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Nicht nur die Rolle verbindet

Sie kennen sich nicht persönlich – und haben dennoch viel gemeinsam. Am Freitag stehen sich die Assistenztrainer Mikko Haapakoski (52, Bern) und Rikard Franzén (50, Langnau) im Derby gegenüber.

Immer für ein Spässchen zu haben: SCB-Assistenzcoach Mikko Haapakoski.
Immer für ein Spässchen zu haben: SCB-Assistenzcoach Mikko Haapakoski.
Raphael Moser
Im Einsatz: Tigers-Assistenztrainer Rikard Franzén.?
Im Einsatz: Tigers-Assistenztrainer Rikard Franzén.?
Christian Pfander
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Wer Mikko Haapakoski in den Katakomben der Postfinance-Arena sucht, findet ihn doppelt. Er steht vor einem Peugeot 405, gebückte Haltung, in den Händen ein Stock. Und er steht einige Meter nebenan vor der Mannschaft des SC Bern, trägt einen Schutz ums rechte Handgelenk. Der Erste ist der SCB-Spieler Haapakoski, verewigt auf der Autogrammkarte an der Wand. Der Zweite ist der SCB-Assistenztrainer Haapakoski, das Original auf dem Eis. Der Zweite sagt: «Es ist Bern. Ich wäre an keinen anderen Ort gegangen. Ich liebe es, hier zu sein.»

Wie ein Liebesroman liest sich die Geschichte von Haapakoski und dem SCB nicht. 1993 wird der Finne von Trainer Hannu Jortikka nach Bern geholt. Jortikka betreute den Verteidiger zuvor in Nachwuchsauswahlen und während dreier Jahre in Turku. «Er hat mich Tag für Tag angeschrien. Trotzdem wollte er mich immer in seinem Team haben», sagt Haapakoski. In Bern lastet viel Druck auf dem Offensivverteidiger.

Nur zwei Ausländer sind spielberechtigt. Und da ist das immense Erbe seines Vorgängers Rexi Ruotsalainen – ein Finne, der den SCB geprägt hat und auf den Schlittschuhen selbst rückwärts schneller lief als sein Schatten. «Es war hart, als Ausländer in der Schweiz einen Platz zu ergattern», sagt Haapakoski. «In Bern gab es grosse Spieler vor mir und nach mir. Es war eine Ehre für mich, in Ruotsalainens Fussstapfen zu treten.»

Tolle Zeit trotz Verletzungen

Aus Ruotsalainens Schatten tritt Haapakoski trotz 77 Punkten in 88 Partien nicht. Er kämpft mit Verletzungen, trägt die Nummer zwei zeitweise auch sinnbildlich auf dem Rücken. In der Saison 1994/95 bricht er sich den Daumen, Bern holt Ruotsalainen zurück, Haapakoski erhält fortan kaum noch Eiszeit. Im Folgejahr, seinem dritten und letzten in Bern, kommt in der entscheidenden Phase der finnische Haudegen Ville Sirén in der Abwehr zum Zug, nachdem sich Haapakoski das Handgelenk gebrochen hat.

«Bern und die Ausländer: Da gab es witzige Konstellationen», sagt Haapakoski. Und denkt etwa ans Playoff 1996. Während zweier Wochen wird bei ihm der Russe Michail Wassiljew einquartiert. Italiens Nationaltorhüter Bruno Campese wohnt bei Gaetano Orlando. Die offizielle Version des SCB: Diese Spieler machen per Zufall Urlaub in Bern. Der inoffizielle Plan: Fällt Sirén aus, wird Haapakoski fitgespritzt. Verletzt sich Orlando, kommt Wassiljew zum Einsatz. Campese stünde als Tosio-Ersatz bereit. Haapakoski sagt: «Es war eine lustige, eine tolle Zeit. Selbst wenn ich Pech mit Verletzungen hatte.»

Ehlers ruft, Franzén folgt

«Trotz Verletzungen habe ich die Zeit beim SCB in bester Erinnerung», sagt auch Rikard Franzén. Der Schwede versucht sich 2001 in Bern als Rexi-Nachfolger. Er folgt auf Haapakoski, Timo Jutila, Alex Godynyuk, Petri Liimatainen und Fredrik Olausson. Franzén kommt mit der Referenz, Schwedens WM-Auswahl als Captain angeführt zu haben. Er erfüllt die Erwartungen im ersten Jahr, ist in der Qualifikation – mittlerweile sind drei Ausländer spielberechtigt – hinter Patrik Juhlin und Derek Armstrong drittbester Berner Skorer.

