Marc Lüthi: «Dann ist das Anstiftung zum Vertragsbruch»

Die Allianz der europäischen Klubs hat sich im Nachgang des erzwungenen Wechsels von Tigers-Kanadier Chris DiDomenico in die NHL per Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt.

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Adrian Ruch

Am Montag hatte Chris DiDomenico bei den SCL Tigers bekanntlich seinen Abgang erzwungen, um seinen Traum von der NHL zu verwirklichen. Am Mittwoch nun veröffentlichte The Alliance of European Hockey Clubs (Vereinigung europäischer Eishockeyklubs) eine Medienmitteilung. «Das Verhalten des Spielers liess uns keine andere Wahl, als den Kontrakt aufzulösen», wird Tigers-CEO Peter Müller zitiert.

Und Marc Lüthi, Präsident der Vereinigung und CEO des SC Bern, sagt, vom rein rechtlichen Standpunkt her habe DiDomenico nach Beendigung des Vertrags das Recht gehabt, irgendwo zu unterschreiben. «Aber aus der Perspektive der europäischen Klubs denken wir, dass es für den Spieler eine moralische Verpflichtung gibt, seinen Vertrag einzuhalten.» Diese Zeitung hat bei Lüthi nachgefragt.

Warum hat sich die Vereinigung der europäischen Eishockeyklubs zum Abgang Chris DiDomenicos geäussert?Marc Lüthi: Wir vertreten die europäischen Klubs und sind der Meinung, dass das Verhalten der Ottawa Senators gar nicht geht.

Inwiefern? Es ist unmoralisch, einem Spieler zu sagen, er könne für Ottawa spielen, wenn es ihm gelinge, aus einem gültigen Vertrag rauszukommen.

Bei Ottawa stehen mit dem früheren SCB-Coach Guy Boucher und dem ehemaligen ZSC-Trainer Marc Crawford zwei Männer mit NLA-Vergangenheit an der Bande. Sind Sie über deren Vorgehen besonders enttäuscht? Ich äussere mich nicht zu Einzelpersonen.

Hätten die Verantwortlichen der SCL Tigers etwas anders machen können? Ich glaube nicht. Was will man machen, wenn einer ins Büro kommt, sagt, er wolle nicht mehr für den Klub spielen, und sich noch unflätig benimmt?

«Es geht darum, dass es unmoralisch war, DiDomenico mit Banknoten vor der Nase herumzuwedeln.»Marc Lüthi

Man könnte zum Beispiel ­verlangen, dass er sich aus dem laufenden Vertrag freikauft, zum Beispiel mit 100'000 bis 200'000 Franken. Das mag sein, aber es geht darum, dass es unmoralisch war, DiDomenico mit Banknoten vor der Nase herumzuwedeln. Wenn der Spieler sich nicht selber angeboten hat, was ich nicht annehme, dann ist das Anstiftung zum Vertragsbruch. Das wollen wir nicht mehr erleben. Wir veranstalten in Europa nicht Feld-Wald-und-Wiesen-Meisterschaften. In den nächsten Wochen wird in vielen Ländern um wichtige Titel gekämpft, und bei den Langnauern geht es sogar noch um existenzielle Fragen.

Haben Sie es als CEO des SCB schon mal erlebt, dass ein Spieler zu Ihnen ins Büro gekommen ist und seine sofortige Freistellung verlangt hat? Zum Glück nicht.

Wie würden Sie reagieren, wenn Topskorer Mark Arcobello diese Forderung stellen würde? Diese Situation will ich mir lieber gar nicht vorstellen.

Wie ist das weitere Vorgehen der Allianz in dieser Angele­genheit? Wir müssen die Thematik aufs Tapet bringen; es geht um den Schutz unserer 77 Mitglieder.

Was will die Vereinigung in dieser Sache konkret erreichen? Es braucht eine Abmachung mit der NHL. Bisher hatten die NHL-Teams die europäischen Verträge immer respektiert, deshalb denke ich nicht, dass etwas Schriftliches nötig ist. Es reicht ein Bekenntnis im Sinne eines Gentlemen’s Agreement.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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