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Wo Frauen unschlagbar sind

Läuferinnen teilen ihre Kräfte in einem Marathon besser ein als Männer – im Schnitt um 25 Prozent.

Die richtige Einteilung ist der halbe Erfolg – auch beim Jungrau Marathon 2013. Foto: Keystone
Die richtige Einteilung ist der halbe Erfolg – auch beim Jungrau Marathon 2013. Foto: Keystone

Herbst ist Marathonzeit – etwa über­morgen in Chicago. Beim zweitgrössten US-Marathon werden 45'000 Teilnehmer dabei sein. Anhand einer grossen ­US-Studie mit 92'000 Hobbyläufern, die im Juli publiziert wurde, kann jetzt schon gesagt werden: Die Frauen ­werden den Marathon deutlich gleichmässiger absolvieren als die Männer – im Schnitt um 25 Prozent. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Männer die zweiten 21 km im Vergleich zu den ersten im Durchschnitt um 15,6 Prozent langsamer bewältigen. Bei den Frauen sind es bloss 11,7 Prozent. Dass diesen Unterschied weder ­Leistungsniveau noch Erfahrung aus­zugleichen vermögen, zeigt die Studie ebenfalls. Egal wie gut trainiert und routiniert die Teilnehmer waren, stets ­büssten die Männer auf der zweiten Streckenhälfte im Vergleich zur ersten mehr Zeit als die Frauen ein.

Während bei den schnellen Hobbyläufern (Männer um 3 Stunden, Frauen um 3:22) die Differenz relativ gering ausfiel, klaffte sie bei den langsameren immer stärker auseinander.

Um die Leistung der Geschlechter vergleichen zu können – Frauen ver­fügen über eine geringere maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit –, durften ihre Zeiten 12 Prozent langsamer als ­diejenigen der gleich eingestuften ­Männer sein. Die unterschiedliche Renneinteilung führte dazu, dass Männer den ­berüchtigte Hammermann fast doppelt so oft erlebten wie die Frauen – und viele der ganz schlecht Einteilenden besonders heftig. Während bloss 5  Prozent ­aller Frauen im Vergleich zu den ersten 21 km auf der zweiten Streckenhälfte mehr als 30 Minuten einbüssten, waren es bei den Männern gleich 14 Prozent.

1 + 1 muss nicht 2 geben

Laufen Frauen salopp formuliert einen Marathon also intelligenter? Und wie ­erklären sich die Unterschiede? Aus den Zahlen zu schliessen, dass Frauen erfolgreicher als Männer marathonlaufen, ist falsch. «Gleichmässiger rennen» ­bedeutet in der Endabrechnung nicht zwingend, schneller zu sein. Was man sagen kann: dass Frauen ihren Einsatz konservativer gestalten, Männer stärker zu scheitern bereit sind.

Die Autoren liefern für das Phänomen mehrere Erklärungsansätze. Beispielsweise die proportional unterschiedliche Zusammensetzung der ­Muskelfasertypen von Mann und Frau. Verkürzt führt dieser Unterschied dazu, dass Sportlerinnen bei längerer Bewegungszeit weniger schnell ermüden als Sportler. Oder es gibt die Wärmethese: Weil Männer anfälliger auf einen ­Wärmestau seien als Frauen, würden sie über eine lange Laufstrecke wie der ­Marathon vor allem bei hohen Temperaturen benachteiligt sein. Spezifische Wärmestudien zum Thema widersprechen dem allerdings.

Die «Schwachkopf»-These

Bleibt der Risikoansatz: Männer riskieren generell mehr als Frauen – beispielsweise im Verkehr oder in Finanz­fragen (auch dies vermochten Studien zu belegen). Entsprechend drücke ihre Veranlagung auch beim Marathonlaufen durch, oft gegen die eigene Vernunft, ­sagen die Autoren.

Zumindest die männlichen Mitarbeiter der Studie erkennen sich in dieser «Schwachkopf»-Erklärung wieder, wie sie der Co-Leiter im amerikanischen «Runner’s World» nannte. In diesen ­Zusammenhang gehört darum eine ­verwandte Erklärung, die viele Leiter von Laufseminaren immer wieder ­äussern: Männer neigen stärker zur Selbstüberschätzung als Frauen. Oftmals ist es ­gerade bei den langsamen ­Finishern darum das schlecht trainierte, aber vermeintlich starke Geschlecht, das sich an die 42,195 km gewagt hat. Frauen treten tendenziell erst dann an, wenn sie sich auch sicher sind, die Distanz solid zu überstehen. Spätestens beim Zieleinlauf ist der Unterschied dann augenfällig.

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