SCB: Die Blocker vom Dienst

Der SC Bern bleibt zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor – Leonardo Genoni und der hervorragenden Blockarbeit sei dank. In Ambri kommt der Meister mit dem Minimalresultat (1:0) zum neunten Sieg de suite.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Der «Blick» besuchte den früheren Ambri-Coach Roland von Mentlen in seinem Rustico in Ronco. Das «St. Galler Tagblatt» sprach bei Gemeindepräsident Valerio Jelmini vor. Die «SonntagsZeitung» schaute in Ambri beim Dorfmetzger sowie in Piotta beim Weinhändler vorbei. Die «NZZ» titelte den Hilferuf: ­«Aiuto!»

Der drohende Abstieg des HC Ambri-Piotta bewegte im Frühling die Gemüter landesweit. Viele sympathisieren mit dem Klub aus der Randregion. Und es schien, als wolle im möglichen Abgesang niemand den Einsatz verpassen. Doch Ambri blieb oben, und einige Monate danach hat die Mannschaft für die strukturschwache Leventina mehr denn je sinnstiftende Bedeutung. Aus dem Auffangbecken für Ausgemusterte soll ein Ausbildungsklub für Talente werden.

So stellt sich das Paolo Duca vor. Der Sportchef bildet mit Coach Luca Cereda, 2004 Meister mit dem SC Bern, das jüngste Führungsduo in der National League – beide sind 36 Jahre alt. Mit Michael Fora (21) stellt der HCAP zudem den jüngsten Captain. Und im Match gegen den SCB waren mit Thibaut Monnet und Peter Guggisberg zwei Meisterspieler überzählig, deren beste Zeiten passé sind.

Die neu entdeckte Unbeschwertheit hat Ambri bis am Dienstag zu fünf Siegen und einem Platz über dem Strich geführt. Gegen den Meister aber glückte dem Team kein Exploit: Bern gewann mit dem Minimalresultat von 1:0.

Pyöräläs Ausfall

Die «0» bei Ambri kam nicht von ungefähr. Im ersten Drittel erspielte sich Ceredas Auswahl nur eine einzige passable Tormöglichkeit: Jeff Taffe verzog aus günstiger Position. Auf der Gegenseite wurde Benjamin Conz gleich dreimal bezwungen, doch die Abschlüsse von Maxim Noreau, Mark Arcobello und Simon Moser prallten jeweils vom Gehäuse ab. Der Kanadier No­reau kehrte nach einer Partie Pause in die Aufstellung zurück, dafür wurde die Liste der Verletzten mit dem Finnen Mika Pyörälä erweitert.

Er steht Coach Kari Jalonen nach einem Ellbogencheck von Landsmann Ville Koistinen im Derby gegen Langnau bis auf weiteres nicht zur Verfügung. Der «Player Safety Officer» Stéphane Auger hatte die Aktion in der Nachbetrachtung als nicht anklagewürdig taxiert, weshalb der Einzelrichter nicht aktiv wurde. Dies erzürnt die SCB-Verantwortlichen. Sie ziehen als Vergleich den Check von Thomas Rüfenacht gegen Biels Kevin Fey hinzu, der zu einer Sperre gegen Rüfenacht führte.

Ambris Geschenk

Gröbere Chargen gab es in der Valascia keine – und Tore kaum. Der Meister bestimmte das Geschehen, hinterliess aber vorab im Powerplay keinen überzeugenden Eindruck. Ambri verteidigte mit viel Leidenschaft, kam aber offensiv kaum zur Geltung.

Nach zwei torlosen Dritteln bedurfte es eines Geschenks der grosszügigsten Sorte, damit der SCB reüssierte: Ambris Verteidiger Igor Jelovac spielte in der eigenen Zone einen Pass der Marke «Von allen guten Geistern verlassen», der überraschte Cory Emmerton konnte den Puck nicht kontrollieren, Topskorer Andrew Ebbett sagte «Thank you».

Der SCB blieb wie zuletzt in Langnau ohne Gegentor, was für Goalie Leonardo Genoni, aber auch für die hervorragende Blockarbeit spricht. Keine andere Mannschaft hält so oft die Knochen hin: 276 Schüsse haben die Berner in dieser Saison geblockt, das sind 62 mehr als Lausanne, der erste Verfolger in dieser Statistik.

Captain Simon Moser sagt: «Das ist ein wesentlicher Punkt: Jeder opfert sich. Und jeder wird von den Mitspielern gepusht, sich in die Schussbahn zu legen.»

Der SCB hat nunmehr 9 Siege in Folge geholt. Dies war dem Meister auch im Vorjahr gelungen. Zum Blockbuster fehlt noch ein Erfolg: 10 Siege de suite, das haben die Berner letztmals, genau, vor 10 Jahren bewerkstelligt.

Telegramm:

Ambri-Piotta - Bern 0:1 (0:0, 0:0, 0:1)

4100 Zuschauer. - SR Eichmann/Hebeisen, Castelli/Wüst. - Tor: 45. Ebbett (Raymond, Kämpf) 0:1. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta, 2mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: D'Agostini; Ebbett.

Ambri-Piotta: Conz; Plastino, Zgraggen; Ngoy, Jelovac; Fora, Pinana; Collenberg; Trisconi, Kostner, Bianchi; D'Agostini, Emmerton, Zwerger; Lauper, Goi, Berthon; Lhotak, Taffe, Müller; Incir.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Andersson, Krueger; Kamerzin, Noreau; Burren; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Bodenmann, Haas, Scherwey; Kämpf, Ebbett, Raymond; Randegger, Heim, Meyer.

Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Stucki, Hrabec (beide verletzt), Monnet und Guggisberg (beide überzählig), Bern ohne Beat Gerber, Berger, Hischier und Pyörälä (alle verletzt). Lattenschüsse Noreau (9.) und Arcobello (10.). Pfostenschuss Moser (13.). Pinana verletzt ausgeschieden (31.). Timeouts Ambri-Piotta (56.) und Bern (59:37). Ambri-Piotta ab 58:24 ohne Torhüter.

Berner Zeitung

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