Das ungleiche Duell

Jonathan Schmid wird beim Gurten ­Classic knapp Zweiter hinter Sieger Simon Tesfay. Für den Adelbodner ist es der perfekte Abschluss seiner bisher ­­er­folgreichsten Saison.

Trotzt dem nasskalten Wetter: Der Adelbodner Jonathan Schmid erklomm den Gurten so schnell wie noch nie.

Trotzt dem nasskalten Wetter: Der Adelbodner Jonathan Schmid erklomm den Gurten so schnell wie noch nie.

(Bild: Manuel Zingg)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Mit Streckenprofilen ist es so eine Sache. Einerseits sind sie für Läufer für eine optimale Vorbereitung unerlässlich, andererseits offenbaren sie schonungslos die Stellen, die nicht der Anlage eines Läufers entsprechen, die Stellen also, die es gilt, mit möglichst geringem Zeitverlust auf die Konkurrenz hinter sich zu bringen.

Das Streckenprofil des Gurten Classic kennt Jonathan Schmid bestens, schliesslich startete er in diesem Jahr bereits zum dritten Mal beim traditionellen Lauf auf den Berner Hausberg. Und so weiss der Adelbodner auch, dass der letzte Abschnitt vor dem Ziel ein Flachstück ist, er seine Gegner also im Idealfall vorher, in den steilen Anstiegspassagen, distanzieren müsste. Nun, der 24-Jährige lieferte sich auf der 15 Kilometer langen Strecke einen spannenden Zweikampf mit dem in Uster wohnhaften Eritreer ­Simon Tesfay, der die letzten drei Austragungen des Gurten Classic für sich entschieden hatte.

Training zahlt sich aus

Es war das Aufeinandertreffen zweier Athleten, deren Anlagen unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier Tesfay, der seine Schnelligkeit vorab in flachem Gelände ausspielen kann, dort der Bergläufer Schmid, der sich immer wohler fühlt, je steiler das Gelände wird. Entsprechend wechselten sich die beiden auch in der Führung immer wieder ab. Während Tesfay in den flachen Teilstücken Tempo machte, distanzierte Schmid seinen Konkurrenten immer wieder bergauf.

Mehrmals lag Schmid gar an der Spitze, und in der letzten Steigung vor dem Ziel holte er Meter für Meter auf den Eritreer auf. Im flachen Schlussteil setzte Tesfay indes noch einmal zu und distanzierte Schmid schliesslich um 17 Sekunden. «Wäre es länger steil gewesen, hätte ich ihn vielleicht noch eingeholt», sagte Schmid, fügte aber gleich an, mit seiner Leistung sehr zufrieden zu sein, konnte er sich doch gegenüber dem Vorjahr um eine Minute steigern.

Der Bäcker-Konditor sprach von einem «perfekten Abschluss» seiner bisher erfolgreichsten Saison. Im Mai war er erstmals Berglauf-Schweizer-Meister geworden, und im Juli stellte er bei seinem Heim­rennen, dem Vogellisiberglauf, einen neuen Streckenrekord auf – was insofern bemerkenswert ist, als der Adelbodner erst vor zwei Jahren strukturiert zu ­trainieren begann. «Das zahlt sich nun aus», sagt Schmid, der in diesem Jahr auch international auf sich aufmerksam machen konnte und an der Berglauf-EM im slowenischen Kamnik den zwölften Rang belegte. Auf globaler Ebene vermochte er zwar noch nicht zu überzeugen, als er an der WM in Premana (ITA) 44. wurde.

Im nächsten Jahr wird Schmid jedoch wieder die Möglichkeit erhalten, sich auf allen Ebenen zu beweisen. Die Titelverteidigung an der Schweizer Meisterschaft ist eines seiner Ziele. Dafür will er vermehrt auch längere Strecken laufen und regelmässig in flachem Gelände trainieren. In den nächsten Monaten will er jedoch von Training nichts wissen. Auf dem Gurten ist seine Saison zu Ende gegangen. Nun steht vorab Arbeit und Erholung im Fokus. Wann er sich die Laufschuhe das nächste Mal schnüren wird, weiss Schmid noch nicht. Mit einem Schmunzeln sagt er: «Wenn es in den Beinen kribbelt, fange ich dann wieder an.»

Berner Zeitung

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