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Vier Gründe für die SCB-Krise

Die Krise des SC Bern hat sich weiter verschärft. Nach der 1:5-Niederlage gegen Gottéron hat der Meister noch einen Punkt Vorsprung auf Schlusslicht Ambri-Piotta. Diese Zeitung nennt vier Gründe für die Misere.

Goalie Niklas Schlegel hat den Puck gefangen, aber erst hinter der Torlinie. Dieser Lapsus ist für den SCB in Freiburg der Anfang vom Ende.
Goalie Niklas Schlegel hat den Puck gefangen, aber erst hinter der Torlinie. Dieser Lapsus ist für den SCB in Freiburg der Anfang vom Ende.
Cyril Zingaro (Keystone)

Keine Ballermannlieder, keine lauten Sprüche, keine angeregten Diskussionen dringen nach draussen: Rund zehn Minuten nach der Schlusssirene in Freiburg ist es in der Gästegarderobe gespenstisch ruhig.

Durch die einen Spalt offene Tür sind ein paar Spieler des SC Bern zu sehen, die mit hängenden Köpfen auf den Bänken sitzen. Das 1:5 gegen Gottéron schmerzt, und wie.

Es ist, die zwei Partien gegen Lulea im Rahmen der Champions Hockey League eingerechnet, die achte Niederlage in den letzten neun Matches. Das schlägt auf die Moral und widerspiegelt sich in der Tabelle. Die Reserve auf Schlusslicht Ambri-Piotta beträgt noch einen Zähler, der Rückstand auf das achtplatzierte Gottéron trotz zwei Mehrspielen schon fünf Einheiten.

«Die Mannschaft macht derzeit ganz schwierige Zeiten durch», gibt Kari Jalonen zu. Der SCB-Cheftrainer lobt den Gegner und sagt, seinen Spielern habe nach der intensiven Woche mit der Reise nach Lappland die physische und nach der «richtig harten Niederlage gegen Lausanne» auch die mentale Energie gefehlt.

Das mag das Resultat gegen Gottéron erklären, aber beim SCB liegt grundsätzlich etwas im Argen. Mit dem Wechsel von der Sommer- auf die Normalzeit ging beim Meister quasi das Licht aus, seither hat er nur noch einmal gewonnen, ausgerechnet gegen die ZSC Lions, die auf Platz 1 stehen. Diese Zeitung nennt vier wichtige Gründe für die Misere.

Das Verletzungspech: Ein Unglück kommt selten allein; dieses Sprichwort passt derzeit bestens zum SCB. Seit acht Partien fallen stets mindestens fünf Akteure aus, derzeit fehlen gleich sieben Routiniers. «Die Verletzungen sind ein Faktor, aber keine Ausrede. Wir haben immer noch viele gute Spieler, nun müssen halt die anderen mehr bringen», sagt Topskorer Mark Arcobello.

Die Haltung des Amerikaners ist ehrenwert, doch es besteht die Gefahr, dass sich die verbleibenden Leistungsträger im Bestreben, noch mehr zu leisten, selber überfordern. Ein Beispiel ist etwa Ramon Untersander.

Der Nationalspieler spielte anfänglich offensiv und defensiv überragend; doch seit geraumer Zeit muss er noch mehr Eiszeit «fressen» und zudem an der Seite unerfahrener Kollegen (Colin Gerber oder Mika Henauer) verteidigen. Untersander agiert immer noch auffällig, steht aber bei allzu vielen Gegentoren auf dem Eis.

Die Goalieleistungen: Am Freitag hatte Pascal Caminada gegen Lausanne 77 Sekunden vor Schluss den langsam ankommenden Puck zwischen den Beinen hindurch ins Tor gleiten lassen.

In Freiburg stand Niklas Schlegel im Gehäuse und liess sich in der fünften Minute von Killian Mottet aus grosser Distanz und ultraspitzem Winkel erwischen. Um fair zu sein: Schlegel und Caminada sind nicht so schlecht, wie es die erwähnten Szenen suggerieren, aber keiner der beiden hält so gut, als dass er der taumelnden Equipe Stabilität verleihen könnte.

Die Fehleranfälligkeit: Die Berner dürften bei den Gegnern mittlerweile ziemlich beliebt sein, denn niemand verteilt freimütiger Geschenke als sie. Gegen Gottéron erstickte Calle Andersson die aufgekeimten Hoffnungen, indem er an der gegnerischen blauen Linie die Scheibe nicht kontrollieren konnte, dann einen falschen Entscheid fällte und schliesslich noch stolperte.

Andrei Bykow bedankte sich für den Dreifachlapsus mit dem 3:1. Auf die vielen Schnitzer angesprochen, sagt Jalonen: «Das ist leider der Trend bei uns.» Arcobello findet auch, es gelte die Anzahl Fehler zu reduzieren, doch er hält auch fest: «Fehler gehören zum Spiel; alle machen Fehler, doch die Leute merken das nicht, wenn sie nicht zu einer Topchance oder zu einem Gegentor führen.» Das Problem des SCB ist: Derzeit haben aussergewöhnlich viele Missgeschicke Gegentreffer zur Folge.

Die Verunsicherung: Die vielen Rückschläge führen zu Verkrampfung, diese wiederum begünstigt Fehler, und diese sorgen für weitere Rückschläge – es ist ein Teufelskreis. «Phasenweise spielen wir richtig gutes Eishockey, doch dann fallen wir wieder auseinander. Ich denke, das hat viel mit einem Mangel an Selbstvertrauen zu tun», erklärt Arcobello.

«Wir müssen mehr an uns glauben, realisieren, wer wir sind. Immerhin haben viele Spieler letztes Jahr den Titel gewonnen.» Der Center fordert von seinen Teamkollegen, eine Siegereinstellung zu entwickeln. Wenn das so einfach wäre...

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