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Russen von Olympia ausgeschlossen

Die russischen Leichtathleten haben flächendeckend gedopt – deshalb werden sie vom IAAF für Rio 16 ausgesperrt. Eine Hintertür bleibt aber offen.

Wegen Doping: Russische Leichtathleten bleiben gesperrt. (Quelle: Reuters)

Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) verlängert die Sperre gegen den russischen Verband. Diesen Entscheid gibt die IAAF an einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Damit werden die russischen Athleten voraussichtlich nicht an den EM in Amsterdam und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen.

IAAF-Präsident Sebastian Coe sprach nach dem einstimmigen Entscheid der 24 Council-Mitglieder von einer «machtvollen Botschaft». Der russische Sportminister Witali Mutko erklärte bereits im Vorfeld, er habe diesen Entscheid erwartet und kündigte an, darauf zu reagieren. "Die Träume vieler unserer Sportler sind wegen des falschen Verhaltens einzelner Athleten, Trainer und Experten zerstört worden", sagte er.

Russische Sportler hatten am Tag vor der Urteilsverkündung über eine Reaktion auf den möglichen Ausschluss beraten. Sie sagte, sie würde weinen: Weitspringerin Ekaterina Koneva. (20. Juli 2016)
Russische Sportler hatten am Tag vor der Urteilsverkündung über eine Reaktion auf den möglichen Ausschluss beraten. Sie sagte, sie würde weinen: Weitspringerin Ekaterina Koneva. (20. Juli 2016)
Pavel Golovkin, Keystone
Die russische Flagge zusammen mit der olympischen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi.
Die russische Flagge zusammen mit der olympischen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi.
Hannibal Hanschke, Keystone
Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa: «Das ist ein Verstoss gegen die Menschenrechte. Dazu werde ich nicht schweigen. Ich werde für die Gerechtigkeit kämpfen.»
Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa: «Das ist ein Verstoss gegen die Menschenrechte. Dazu werde ich nicht schweigen. Ich werde für die Gerechtigkeit kämpfen.»
Keystone
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Coe ergänzte: «Es gab Fortschritte in Russland in der Doping-Bekämpfung, aber nicht genügend». Der Brite betonte, dass die Politik in diesem Fall keine Rolle gespielt habe. Das russische Anti-Doping-System sei frühestens in 18 bis 24 Monaten wieder regelkonform. Diese Einschätzung machte der Norweger Rune Andersen, der Chef der IAAF-Taskforce zur Beobachtung der russischen Reformfortschritte, der sich zusammen mit Coe den Fragen der Medien stellte.

Auf Empfehlung der Taskforce

Der Entscheid der Council-Mitglieder fiel auf Grundlage und Empfehlung einer von der IAAF eingesetzten Taskforce, die die Reformfortschritte in Russland seit Januar überwacht hat. Der völlige Ausschluss eines Verbandes ist laut Regel 45 im Ethik-Code der IAAF bei gravierenden Verstössen gegen Anti-Doping-Regularien zulässig.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte am 9. November 2015 einen 323-seitigen Bericht vorgelegt, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeichnet. Am 13. November suspendierte die IAAF den russischen Verband.

Den Skandal ins Rollen gebracht hat der ARD-Journalist und Dopingexperte Hajo Seppelt in einer Doku-Serie. Der Deutsche legte mithilfe von Whistleblowern die Verfehlungen des russischen Sports praktisch im Alleingang offen.

Hintertür offen

Dennoch gibt es eine Hintertür für russische Leichtathleten: Nachweislich saubere Athleten sollen sich um einen Einzelstart – eventuell unter olympischer Flagge – bewerben können. Über diesen Kompromiss wollen IAAF und das Internationale Olympische Komitee (IOC) am kommenden Dienstag an einem Treffen in Lausanne beraten. Allerdings dürften nicht viele Athletinnen und Athleten von diesem Fenster Gebrauch machen können. Denn sie müssen nachweisen, dass sie nicht in Verbindung mit dem russischen System standen.

Zwar hat IOC-Präsident Thomas Bach angekündigt, der IAAF-Entscheidung zu folgen, dennoch erscheint ihm dieser Idee als diskussionswürdig: «Dies könnte bedeuten, dass betroffene Athleten nachweisen müssen, dass ihre Doping-Tests international und unabhängig vorgenommen worden sind und den Regeln ihres internationalen Verbandes und des Welt-Anti-Doping-Codes entsprechen», schrieb Bach in einem Beitrag, der am Mittwoch in der «Frankfurter Allgemeinen» erschienen ist.

Eine endgültige Entscheidung über das Olympia-Aus der russischen Leichtathleten trifft das IOC, das Ausrichter der Spiele in Rio ist.

Reaktionen zur Entscheidung

Vor der Entscheidung des IAAF hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eine Beteiligung des russischen Staates an Dopingvergehen von Sportlern bestritten. «Von staatlicher Seite haben wir gegen Doping im Sport gekämpft und werden das auch in Zukunft tun», sagte Putin auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Putin betonte, dass Doping auf persönliches Fehlverhalten zurückzuführen sei. Es könne nicht sein, dass das gesamte Team die Schuld für Einzelne tragen müsse.

Die Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa meinte: «Das ist ein Verstoss gegen die Menschenrechte. Dazu werde ich nicht schweigen. Ich werde für die Gerechtigkeit kämpfen.»

Sportminister Witali Mutko: «Der Traum vieler unserer Sportler ist zerstört wegen eines falschen Verhaltens einzelner Sportler, Trainer und Spezialisten.»

si/nag

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