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Nach dem Wortbruch kam der Entwicklungsschritt

Tristan Scherwey ist einer von den drei auffälligsten WM-Neulingen im Schweizer Eishockey-Team. Heute um 20.15 Uhr sind sie gegen Tschechien gefordert.

Zweiter Sieg in Folge: Die Schweiz bezwingt die Slowakei 2:0.
Zweiter Sieg in Folge: Die Schweiz bezwingt die Slowakei 2:0.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Man of the Match: Reto Berra zeigt einen starken Auftritt.
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Salvatore Di Nolfi, Keystone
Offensiver Start: Die Schweiz sucht von Anfang an den Führungstreffer.
Offensiver Start: Die Schweiz sucht von Anfang an den Führungstreffer.
APA/HELMUT FOHRINGER
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«Das ist meine erste Weltmeisterschaft – keine Frage.» Und doch ist die Frage berechtigt. Vor drei Jahren gehörte der Flügel des SC Bern zum Kader der Nationalmannschaft für die WM in Prag, reiste mit dem Team an die Titelkämpfe nach Tschechien. Spuren aber hinterliess er keine – nun, zumindest nicht auf dem Eis.

Denn eines Abends wedelte ein Taxifahrer stolz mit einer Quittung und erklärte in einem Aufruhr, er habe soeben einen Schweizer Nationalspieler chauffieren dürfen. Auf dem Zettel war die Unterschrift von Tristan Scherwey. «Ich hatte genügend Zeit, Prag kennen zu lernen. Aber an einer WM willst du spielen, nicht Tourist sein», sagt Scherwey. Statt das Goldene Gässchen zu sehen, hätte er lieber das eine oder andere goldene Pässchen gespielt. Der damalige Cheftrainer Glen Hanlon hatte dem Angreifer auch Einsätze versprochen, beging dann aber Wortbruch.

Scherweys Vertrauen

Scherwey war bitter enttäuscht. Doch er kämpfte weiter, strebte nach Verbesserungen. Drei Jahre später ist sein Traum in Erfüllung gegangen. «Anderen fallen die Dinge in den Schoss. Ich bin einer, der sich alles erkämpfen muss. Umso glücklicher bin ich, wenn ich nun sehe, dass sich die Arbeit wirklich lohnt.»

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Bilder: Die Stars an der Eishockey-WM

Dreimal gewann Patrick Kane mit den Chicago Blackhawks bereits den Stanley-Cup. Weil sein Club für einmal das Playoff nicht erreicht hat, nimmt der 29-Jährige zum erst zweiten Mal an einer WM teil, zehn Jahre nach seinem Debüt in Québec.
Dreimal gewann Patrick Kane mit den Chicago Blackhawks bereits den Stanley-Cup. Weil sein Club für einmal das Playoff nicht erreicht hat, nimmt der 29-Jährige zum erst zweiten Mal an einer WM teil, zehn Jahre nach seinem Debüt in Québec.
Jeff Haynes, Keystone
Der Amerikaner Kane ist einer von Nico Hischiers Vorgängern als Nummer-1-Draft und hat sich in der NHL als einer der besten und komplettesten Stürmer etabliert.
Der Amerikaner Kane ist einer von Nico Hischiers Vorgängern als Nummer-1-Draft und hat sich in der NHL als einer der besten und komplettesten Stürmer etabliert.
Jeffrey T. Barnes, Keystone
Wie Elias Pettersson spielt auch Nikita Gussew (noch) nicht in der NHL. Der 25-jährige Russe führte St. Petersburg vor einem Jahr zum Meistertitel in der KHL.
Wie Elias Pettersson spielt auch Nikita Gussew (noch) nicht in der NHL. Der 25-jährige Russe führte St. Petersburg vor einem Jahr zum Meistertitel in der KHL.
www.twitter.com/khl_eng
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Die WM-Teilnahme in Kopenhagen steht am Ende einer Saison, in welcher Scherwey einen grossen Entwicklungsschritt gemacht hat. Er ist vielseitiger geworden, kontrollierter. Dem Lausbuben von einst spielen die Emotionen keine Streiche mehr. Olympia- und WM-Debüt innert dreier Monate: Das findet er «megacool. Vieles liegt am Selbstvertrauen. Mittlerweile traue ich mir auch spielerische Dinge zu.» Nach zwei Partien steht er in Kopenhagen mit drei Punkten zu Buche. Doch Scherwey, der gestern seinen 27. Geburtstag feierte, lässt sich von der Statistik nicht blenden. «Ich vergesse nie, woher ich komme. Meine Aufgabe ist es, viel Energie ins Spiel zu bringen. Das werde ich auch gegen Tschechien versuchen.»

