Nicole Büchler: Gut geschlafen, gut geflogen

Trotz ungünstiger Vorzeichen qualifiziert sich Nicole Büchler erstmals auf globaler Ebene für den Stabhochsprungfinal.

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Nicole Büchler strahlt. Was es an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften noch nie gegeben hat. Wann immer die Stabhochspringerin auf globaler Ebene antrat, scheiterte sie in der Qualifikation. In Rio hingegen verlief der Ausscheidungswettkampf aus ihrer Optik nahezu ideal. Zwei Flüge reichten der Bielerin für die Teilnahme am Final, der in der Nacht auf Samstag stattfinden wird.

Weil sich abgezeichnet hatte, dass es kein sonderlich grosses Finalfeld geben würde, nahmen die Juroren vor der offiziellen Qualifikationshöhe (4,60) all jene Athletinnen aus dem Wettkampf, welche wie Büchler bis zur 4,55-m-Marke makellos geblieben waren.

Der Auftritt der Schweizer Rekordhalterin erstaunt nicht nur wegen eingangs erwähnter Finalbarriere, sondern in erster Linie wegen der unmittelbaren Vorgeschichte. Ende Juni zog sich die 32-Jährige an einem Meeting in Kuortane eine Verhärtung des Hamstring-Muskels zu.

Worauf sie die EM aus dem Programm nahm – sehr schweren Herzens, weil sie sich in der Form ihres Lebens befand und in Amsterdam zum engen Kreis der Medaillenanwärterinnen gehört hätte. Die Hoffnung, das Training im Hinblick auf Olympia rasch wieder aufnehmen zu können, erfüllte sich nicht. «Ich hatte die Verletzung wahrscheinlich etwas unterschätzt», gesteht Büchler.

Greeley und Wetzel

Lediglich drei Sprünge mit dem Standardanlauf von 14 Schritten hatte sie seit der Reise in die finnische Tundra absolviert, ehe sie am Dienstag die Qualifikation in Angriff nahm. Büchler erzählt, sie habe versucht, alles genau gleich zu machen wie Mitte März in Portland; an der Hallen-WM war sie mit persönlichem Bestwert (4,80 m) Vierte geworden.

Offenbar sei dies gelungen, habe sie doch in der Nacht vor dem Wettkampf sehr gut geschlafen, was keineswegs üblich sei. «Am Morgen war ich nicht einmal richtig nervös. Während der Fahrt ins Stadion spürte ich, dass es ein guter Tag werden würde.»

Seit Büchler von Ehemann Mitch Greeley betreut und vom Psychologen Jörg Wetzel beraten wird, erweckt sie den Eindruck, mental eine höhere Ebene erlangt zu haben. Die Konstanz auf sehr hohem Niveau, die sie in der ersten Jahreshälfte an den Tag legte, wäre früher unvorstellbar gewesen.

Die Sportart ist komplex; nur wer den Kopf frei hat, vermag das Maximum abzurufen. Ob dies Büchler im Olympiafinal gelingt, lässt sich nicht vorhersagen, zumal die Blessur nicht ausgeheilt ist.

Anders als in Amsterdam würde das Maximum in Rio wohl nicht für einen Medaillengewinn reichen. Titelhalterin Jennifer Suhr, deren US-Landsfrau Sandi Morris, die Griechin Ekaterini Stefanidi und die Kubanerin Yarisley Silva dürften fähig sein, 4,90 m zu meistern. Für diese Höhen bräuchte Büchler dann wohl schon einen sehr guten Tag.

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