Schnell in der Kälte

Simon Tesfay hat bei widrigen Bedingungen zum dritten Mal in Folge die Gurten Classic gewonnen. Ebenfalls zum dritten Mal in Serie verzeichnete das traditionsreiche Rennen einen Anmelderekord.

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Simon Scheidegger@theSimon_S

Als Läufer kann man einiges beeinflussen. Die Ausrüstung beispielsweise, oder wie man sich auf ein Rennen vorbereitet. Einen direkten Draht zu Wettergott Petrus haben jedoch auch Läuferinnen und Läufer nicht.

Beim diesjährigen Gurten Classic hätte sich wohl manch einer einen solchen gewünscht. Über dem Berner Hausberg hingen Nebelfetzen, auch einige Schneeflocken fanden den Weg auf den mit herbstlich braunen Blättern bedeckten Boden. Bei 3 Grad herrschten überhaupt nicht gastliche Bedingungen, davon beirren liess sich jedoch niemand.

Auch Simon Tesfay nicht. Der Eritreer feierte bei seiner dritten Teilnahme den dritten Sieg auf dem Gurten. Vom Start bis ins Ziel führte er das Feld an und traf mit 2 Minuten Vorsprung auf seinen ersten Verfolger, den Äthiopier Tolossa Chengere, ein.

Und trotz der garstigen Verhältnisse war Tesfay schnell. Sehr schnell sogar. Er verbesserte seine Zeit aus dem letzten Jahr – damals hatte während dem Rennen bei wolkenlosem Himmel stets die Sonne gestrahlt – sogar um eine Minute und 34 Sekunden und bewältigte die 15 Kilometer in 53:08 Minuten.

Ganz zufrieden war Tesfay darob nicht, denn eigentlich hatte sich der für die bei Dübendorf beheimatete TG Hütten startende Athlet vorgenommen, einen neuen Streckenrekord zu laufen. Allerdings musste er dieses Vorhaben aufgrund des Wetters bald einmal begraben. «Etwa nach 13 Kilometern merkte ich, dass es mit dem Rekord nichts werden würde», sagte Tesfay.

Er reduzierte das Tempo, für den souveränen Sieg sollte es aber immer noch reichen. «Es war sehr kalt», meinte der 31-Jährige, deshalb sei es sehr wichtig gewesen, dass er ein kontrolliertes Rennen laufe, auch um Verletzungen vorzubeugen.

Jedes Jahr hat sich Tesfay bisher der Rekordzeit des Brasilianers Antonio Vicente Neto aus dem Jahr 1991 angenähert, bis zu den 51:22 fehlen ihm allerdings noch knapp 2 Minuten. «52 Minuten sind sicher möglich», sagte Tesfay. Wenn er gesund bleibe, werde er noch einmal probieren, den Streckenrekord anzugreifen. Am liebsten jedoch bei etwas wärmerem Wetter.

Andere Ambitionen

Auch Lukas Marti hatte sich über die Kurzstrecke von 8.4 Kilometern erhofft, einen langjährigen Rekord zu unterbieten. 1997 hatte Jürg Stalder vom TV Länggasse das Ziel nach 29:04 Minuten erreicht. Marti – ein Teamkollege von Stalder – blieb freilich deutlich über dieser Marke, auch wenn er das Rennen lange Zeit angeführt hatte.

«Ich musste für das anfängliche Tempo büssen», sagte der 29-Jährige, der sich bei seiner ersten Teilnahme schliesslich mit dem dritten Rang begnügen musste. «Im Flachen hätte ich sicher andere Ambitionen», sagte Marti, der nun noch einige Stadtläufe bestreiten wird.

An den schnellsten Streckenzeiten hat sich heuer also nichts geändert – eine Bestmarke konnten die Organisatoren indes doch verbuchen. Zum dritten Mal in Serie verzeichnete die Gurten Classic einen neuen Anmelderekord. 2407 Athletinnen und Athleten sicherten sich einen Startplatz.

Für Heinz Bigler, Präsident des Vereins Gurten Classic, ist dies eine grosse Freude. Und schliesslich weiss der ehemalige OL-Läufer aus eigener Erfahrung: «Für Läufer gibt es kein schlechtes Wetter.»

Berner Zeitung

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