«Ich habe das Maximum herausgeholt»

Die Bielerin Nicole Büchler gewinnt ein olympisches Diplom. Was in Anbetracht der Ende Juni erlittenen Oberschenkelverletzung respektive der mangelnden Praxis einer hervorragenden Leistung gleichkommt.

Am Ende sprang Nicole Büchler auf Rang 6: «Anfang Saison hätte ich für einen sechsten Olympiaplatz sofort unterschrieben», sagt die Bielerin.

Am Ende sprang Nicole Büchler auf Rang 6: «Anfang Saison hätte ich für einen sechsten Olympiaplatz sofort unterschrieben», sagt die Bielerin.

(Bild: Keystone)

Das Resultat ist von historischer Relevanz. Stabhochspringerin Nicole Büchler überquert im Final 4,70 m, belegt damit Rang 6. Die Bernerin ist die erste Schweizer Leichtathletin seit Cornelia Bürki im Jahr 1984 (5. über 3000 m), welche ein olympisches Diplom gewinnt. Gold sichert sich Europameisterin Ekaterini Stefanidi (4,85 m) aus Griechenland vor der höhegleichen US-Amerikanerin Sandi Morris sowie der 19-jährigen Senkrechtstarterin Eliza McCartney aus Neuseeland.

Büchlers Auftritt überrascht, weil sich die 32-Jährige aus Biel Ende Juni in Finnland eine Oberschenkelverletzung zuzog und seither lediglich drei Trainingssprünge mit dem vollen Anlauf von 14 Schritten absolviert hat. Sichtlich zufrieden erscheint die Landesrekordhalterin in der Interviewzone.

Wie beurteilen Sie Ihre Darbietung?
Nicole Büchler:Eigentlich ist es Wahnsinn, dass ich mit dieser Vorgeschichte um die Medaillen kämpfen konnte. Mir fehlen sechs Wochen Training, und 4,80 oder sogar 4,85 m kann ich ohne Praxis nicht springen. Ich habe das Maximum herausgeholt.

Nach dem Fehlversuch über 4,80 m liessen Sie aus, hoben sich die zwei restlichen Versuche für 4,85 m auf. Warum haben Sie gepokert?
Wäre ich über 4,80 m geflogen, hätte dies nichts gebracht – oder mir zumindest keinen Medaillengewinn beschert. Ob ich Vierte oder Sechste werde, spielt mir keine Rolle.

Wie fühlte sich der linke Oberschenkel an?
Beim Aufwärmen spürte ich das Bein stärker als vor der Qualifikation. Die Physiotherapeutin konnte jedoch noch eingreifen, die medizinische Betreuung war ausgezeichnet.

Sie rissen bei 4,60 m zweimal – was ging Ihnen vor dem letzten Versuch durch den Kopf?
Ich wusste, weshalb es nicht geklappt hatte, liess mich daher auch nicht stressen. Ich redete mir gut zu, blieb stets positiv und dachte vor dem dritten Versuch an die Hallen-WM in Portland. Dort hatte ich die 4,60 m ebenfalls erst im dritten Anlauf gepackt.

War das wegen des Trainingsausfalls geringere Anlauftempo das Kernproblem?
Es fiel zumindest ins Gewicht, das merkte ich bei der Wahl des Stabs. Ich hätte schneller rennen müssen, um die Höhe mit dem gewählten Stab zu schaffen, obwohl ich in dieser Saison auch schon mit noch härteren Stäben gesprungen bin. Aber ich mag nicht jammern: Anfang Saison hätte ich für einen sechsten Olympiaplatz sofort unterschrieben.

Ging Ihnen auch schon durch den Kopf, was ohne die Verletzung an der EM in Amsterdam möglich gewesen wäre?
Natürlich, ich hatte schon vor meiner EM-Absage gedacht, dass ich, wenn es normal laufen würde, eine Medaille gewinnen müsste. Aber ich nehme lieber das olympische Diplom als eine EM-Bronzemedaille.

Sie sind 32-jährig, wie sieht die Karriereplanung aus?
2012 hatte ich gedacht, dass 2016 auf jeden Fall Schluss sein würde. Nun springe ich die mit Abstand beste Saison, bin in der Ranglisten so weit vorne wie nie zuvor. Ich nehme Jahr für Jahr, und im nächsten werde ich sicher noch dabei sein. Ich habe Freude am Springen, ich mache es einfach gerne.

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