2009 leitete er den Champions-League-Final zwischen dem FC Barcelona und Manchester United, 2006 und 2010 nahm er an den WM-Endrunden in Deutschland und Südafrika teil. "Das Schwierigste für einen Schiedsrichter an einer WM ist, die Emotionen zu kontrollieren", sagt Busacca. Manchmal sei man zu aktiv, wolle man zu viel entscheiden. Dies sei ein Risiko. 'Mache es so einfach wie möglich, suche nicht ein Problem', ist einer seiner Leitsätze. Vor allem an das WM-Turnier in Deutschland, wo er drei Spiele leiten durfte, hat er gute Erinnerungen. In Südafrika wurde Busacca nach der Leitung der Partie des Gastgebers gegen Uruguay (0:3) nicht mehr berücksichtigt - aus politischen Gründen, nachdem er für einen berechtigt gepfiffenen Platzverweis und Penalty von Südafrikas Trainer Carlos Alberto Parreira massiv kritisiert worden war.

In seiner neuen Rolle als Funktionär ist Busacca mit Leib und Seele dabei. Er ist viel unterwegs und hätte gerne mehr Zeit und Mittel, um mit den Instruktoren und Schiedsrichtern noch intensiver zu arbeiten. Seine Vision ist, dass einst eine Akademie bei der FIFA entsteht, wo die Unparteiischen geschult werden. Busacca ist ein Befürworter des Profitums, "sofern auch die Strukturen und das Umfeld der Schiedsrichter professionalisiert werden". Auch nach drei Jahren, seit er die Pfeife gegen den Laptop getauscht hat, brennt das Feuer des Schiedsrichters noch immer in ihm. Vergleichen will Busacca die beiden Aufgaben nicht, "aber ein Bildschirm kann dir nicht dieselben Emotionen wie 80'000 Zuschauer geben".

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