Lockere Lions schlagen verkrampfte Mutzen

Nach der 2:5-Niederlage bei den ZSC Lions hat der Druck auf den SC Bern noch einmal zugenommen. Nur wenn die Berner die drei verbleibenden Partien gewinnen, können sie sicher sein, die Playoffs zu erreichen.

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Adrian Ruch

Seit den schrecklichen Terroranschlägen in Paris wird im Hallenstadion bei Events auch das Gepäck der Journalisten durchsucht. Ob gestern vor dem Match gegen die ZSC Lions auch die Spieler des SC Bern ihre Taschen hatten öffnen müssen, ist nicht bekannt – allerdings auch unerheblich.

Denn die Bundesstädter erwiesen sich als wenig gefährlich. Jedenfalls feierte der Leader, ohne übermässig viel Aufwand betrieben zu haben, einen 5:2-Heimsieg. Die Gäste verliessen mit hängenden Köpfen das Eis; verabschiedet wurden sie vom Anhang der Lions mit hämischen «Auf Wiedersehen»-Rufen.

Ob sich Zürcher Fans und Spieler über ein baldiges Wiedersehen freuten, ist freilich eine andere Frage. Das bedeutete nämlich, dass der SCB die Playoffs erreichen und den ZSC im Viertelfinal herausfordern würde. Das Potenzial wäre bei den Bernern durchaus vorhanden, die in der Qualifikation oft im Schongang agierenden Lions in eine intensive, unangenehme Serie zu verwickeln.

Schlechte Ausbeute

Das hatte sich in der Startphase der gestrigen NLA-Partie gezeigt. Die Mutzen begannen forsch, setzten den Körper vehement ein, machten viel Druck auf den scheibenführenden Spieler und erarbeiteten sich auch ein paar gute Chancen. Doch vor dem Tor wirkten sie gehemmt, verkrampft.

Ganz anders die Gastgeber: Einem Schnitzer Timo Helblings liessen sie zwei schnelle Pässe folgen, worauf Topskorer Robert Nilsson frei stehend das 1:0 erzielte. Beim 2:1 veredelte Roman Wick einen Gegenstoss mit einem Schuss unter die Latte. Ohne Druck, dafür mit lockerem Handgelenk spielt es sich bedeutend leichter.

So lag der SCB nach dem Startdrittel, in dem er über weite Strecken dominiert hatte, in Rückstand. Einzig Alain Berger war mit einem Ablenker ein Treffer gelungen. «Wir müssen schon die ganze Saison für ein Tor sehr viel Aufwand betreiben», sagte der Stürmer.

Es musste für die Berner hart gewesen sein, zu sehen, mit welcher Kaltblütigkeit die Zürcher im Abschluss zu Werke gingen. Im zweiten Drittel machten sich die Besucher dann das Leben durch unnötige Regelverstösse selber schwer. Sie wehrten sich in Unterzahl zwar mehrmals mit Erfolg, «aber die vielen Strafen brachen unseren Rhythmus und kosteten viel Kraft», wie Cheftrainer Lars Leuenberger erklärte.

Kein Aufbäumen

Ob es im letzten Drittel an Kraft mangelte? Jedenfalls gelang es den Mutzen nicht mehr, die Lions zu gefährden. Sie waren ebenso bemüht wie harmlos. Bezeichnend war, dass Martin Plüss den zweiten SCB-Treffer mit einem sehenswerten Hocheckschuss erzielte, als die Partie entschieden war. «Die Zürcher spielten sehr clever, von uns kam zu wenig», fasste Alain Berger den Schlussabschnitt treffend zusammen.

Als der SCB das Hallenstadion verliess, kontrollierte niemand die Taschen. Wieso auch? Die Berner hatten sich als ungefährlich erwiesen und nicht einmal einen Punkt gestohlen. Trotzdem können sie noch aus eigener Kraft die Playoffs erreichen – mit neun Punkten aus den letzten drei Spielen.

Telegramm

ZSC Lions - Bern 5:2 (2:1, 1:0, 2:1)

11'186 Zuschauer. – SR Kurmann/Vinnerborg, Borga/Kaderli. – Tore: 5. Nilsson (Seger, Matthews) 1:0. 6. Alain Berger (Untersander) 1:1. 15. Roman Wick (Denis Malgin, Blindenbacher) 2:1. 24. Siegenthaler (Matthews, Nilsson) 3:1. 57. (56:51) Matthews (Seger) 4:1. 57. (56:59) Martin Plüss (Simon Moser) 4:2. 59. Chris Baltisberger 5:2 (ins leere Tor). – Strafen: 5mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 9mal 2 Minuten gegen Bern. – PostFinance-Topskorer: Nilsson; Conacher.

ZSC Lions: Schlegel; Rundblad, Geering; Seger, Bergeron; Blindenbacher, Siegenthaler; Roger Karrer; Patrik Bärtschi, Denis Malgin, Roman Wick; Künzle, Matthews, Nilsson; Jan Neuenschwander, Shannon, Pius Suter; Chris Baltisberger, Cunti, Schäppi; Dominik Diem.

Bern: Schwendener; Jobin, Untersander; Timo Helbling, Beat Gerber; Krueger, Kreis; Flurin Randegger; Tristan Scherwey, Derek Roy, Ruefenacht; Bodenmann, Martin Plüss, Simon Moser; Conacher, Ebbett, Trevor Smith; Alain Berger, Pascal Berger, Reichert; Luca Hischier.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Flüeler, Foucault, Dan Fritsche, Herzog, Daniel Schnyder, Trachsler (alle verletzt) und Ryan Keller, Bern ohne Stepanek (beide überzählige Ausländer), Bergenheim, Blum, Bührer, Kobasew, Kousa und Ness (alle verletzt). – Timeout Bern (53.).

Rangliste: 1. ZSC Lions 47/92. 2. Genève-Servette 47/86. 3. Davos 47/85. 4. Zug 47/84. 5. Lugano 47/78. 6. Fribourg-Gottéron 48/72. 7. Lausanne 48/64. 8. Kloten Flyers 47/63. 9. Ambri-Piotta 48/63. 10. Bern 47/61. 11. SCL Tigers 47/57. 12. Biel 48/47.

Berner Zeitung

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