Wird die Ligaqualifikation zur Farce?

Es sieht schlecht aus für die Rapperswil-Jona Lakers im Playout-Final gegen Davos. Vor dem Abstieg fürchten müssen sie sich trotzdem nicht.

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3:2 hat der HCD das erste Spiel gewonnen, 5:3 das zweite, es steht 2:0 für den Rekordmeister in der Serie. Das bislang Gebotene ist für eine Playout-Finalserie im Vergleich zu anderen Jahren erstaunlich unterhaltsam. Spielerisch bemerkenswert kultiviert, keineswegs hypernervös und verkrampft. Es scheint daher eine gewisse entkrampfende Wirkung auf die beiden Teams zu haben, dass die Abstiegsangst auch schon grösser war.

Kloten und Olten wollen, aber sind schon out

Zum Beispiel letztes Jahr in Kloten, als mit Swiss-League-Champion Rapperswil-Jona Lakers ein Zähne fletschender Herausforderer wartete, der die Zürcher Unterländer dann auch prompt eine Liga tiefer schickte. Dieses Mal wird entweder La Chaux-de-Fonds oder Langenthal Swiss-League-Meister. Die Oberaargauer führen in der Serie mit 1:0. Das sind zwei Clubs, die im Gegensatz zu Rapperswil im letzten Jahr – oder den nun im Playoff der Swiss League vorzeitig gescheiterten Kloten und Olten – keine Aufstiegsambitionen hegen.

Sie sind nur schon rein sportlich nicht auf dem Qualitätslevel wie es die Lakers vor einem Jahr waren, als diese nach dreijähriger Aufbauarbeit die zweitoberste Liga auf überzeugende Weise dominierten. Auch finanziell und aufgrund ihrer bestehenden Infrastruktur können sich La Chaux-de-Fonds und Langenthal eine Promotion im Prinzip gar nicht leisten.

Stadionprobleme, Finanzen, Umbruch

«Ein Aufstieg ist in diesem Jahr nicht in unserem Plan», gibt Alain Dubois, Präsident des HC La Chaux-de-Fonds, unumwunden zu. Aber er könne ja dem Team nicht sagen, dass «wir nicht aufsteigen wollen.» Er glaubt, dass der Verein die Auflagen der Liga im Fall der Fälle erfüllen könnte, «auch wenn wir nicht das beste Stadion haben.» Eine Renovation ist erst in zwei Jahren vorgesehen. Das noch grössere Problem dürfte sein, dass die Neuenburger ihr bisheriges Budget von knapp 5 Millionen Franken in der National League mehr als verdoppeln müssten und dies in einer Region, die als wirtschaftlich schwierig gilt.

Beim SC Langenthal möchte sich Geschäftsführer Gian Kämpf zum Thema Aufstieg zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht erst äussern. Die Schoren-Halle wäre indes noch weniger tauglich für die National League als die Patinoire de Mélèzes in La Chaux-de-Fonds. Eine grosse Herausforderung ist für die Oberaargauer auch, dass ihnen im Team ein altersbedingter Umbruch bevorsteht. Um diesen in die Wege zu leiten und ein Fundament für die Zukunft aufzubauen, wurde als Sportchef Kevin Schläpfer mit einem Vierjahresvertrag an Bord geholt. In sechs bis acht Jahren soll dann auch ein neues Stadion stehen und bis dann will man für höhere Aufgaben bereit sein.

Der Playout-Verlierer hat nicht viel zu befürchten

Ein Aufstieg zum jetzigen Zeitpunkt könnte somit sowohl den HC La Chaux-de-Fonds wie auch den SC Langenthal in den Grundfesten erschüttern und zu einem Risikoakt werden, den die beiden Vereine später einmal bitter bereuen könnten.

Die Ligaqualifikation werden beide sicher bestreiten. Diese könnte aber zur Farce werden, der Existenzkampf dürfte in diesem Frühjahr ausfallen. Der Sport hat zwar immer eine gewisse Unberechenbarkeit, aber wenn sich alle ans Drehbuch halten, dann hat der Playout-Verlierer nicht viel zu befürchten. Ausser eben, dass er eine Zusatzschlaufe drehen muss und dem Swiss-League-Meister zu ein paar zusätzlichen Einnahmen verhilft.

Nach dem 0:2-Rückstand in der Playout-Finalserie deutet derzeit vieles darauf hin, dass es die Rapperswil-Jona Lakers treffen wird. Die dortigen Protagonisten sind natürlich Profis durch und durch und wollen nichts davon wissen, dass die nicht vorhandenen Aufstiegsambitionen von La Chaux-de-Fonds und Langenthal in ihrer Situation für eine gewisse Beruhigung sorgt.

Helbling: «Das ist kein Thema für uns»

«Darauf schauen wir nicht. Selbst wenn die nicht aufsteigen möchten, wir wollen die Saison nicht als Letzter abschliessen», sagt etwa Stürmer Jan Mosimann. Ähnlich äussert sich Verteidiger Timo Helbling: «Das ist kein Thema für uns. Wir konzentrieren uns auf die Serie gegen Davos und nichts anderes. Wir liegen da jetzt zwar 0:2 zurück, aber wir haben noch etwas zu beweisen, nur schon gegenüber uns selber.» Auch Trainer Jeff Tomlinson hält fest: «Das interessiert uns im Moment nicht, das ist eine Parallelwelt. Ich möchte, dass die Saison nach der Serie gegen Davos zu Ende ist und dass wir uns nur darauf konzentrieren.»

Auch bei Gegner Davos beschäftigen die Befindlichkeiten von La Chaux-de-Fonds und Langenthal nicht wirklich. «Diese kenne ich nicht. Wir wollen nun diese Serie gegen die Lakers gewinnen und dann erübrigen sich alle anderen Gedanken ohnehin», sagt Captain Andres Ambühl.

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