Im ersten Viertelfinalspiel in Davos erleidet der Offensivverteidiger eine Schulterverletzung. Dennoch wird er von Coach Kent Ruhnke im Verlauf der Serie nochmals eingesetzt, weil Ersatzausländer Claude Vilgrain die Puste ausgeht. In der Folgesaison setzt Ruhnke auf drei Stürmer (Juhlin, Sébastien Bordeleau, Yves Sarault). Franzén kommt selten zum Einsatz, reisst sich die Bänder im Knie und muss den SCB verlassen.

«Als Headcoach musst du das Ganze im Blick haben. Als Assistent fokussierst du auf Details, auf einzelne Aspekte.»

Rikard Franzén?

Nach der Profikarriere ist er bei AIK Stockholm in diversen Funktionen tätig. Bis ihn im Sommer 2014 sein langjähriger Freund Heinz Ehlers anruft. Er holt Franzén als Assistent zurück in die Schweiz, nach Lausanne – und vier Jahre später nach Langnau. «Wir haben zusammen bei AIK gespielt und uns nie aus den Augen verloren. Wir sind ein ­gutes Team», sagt Franzén.

Handbruch mit Folgen

Was für Ehlers und Franzén gilt, gilt für Jalonen und Haapakoski erst recht. Sie spielen zusammen in Oulu und Turku, werden zweimal Meister. Von 2004 bis 2008 assistiert Haapakoski Headcoach Jalonen während vier Saisons in Oulu, es resultieren drei Titel. «Jalonen ist als Trainer schlicht gut in allem», sagt Haapakoski. Seit dieser Saison sind die Freunde in Bern vereint, obwohl Haapakoski mit dem Eishockey eigentlich abschliessen will und bis Frühling als Investmentbanker arbeitet. «Ich war auf gutem Weg, etwas aufzubauen», sagt der 52 Jahre alte Finne. «Aber eben: Es ist Bern. Ich wäre an keinen anderen Ort gegangen.»

Er schwärmt von der Mannschaft, von der Tradition, von der Geschichte des Clubs. Dabei ­hätte Haapakoski durchaus Grund dazu, Bern zu verteufeln. Seit ­seinem Unfall als SCB-Spieler ist die Beweglichkeit des rechten Handgelenks eingeschränkt. Und dann bricht er sich prompt auch als Assistenztrainer in Bern das Handgelenk – wieder rechts, im Warm-up vor dem Spiel in der Champions Hockey League gegen Salzburg. Der zweite Assistent Samuel Tilkanen rückt als Ersatz an die Bande. Aus der Lösung auf Zeit wird eine langfristige.

«In Bern gab es grosse Spieler vor mir und nach mir. Es war eine Ehre für mich, in die Fussstapfen von Ruotsalainen zu treten.»

Mikko Haapakoski?

Seither verfolgt Haapakoski die Partien von der Tribüne, «zum ersten Mal im 18. Jahr als Trainer. Das ist eine Umstellung. Aber ich kann auch in dieser Funktion helfen.» Der frühere Verteidiger ist für die Videoanalyse und das individuelle Training verantwortlich. Wie Franzén in Langnau. Die Aufgabe fasziniert beide.

«Als Headcoach musst du das Ganze im Blick ­haben. Als Assistent fokussierst du auf Details, auf einzelne Aspekte, einzelne Spieler», sagt Franzén. Vor allem das Videostudium ist enorm zeitaufwendig. «Da ist es ein Vorteil, ist die ­ Familie in der Heimat geblieben», sagt Franzén (50) und lacht.

Seine Frau und die beiden Kinder leben in Stockholm. Sohn Mathias (26) spielte einst im SCB-Nachwuchs. Er hat eine Schweizer ­Lizenz, aber vor kurzem seine Karriere in der dritthöchsten Liga Schwedens beendet. Haapakoskis Frau und die Tochter – sie kam in Bern zur Welt – leben in Oulu.

Obwohl die Assistenztrainer also einiges verbindet, kennen sie sich nicht persönlich. «Bern ist fest in finnischer Hand. Und Sie wissen ja: Schweden und ­Finnen mögen sich nicht besonders», flachst Franzén. «Dabei weiss doch jeder, dass die Finnen nur unsere kleinen Brüder sind.» Das Derby ist lanciert.

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