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Simpsons Steigerung, Schmids Spass

Der 27. Jungfrau-Marathon wird vom schottischen Sieger geprägt – glücklich ist aber auch der Adelbodner mit Platz 10.

Peter M. Birrer
«Hart, aber schön»: Robbie Simpson bekundete mit den garstigen Bedingungen überhaupt keine Probleme.
«Hart, aber schön»: Robbie Simpson bekundete mit den garstigen Bedingungen überhaupt keine Probleme.
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Auf der Loucherflue (mit 2203 m ü. M. der höchste Punkt des JM) sind helfende Hände gefragt, wenn es über nasses Gestein geht.
Auf der Loucherflue (mit 2203 m ü. M. der höchste Punkt des JM) sind helfende Hände gefragt, wenn es über nasses Gestein geht.
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Die Kanderstegerin Natascha Baer brillierte mit Rang 5 als beste Oberländerin.
Die Kanderstegerin Natascha Baer brillierte mit Rang 5 als beste Oberländerin.
Ueli Flück
Der Adelbodner Jonathan Schmid, der beste Oberländer, freut sich zusammen mit seinem Trainer Martin von Känel über seinen 10. Rang (overall).
Der Adelbodner Jonathan Schmid, der beste Oberländer, freut sich zusammen mit seinem Trainer Martin von Känel über seinen 10. Rang (overall).
Ueli Flück
Die Sicht auf den Start vom Gleitschirm aus.
Die Sicht auf den Start vom Gleitschirm aus.
Bruno Petroni
42,195 Kilometer stehen den Läuferinnen und Läufern in Interlaken noch bevor.
42,195 Kilometer stehen den Läuferinnen und Läufern in Interlaken noch bevor.
Bruno Petroni
Bruno Petroni
Es geht vorbei am Victoria-Jungfrau...
Es geht vorbei am Victoria-Jungfrau...
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...und am Dudelsackspieler.
...und am Dudelsackspieler.
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Die Athleten kämpfen sich durch den zähen Nebel.
Die Athleten kämpfen sich durch den zähen Nebel.
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Dunstschwaden verhüllen die Landschaft.
Dunstschwaden verhüllen die Landschaft.
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Es ist kühl, es ist nass, und Toni Alpinice wünscht sich nichts mehr, als dass sich der Nebel verabschiedet, wenigstens das. Der OK-Präsident des Jungfrau-Marathons steht im Zielraum und hofft, dass die schwierigen Bedingungen nicht Probleme verursachen. 4000 Läuferinnen und Läufer sind unterwegs, sie kämpfen mit Bedingungen, die eine ohnehin schon happige Marathon-Herausforderung mit 1829 Höhenmetern noch komplizierter machen: Der Temperaturunterschied zwischen Start in Interlaken und Ziel auf der Kleinen Scheidegg soll gegen 15 Grad betragen.

Als es Abend wird in Interlaken, atmet Alpinice durch, und das tut auch Patrick Wieser, der neue Renndirektor. Er meldet: «Wir ziehen eine sehr positive Bilanz. Dass bei diesem Wetter kaum Probleme aufgetreten sind, ist keine Selbstverständlichkeit.»

Das Wetter? «Perfekt»

Geprägt wird die 27. Austragung von Robbie Simpson, dem Schotten, der zunächst Mühe bekundet, Betriebstemperatur zu erreichen. Nach Wengen aber fühlt sich für ihn auf einmal alles leichter an – und auf den letzten Kilometern verschärft er auf bemerkenswerte Weise das Tempo. Er lässt ein bis dahin führendes Trio stehen, bringt es auf eine Zeit von 2:59:29,9 Stunden und läuft so einen Vorsprung von 2:35 Minuten auf den Marokkaner Abdelhadi El Mouaziz heraus. Simpson, der bereits 2016 und im Vorjahr triumphierte, spricht von einem «speziellen Sieg», er sagt: «Es war hart, aber schön.» Und der Nebel, die Kälte, der Regen? «Überhaupt kein Problem», antwortet er, «es war perfekt für mich.»

Perfekt – das Adjektiv verwendet auch Jonathan Schmid, als er die 42,195 Kilometer hinter sich hat. Der Adelbodner klassiert sich als Zehnter und wird hinter Stephan Wenk (6.) sowie François Leboeuf (7.) drittbester Schweizer. Mit einer Zeit von 3:10,49,8 Stunden verfehlt er zwar seine eigene Vorgabe, den Marathon in 3:05 zu bewältigen. Aber bei seiner vierten Teilnahme verbessert er seine persönliche Bestmarke von 3:24.40 aus dem Jahr 2016 deutlich. Darum bilanziert er: «Ich bin zufrieden.» Und eben: «Es lief perfekt.»

Endlich gehts bergwärts

Dabei sind die ersten 25 Kilometer für ihn nicht ein Genuss. Der Abschnitt von Interlaken nach Lauterbrunnen ist flach und verläuft teilweise auf Asphalt. Als der Anstieg nach Wengen naht, fängt für Schmid sozusagen ein neues Rennen an.

«Für mich war es eine Erlösung, als es endlich bergauf ging.»

Jonathan Schmid

Da, wo für andere das Leiden beginnt, fühlt er sich in seinem Element, da macht ihm der Wettkampf so richtig Spass. Er sagt: «Für mich war es eine Erlösung, als es endlich bergauf ging.» Bis zur Kleinen Scheidegg überholt er noch zehn Konkurrenten.

Ihn beflügelt die Unterstützung der Leute an der Strecke, die für «eine grossartige Stimmung» sorgen, wie er sagt. Das wirkt sich gerade in Wengen auf das Tempo aus: Schmid ist in diesem Teil des Rennens besonders schnell unterwegs.

Seine Klassierung ist für ihn das, was derzeit möglich ist. «Ich müsste den Trainingsaufwand erhöhen, wenn ich schneller sein möchte», sagt er, «aber das ist derzeit kaum realistisch.» Er gönnt sich nun ein paar Tage Pause, bevor er sich langsam mit dem befasst, was im November auf ihn zukommt. Schmid ist für die Berglauf-WM in Argentinien qualifiziert.

Troxler leidet und siegt

Bei den Frauen triumphiert Simone Troxler aus dem waadtländischen Chardonne in 3:36:13,5. Sie schwärmt von einem «genialen Erlebnis», gibt aber auch zu: «Ab Wengen musste ich leiden. Die Kälte war enorm, ich hatte Krämpfe und wusste nicht, wie ich den Berg hochkommen sollte. Ausserdem war es auch mental schwierig, weil ich das Feld allein anführte.»

Hinter der 23-Jährigen wird Theres Leboeuf aus Aigle Zweite – die Frau von François Leboeuf weist am Ende einen Rückstand von 1:34,1 Minuten auf. Und auf Platz 5 folgt als dritte Schweizerin eine Berner Oberländerin: Natascha Baer aus Kandersteg ist nach 3:47:30,5 im Ziel.

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