Topfavorit SCB meldet sich zurück

Eishockey Der SC Bern gewinnt in Genf mit 3:2 nach Verlängerung und gleicht die Viertelfinalserie aus.

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Adrian Ruch

Mittlerweile ist es schon ziemlich ruhig im Stadion. Doch dann bezwingt Kevin Romy Leonardo Genoni per Ablenker, und der Lärmpegel schnellt in die Höhe. Der SC Bern führt gegen Servette nur noch 2:1, und eine prickelnde Schlussphase kündigt sich an. Und diese hat es tatsächlich in sich: Zwischen zwei Metalltreffern der Berner gleicht Juraj Simek zweieinhalb Minuten vor Ende der regulären Spielzeit nach einem Abpraller aus. Der Jubel in der Arena kennt kaum Grenzen.

Letztlich wird das Viertelfinalduell in der Verlängerung entschieden – zugunsten des Topfavoriten. Mark Arcobello nützt den Platz durch einen verunglückten Genfer Wechsel und schiesst die Berner durch einen Hocheckschuss ins Glück. Die Atmosphäre ist nun, als hätte jemand den Stecker gezogen.

«Krueger machte Druck, Rüfenacht verschaffte mir freie Schussbahn – ich musste nur treffen», sagt Arcobello und stellt so sein Licht unter den Scheffel. Der Amerikaner streitet aber nicht ab, dass es ein bedeutendes Goal ist. «Es war ein grosser, wichtiger Sieg, weil wir den Heimvorteil zurückgeholt haben. Wie er zustande kam, spielt keine Rolle.»

Adler und Rapper

Die Les-Vernets-Halle ist kein Schmuckstück, doch sie kann zum Hexenkessel werden. Und die Servette-Entscheidungsträger um Chris McSorley tun alles, damit der Heimvorteil möglichst gross ausfällt, ganz besonders im Playoff. Am Dienstagabend segelte vor Matchbeginn nicht nur Adler Sherkan heran, das Publikum wurde auch durch einen Rapper aufgeheizt.

Mit den Worten «Leute, macht Lärm» verabschiedete sich der Musiker. Diese Aufforderung wäre nicht nötig gewesen, denn vom ersten Einsatz an sorgte das Heimteam für Begeisterung auf den Rängen.

Die Genfer spielen einfach, nach alter kanadischer Sitte. Die Scheibe wird immer wieder tief in die Offensivzone oder direkt auf den gegnerischen Goalie geschossen, der Widersacher danach mit aggressivem Forechecking zu Fehlern verleitet. Das funktionierte im ersten Abschnitt hervorragend, die Berner befanden sich unter Dauerdruck und wussten zuweilen nicht, wie sich wehren.

Die rudimentäre Art der Angriffsauslösung beinhaltet freilich die Gefahr, unerlaubte Befreiungsschläge zu produzieren. Ein derartiger führte während des ersten Servette-Powerplays zu einem Puckeinwurf vor Robert Mayer. Und ehe der Genfer Goalie eine Parade hatte zeigen müssen, schlug es hinter ihm ein. Tristan Scherwey erzielte nach dem Bully-Gewinn Gaëtan Haas’ nach 66 Minuten und 47 Sekunden der Serie für den SCB das erste Playoff-Tor.

Das war aus Berner Perspektive der einzige Höhepunkt im ersten Drittel. Der Zwischenstand von 0:1 führte das Geschehen auf dem Eis nämlich ad absurdum, hatten doch die Einheimischen die überwiegende Mehrheit der Zweikämpfe gewonnen und 19-mal aufs Tor geschossen, die Besucher hingegen nur 4-mal.

Arcobello-Tor annulliert

Nach dem Seitenwechsel glich sich das Geschehen aus. Einerseits waren die Mutzen nun besser gewappnet und deshalb im Kampf um den Puck ebenbürtig, andererseits vermochten die Genfer die ungemein hohe Intensität aus dem ersten Abschnitt nicht zu reproduzieren. Je länger die Partie dauerte, desto gefährlicher wurde der SCB.

Das Tor Arcobellos in der 31. Minute wurde durch die Schiedsrichter nach ausgiebigem Videostudium aufgrund einer Torhüterbehinderung durch Thomas Rüfenacht aberkannt. Es war ein vertretbarer, aber durchaus heikler Entscheid, weil Mayer auch ohne den Zusammenstoss keine Abwehrchance gehabt hätte.

Kurz vor der zweiten Sirene traf der SCB-Topskorer erneut, und diesmal zählte das 0:2. Diesen Vorsprung brachte der Favorit nicht über die Zeit. Doch die Genfer Aufholjagd interessiert jetzt keinen mehr. Was zählt, ist etwas anderes: Der SCB ist wieder im Geschäft.

Berner Zeitung

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