Slapstick und Hektik beim Sieg des SCB

Der SC Bern bleibt auswärts eine Macht und kommt dem Qualifikationssieg einen Schritt näher. Das 4:3 in Davos kam in einem etwas wirren Match zustande.

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Kristian Kapp@K_Krisztian_

Wer ist ein guter Torhüter? Wer nichts ahnend, nichts wissend zu Beginn des Mitteldrittels bei Davos - Bern reinschaute und diesen (für den Stürmer) wunderbaren Slapstick-Treffer Yannick Frehners sah, dürfte nicht nur kurz geschmunzelt, sondern auch gedacht haben: Nein, der hier ist es nicht.

Leonardo Genoni kassierte einen Gegentreffer, der in jeder Saison-Rückschau gezeigt werden wird: Bäuchlings glitt er nach einem Davoser Befreiungsschlag in Unterzahl dem freien Puck weit vor dem Tor entgegen, bekam diesen aber nicht zu fassen – er rutschte weiter. Während der Davoser den einfachsten Treffer seiner noch jungen Karriere ins leere Tor erzielte, hatte Genoni bereits die blaue Linie passiert, er kam kurz vor der Mittellinie zum Stillstand.

Aber eben: Wer oder was ist ein guter Torhüter? Nicht, dass Genoni noch beweisen müsste, dass er in der Schweiz der Beste seiner Zunft ist. Wie der Berner Goalie aber mit diesem Shorthander zum 2:2 umging, war eben typisch. Der SCB liess sich kurz aus dem Konzept bringen, Genoni musste sogleich bei zwei heiklen Szenen eingreifen und meisterte diese, als wäre zuvor gar nichts geschehen. Auch das macht den guten Goalie aus.

Wie ein Déja-vu

Was Genoni mit seinem Malheur ebenfalls tat, wenn auch ungewollt: Er weckte seine Vorderleute auf. Ab jetzt schienen die Berner auf einer Mission: Alle für einen, alle für den Goalie. Der SCB drehte auf, führte dank eines Doppelschlags 7 Minuten später 4:2. Das war gegen einen harmlosen HCD bereits die Entscheidung.

Denn nichts bis zu diesem kuriosen Treffer war ein Augenschmaus gewesen. Es schien zunächst alles wie in einem Déja-vu-Moment. Fünf Wochen war es her, dass Bern zuletzt in Davos spielte, Matthias Bieber nach 111 Sekunden im Slot zum 0:1 traf, der SCB ab der 11. Minute mehr oder weniger bis zum Spielende das Resultat verwaltete – erfolgreich. Diesmal waren 130 Sekunden gespielt, als Magnus Nygren, von Alain Berger bedrängt, den Puck ins eigene Tor lenkte und ähnliche Vorgänge auslöste. Bloss: Hatte der SCB damals wenigstens zehn Minuten lang vehement das 0:2 gesucht, wurde er nun sofort passiv.

Der HCD war bemüht, doch ihm fehlte, auch wegen wichtiger Absenzen, im Vergleich mit dem SCB schlicht die Klasse. Dieser wiederum tat bloss das Nötigste, konnte aber nach beiden Gegentoren problemlos zulegen. Wirklich zufriedenstellend war der Auftritt trotz Sieg darum dennoch nicht.

Es wurde hektisch

Für Emotionen im Rink sorgten danach nicht spielerische Highlights, sondern kleinere Scharmützel. Marc Kämpf brachte den Davoser Félicien Du Bois mit einer Charge gegen den Kopf derart aus der Fassung, dass dieser wie von Sinnen den Berner packte und ihn schlug. Danach verabschiedete sich Du Bois mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung in die Garderobe – der Verteidiger hat eine Vergangenheit mit Verletzungen dieser Art.

Endgültig laut wurde es in der Halle, als Anton Rödin und Thomas Rüfenacht sich mit Schlägen eindeckten, dem Handgemenge waren ein Crosscheck Rödins und ein Stockschlag zwischen seine Beine vorausgegangen.

Anton Rödin und Thomas Rüfenacht – und ihre Meinungsverschiedenheit.

Das danach nicht enden wollende Wortgefecht der beiden auf der Strafbank mit allerlei Nettigkeiten dürfte ein ähnlicher Internet-Hit werden wie Genonis Ausflug.

In voller Länge, was sich Anton Rödin und Thomas Rüfenacht zu sagen hatten, inklusive Diskussion über den Schweizer Arbeitsmarkt, … (Video: MySports/Twitter)

… und wie Rüfenacht das Ganze nach dem Spiel zusammenfasste. (Video: MySports/Twitter)

Und ja, ein wenig zittern musste Bern dann doch noch. Luca Hischier, dem ein gutes Spiel gegen seine ehemaligen Teamkollegen gelang, verkürzte im sonst ungefährlichen HCD-Powerplay plötzlich auf 3:4. Andrew Ebbett lieferte, unter Bedrängnis, aber dennoch per «Horrorpass» vors eigene Tor, die Vorlage. Eine Parade Genonis und ein Schuss Rödins aus nächster Nähe übers Tor in den Schlusssekunden besiegelten den SCB-Sieg – es war auswärts der neunte hintereinander.

Berner Zeitung

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