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Delia Sclabas: «I bi zwäg!»

Premiere am 33. Schweizer Frauenlauf in Bern: Mit der 18-jährigen Delia Sclabas gewinnt erstmals eine Juniorin das Eliterennen über 5 km. Und wie!

Strahlende Siegerin des 5-km-Rennens am Frauenlauf: Delia Sclabas.
Strahlende Siegerin des 5-km-Rennens am Frauenlauf: Delia Sclabas.
Manuel Zingg
Sie setzte sich im Schlussspurt gegen die Äthiopierin Merine Meseret durch.
Sie setzte sich im Schlussspurt gegen die Äthiopierin Merine Meseret durch.
Manuel Zingg
Jil hat es ebenfalls ins Ziel geschafft.
Jil hat es ebenfalls ins Ziel geschafft.
Manuel Zingg
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Hinter dem Münster, nach etwa viereinhalb von fünf Kilometern, hatte noch alles anders ausge­sehen. Als sich die Äthiopierin Merine Meseret von ihrer Verfolgerin leicht absetzen konnte, schien das Eliterennen am 33. Schweizer Frauenlauf entschieden.

Meseret, die im Mai bereits am GP Bern triumphiert hatte, schien den Schwung von damals mitgenommen zu haben, sie hatte das Tempo von Beginn weg diktiert. Obwohl: Delia Sclabas, die jüngste ihrer nächsten Konkurrentinnen, hatte immer folgen und auch immer wieder zu ihr aufschliessen können.

Vor dem Münster dann und gegen das Ziel zu gelang dies der Schweizerin noch einmal. Sie vermochte ihre letzten Kräfte freizumachen für einen beeindruckenden Endspurt. Und schon hatte der Frauenlauf wieder eine Premiere: In 17:12 Minuten siegte erstmals eine Juniorin, Sclabas hatte Meseret noch überholt und sie um zwei Sekunden distanziert.

Unter dem tosenden Applaus der Zuschauer führte sie eine Serie fort, an deren Anfang seit 2017 Fabienne Schlumpf steht: die der Schweizer Siegerinnen. Sclabas ist nun die dritte in Folge.

Mental sehr stark

Sie hatte ein taktisch kluges Rennen gezeigt und beschrieb es so: «Ich versuchte, gleichmässig zu laufen, so gelang es mir immer wieder, zu Meseret aufzuschliessen.» Die mehrfache Junioren-Europameisterin und Mittelstrecken-Spezialistin aus Kirchberg, die 2008 erstmals am Frauenlauf gestartet war und vier Jahre später ihren ersten Kategoriensieg feierte, sagte strahlend: «Es freut mich schon sehr, dass ich gewonnen habe.» Und sie sagte auch noch wieso.

Sclabas steckt mitten in den Maturaprüfungen, die schriftlichen hat sie bereits abgelegt, die mündlichen stehen Ende Juni an – wie auch die Vorbereitungen auf die U-20-EM in Boras (SWE).

Sehr zuversichtlich sagte sie: «I bi zwäg!» Das Rennen habe ihr dies bestätigt. Es zeigte aber auch, über welche mentalen Kräfte die stärkste Nachwuchsläuferin seit Anita Weyermann bereits verfügt.

Ob sie vor dem Generationenduell mit Maja Neuenschwander (39) Respekt gehabt habe, wurde sie gefragt. Mit der Abgeklärtheit einer Routinierten wich sie elegant aus und sagte, sie habe vor allen Läuferinnen Respekt, «alle bringen gute Leistungen».

Limite und Numerus clausus

Vor Sclabas liegen befrachtete Wochen – sportlich und ausbildungsmässig. Der Vater, Trainer und Manager in einem, kennt die Daten auswendig. Die schnellste seiner Drillingstöchter wird an einigen Meetings versuchen, die Limite für die WM der Elite im Herbst zu erreichen – über 800 oder 1500 m.

Zudem, quasi zur Vorspeise der Athletissima in Lausanne am 5. Juli, wird sie zum Numerus-clausus-Test erwartet. Sclabas will Medizin studieren, aber auch da gibt es zuvor Hürden zu überwinden.

Eine solche, wenn auch nur eine kleine, scheint auch Neuenschwander überwunden zu ­haben. Die Schweizer Marathon-Rekordhalterin wurde mit 23 Sekunden Rückstand Vierte und bewertete die Leistung als zufriedenstellend: «Ich fühlte mich gut, hatte Druck auf dem Schritt, lediglich auf den letzten 500 Metern konnte ich keinen Gang mehr höher schalten.»

Die Bernerin musste auf den letzten Metern noch die um ein Jahr ältere Walliserin Laura Hrebec passieren lassen, die zweifache Schweizer Meisterin im Halbmarathon. «Es war dennoch ein gutes Erlebnis, ich kann nun das Marathontraining angehen», sagte sie.

Neuenschwander wird in den nächsten Wochen ins Engadin dislozieren, ihre Wunschvorstellung wäre, Ende September in Berlin über die 42,195 km antreten zu können. Bis dann sollte auch sie sagen können: I bi zwäg.

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