Corvis Erinnerungen

Eher der Mann für das spielerische Element ist Enzo Corvi. Der Center hat wie Scherwey im Februar zum ersten Mal an einem Grossanlass für die A-Nationalmannschaft gespielt. Jetzt ist er als WM-Neuling einer von vielen - und trotzdem stand vor dem Turnier kein Debütant so stark im Fokus wie der 25 Jahre alte Stürmer des HC Davos. Der Grund war das Wiedersehen mit Nino Niederreiter. Die beiden waren als Buben beste Freunde, trieben in der Freizeit allerhand Schabernack, spielten bis zur Stufe Mini beim EHC Chur in der gleichen Linie. Danach schlugen sie Wege ein, die unterschiedlicher kaum hätten sein können: Niederreiter ging früh nach Übersee, setzte sich in der NHL durch. Corvi setzte auf die Lehre, spielte zeitweise nur noch Plauschhockey in der 2. Liga. 2012 ging er nach Davos. Unter Arno Del Curto begann der rasante Aufstieg. Und nun sind Niederreiter und Corvi im Nationalteam wieder in einer Linie vereint.

Im Spiel gegen Österreich brillierte Corvi mit herausragender Technik; er erwies sich als Leiter der Kreativabteilung, erzielte das Siegtor. Überrascht ist er nicht, dass es auf Anhieb so gut läuft. Schliesslich hat er Erfahrungswerte aus der Vergangenheit – selbst wenn diese weit zurückliegen. «Wenn Nino und ich zusammen auf dem Eis waren, wurde es immer gefährlich», sagt Corvi.

Müllers Abgebrühtheit

Gegen die Slowakei agierte der Bündner weniger auffällig. Stattdessen avancierten Scherwey und Mirco Müller zu Matchwinnern. Der Verteidiger verwertete das goldene Pässchen von Scherwey mit einem prächtigen Schuss zum 2:0. Vor allem aber überzeugte Müller in seiner Kernkompetenz: Er strahlte Ruhe aus, agierte mit tiefer Fehlerquote, liess die Gegner kaum vor das Tor ziehen.

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Video: Schweiz gewinnt gegen die Slowakei

Tristan Scherwey und Mirco Müller schossen die Schweiz zum Sieg. Video: Tamedia/SRF

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In jüngerer Vergangenheit fehlte es den Schweizern auch an Robustheit. Nun ist die Equipe in der Summe grösser und schwerer. Müller trägt mit 191 Zentimetern und 93 Kilogramm wesentlich dazu bei. Der 23 Jahre alte Winterthurer hat sich trotz 85 Partien noch nicht vollumfänglich in der NHL etabliert. Zuletzt bremste ihn bei den New Jersey Devils ein Schlüsselbeinbruch.

Nervosität verspürte Müller bei seinem WM-Einstand nicht. «Das NHL-Business brüht einen ab», sagt er. Wobei: Ganz unberührt liessen ihn die ersten Partien in Kopenhagen dann doch nicht. «Klar: Es ist WM, und wir haben viele Neulinge. Da geht alles sehr schnell und emotional zu und her. Umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren.»

Müller weiss Bescheid.

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