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Ohren zu und durch

Langnau gibt nicht klein bei, wehrt sich eindrücklich gegen das Saisonende: In Lausanne siegen die SCL Tigers 5:1. Auch dank Nolan Diem, der gleich zweimal trifft.

Entscheidung vertagt: Die Tigers gewinnen in Lausanne mit 5:1 und verkürzen in der Serie auf 2:3.
Entscheidung vertagt: Die Tigers gewinnen in Lausanne mit 5:1 und verkürzen in der Serie auf 2:3.
Keystone/Jean-Christophe Bott
Anthony Huguenin (links) und Damiano Ciaccio freuen sich über den Tigers-Auswärtssieg.
Anthony Huguenin (links) und Damiano Ciaccio freuen sich über den Tigers-Auswärtssieg.
Keystone/Jean-Christophe Bott
Federico Lardi entwischt Lausannes Stürmer Tim Traber und Etienne Froidevaux.
Federico Lardi entwischt Lausannes Stürmer Tim Traber und Etienne Froidevaux.
Keystone/Jean-Christophe Bott
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Spiele in Lausanne? Sind nichts für schwache Nerven. Und schon gar nichts für empfindliche Ohren. Das liegt am Stadion-DJ, der nur volle Pulle kennt. An den Fans, welche euphorisiert die ersten Playoff-Halbfinals in der Vereinsgeschichte herbeisehnen. Aber auch an der Pausensirene, die wohl konstruiert wurde, um Tinnitus zu erzeugen. Um 22 Uhr aber ist in der Arena fast nur noch das kleine Langnauer Fan-Grüppchen zu hören, etwa 80 Frau und Mann stark, welches seine Helden feiert. Wie im Auftaktspiel haben die SCL Tigers 5:1 gewonnen, sie verkürzen in der Serie auf 2:3. Und vor allem: Sie haben Lunte gerochen.

Trainer Heinz Ehlers ist es gelungen, die Mannschaft innert 72 Stunden aufzurichten – und wie. Es lässt sich vom umgekehrten Handschuh sprechen: Hier die Lausanner, nicht mehr tüchtig, sondern behäbig, da die Langnauer, nicht mehr abschlussschwach, sondern effizient.

Copy & Paste

Es soll Leute geben, die gerne mal ihre schwachen fünf Minuten einziehen und in dieser Zeit allerlei Blödsinn anstellen. In Lausanne sind es zu Beginn des Spiels fünf verrückte Minuten, welche die Partie lancieren. Nach 60 Sekunden bereits bringt Dustin Jeffrey das Heimteam in Führung, natürlich mit der ersten Chance des Spiels. Langnau reagiert umgehend, Nolan Diem schiesst drei Tage nach seinem letzten Eigentor, aber 102 Tage nach dem letzten «richtigen» Treffer den Ausgleich. Ein wenig wild geht es zu und her, Chancen gibt es hüben wie drüben. Das Anfangsspektakel gipfelt in Eero Elos 2:1: Der Finne düpiert Lausanne-Goalie Sandro Zurkirchen mit einem Schuss von hinter der Torlinie.

Elos Kabinettstück hin oder her – zum Mann des Abends wird Diem. Nun braucht er nicht mehr über drei Monate aufs nächste Tor zu warten, sondern gerade mal 17 Minuten, zu Beginn des Mittelabschnitts sorgt er für die Vorentscheidung. Es ist, als hätte einer Copy & Paste gedrückt: Wie beim 1:1 lenkt er einen Querpass ab, zweimal steht er, wo ein Center zu stehen hat. Und weil es bekanntlich läuft, wenns läuft, hat Diem noch nicht genug. Den vierten Treffer Larri Leegers leitet er mit einem öffnenden Pass ein. «Wir wollten heute jeden Puck aufs Tor bringen», meint Diem, «es war eine sehr starke Teamleistung».

Pfiffe und Vorfreude

Langnau also meldet sich zurück in dieser Serie, morgen können die Emmentaler vor eigenem Anhang ausgleichen. Nicht viele hätten ihnen ein solches Comeback zugetraut – sicher nicht die Lausanner Fans, von welchen zehn Minuten vor Schluss Hundertschaften aufgebracht das Weite suchen. Die Tigers ihrerseits haben die negativen Stimmen, die aufgekommen sind, nicht erhört. «Wir hatten das Messer am Hals», sagt Diem, derweil sich Ehlers aufs morgige Heimspiel freut. «Es ist an der Zeit, dass wir nun auch einmal daheim gewinnen.»

Und wenn derzeit von den Langnauern die Schreibe ist, darf einer nicht fehlen – Chris DiDomenico. Auch der Kanadier, mal gelobt, mal gescholten, schiesst ein Tor, von Coach Ehlers kriegt er ein Sonderlob. Und agiert erstaunlich diszipliniert, die lauten Provokationen finden bei ihm für einmal kein Gehör. Als hätte er Ohrstöpsel montiert.

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