Meistermotor im Leerlauf

Der SC Bern kommt im Zähringerderby gegen Gottéron nie auf Touren und verliert nach schwacher Leistung 1:2.

Kein Durchkommen für Matthias Bieber und den SC Bern.

Kein Durchkommen für Matthias Bieber und den SC Bern.

(Bild: Urs Lindt (Freshfocus))

Reto Kirchhofer@rek_81

Thomas Rüfenacht stützt sich auf dem Freiburger Tor ab und schüttelt den Kopf. Christian Dubé ballt die Faust und schlägt sie hinter der Bank der Gäste ans Plexiglas. Zwei Momente, zwei Gefühlsausbrüche – und das am Ende eines äusserst emotionslosen Zähringerderbys, welches ganz nach dem Gusto von Dubés Gottéron verläuft und für Rüfenachts SCB 1:2 verloren geht.

Soviel vorneweg: Der Erfolg der Gäste geht in Ordnung. Ihnen gelang ein solides Auswärtsspiel. Dies genügte für drei Punkte – was wiederum dem SCB zu denken geben muss. Der Auftakt war beidseits zügig, das muntere Hin und Her dauerte drei Minuten lang ohne Unterbruch.

Das wars dann aber gewesen mit dem flüssigen Spiel. Das Heimteam hatte mehr Schüsse, Gottéron die besseren Möglichkeiten. Wie so oft in den letzten Wochen nahmen sich die Berner in der Defensivzone die eine oder andere Auszeit. Tristan Scherwey spielte den Puck zur Mitte, Freiburgs Viktor Stalberg ging dazwischen, Ryan Gunderson vollendete von der blauen Linie.

Kein Spielfluss, kein Esprit

In der Folge erinnerte der Auftritt des SCB an die Formulierung «Hat und gibt sich Mühe». Die Berner liefen häufig ins Offside, und waren sie doch in der gegnerischen Zone, lief nichts zusammen. Es fehlte an Ideen, Durchschlagskraft. Gottéron seinerseits durfte etwas für die Block-Statistik tun.

Als Matthias Rossi in der 25. Minute einen Gunderson-Schuss zum 0:2 ablenkte, war das für den Meister noch immer kein Weckruf. Er kam nicht in die Gänge, hatte zwar die Handbremse gelöst, aber den Leerlauf eingelegt. «Der Spielfluss fehlte. Wir liefen, kamen aber kaum sauber hinten raus, waren zu weit weg vom Gegner», sagte Captain Simon Moser. «Bist du zu weit weg, kannst du keinen ‹umfahren› und Emotionen ins Spiel bringen.»

Es bedurfte schon eines groben Fehlers von Freiburgs Goalie, damit die Berner zum ersten Tor kamen. Reto Berra fuhr hinter das Gehäuse, Vincent Praplan luchste ihm die Scheibe ab, Andrew Ebbett profitierte – 1:2. Dabei blieb es; auch, weil Berra fortan auf Geschenke verzichtete. Unmittelbar vor Schluss parierte er den Schuss Calle Anderssons, was Rüfenacht zur Verzweiflung trieb und Dubé verzückte.

Koivisto verletzt und vor dem Abschied?

Wenn auf dem Eis wenig zusammenpasst, kommen neben dem Eis häufig Verletzte hinzu. So ist das auch in Bern. Der frühere deutsche Fussball-Nationalspieler Andreas Brehme hat für solche Momente ein feinfühliges, geflügeltes Wort kreiert: «Hast du Scheisse am Fuss, hast du Scheisse am Fuss.»

Im Training vor dem Spiel verletzte sich Jan Mursak. Eine MRI-Untersuchung wird Aufschluss darüber geben, ob der Slowene länger ausfällt. So kam es zur Rarität, wonach der SCB mit zwei ausländischen Verteidigern antrat. Neben Zuzug Andrew MacDonald erhielt Miika Koivisto nochmals Auslauf.

Er blieb wie so oft diskret, fiel im Schlussdrittel mit Verdacht auf Knieverletzung aus. Sein Engagement erweist sich als Missverständnis. Was auch dem finnischen Nationaltrainer Jukka Jalonen kaum entgangen ist. Koivisto ist einer von nur zwei in Europa engagierten Spielern der finnischen Weltmeisterauswahl, die für die Länderspiele nächste Woche kein Aufgebot erhalten haben. In Bern dürfte Koivisto keine Zukunft haben.

Dem Verteidiger liegen Angebote vor. Womöglich wird er den Vertrag mit dem SCB in Bälde auflösen. Härter treffen würde die Berner ein längeres Fehlen von Mursak, sind doch mit Inti Pestoni, André Heim und Jeremi Gerber drei weitere Stürmer verletzt. Gestern half Verteidiger Colin Gerber auf der Flügelposition aus.

Ein gesunder Heim wäre übrigens ein Kandidat fürs Schweizer Kader am Deutschland-Cup nächste Woche gewesen. So aber wird in Krefeld kein SCB-Spieler für die Equipe von Patrick Fischer im Einsatz stehen.

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