Wo sind beim SCB die Siegertypen geblieben?

Mittlerweile ist es quasi amtlich: Der SC Bern steckt in der Krise. Der Meister unterliegt einem keineswegs unwiderstehlichen Lausanne 0:5. Es ist die dritte Niederlage in vier Spielen.

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Adrian Ruch

Wer glaubt, der SC Bern werde Ende Februar 2020 in den letzten Runden der Qualifikation noch in den Kampf am Strich verwickelt sein, muss kein Pessimist sein. Aus heutiger Sicht wäre dies schon eher eine gute Nachricht. Denn nach dem 0:5-Debakel in Lausanne ist der Meister zwar immer noch gleichauf mit den achtklassierten SCL Tigers, doch nach Verlustpunkten beträgt der Rückstand auf den Kantonsrivalen bereits sechs Einheiten – und der Vorsprung auf Schlusslicht Ambri-Piotta einen Punkt. Seit dem geglückten Saisonstart mit zwei Siegen hat Bern in 16 Partien nur noch 15 Zähler geholt; schlechter ist in der Liga niemand unterwegs.

Gute Mannschaften haben die Fähigkeit, fast immer einen Weg zum Sieg zu finden. Doch der SCB ist momentan weit davon entfernt, eine gute Mannschaft zu sein. Er findet vielmehr fast immer einen Weg in die Niederlage, zuletzt dreimal in den letzten vier Partien. Gegen Biel hatte der Meister trotz einer guten Leistung durch ein Gegentor in der Schlussminute, gegen Gottéron nach einem von A bis Z ungenügenden Auftritt verloren. Und gegen Lausanne scheiterte er, weil er trotz klarer Überlegenheit im Startdrittel nach 25 Minuten 0:3 in Rückstand lag.

Fatale 13. Minute

Die Platzanweiser in der Vaudoise-Arena hatten geschminkte Gesichter. Das kam nicht von ungefähr: Die Partie zwischen dem Lausanne HC und dem SCB fand am Tag nach Halloween statt, und LHC-Mehrheitsaktionär Ken Stickney ist bekanntlich ein Geschäftsmann aus den USA, wo der Brauch eine grosse Sache ist.

Nach dem schwachen Auftritt gegen Gottéron wollten die Akteure des SCB ein anderes Gesicht zeigen, ganz ohne Schminke. Und tatsächlich: Im ersten Drittel drängten die Mutzen die Gastgeber mehrheitlich in deren eigene Zone zurück, und zwar trotz der sechs Verletzten mit allen vier Linien. Die Waadtländer waren nur selten in Puckbesitz, SCB-Goalie Niklas Schlegel musste bei personellem Gleichstand nur einmal abwehren.

Und doch stand auf dem grossen Videowürfel zur ersten Pause neben dem SCB-Logo die 0 und neben dem Löwenkopf die 1. In der aus Berner Sicht fatalen 13. Minute war Daniele Grassi unglücklich in die Bande geprallt und deshalb ausgefallen. Er dürfte sich eine Schulter- oder Armverletzung zugezogen haben. Seine Aktion gegen Petteri Lindbohm wurde zudem von den Schiedsrichtern als Bandencheck taxiert, weshalb die Besucher anschliessend in Unterzahl agieren mussten. Diese Strafe nützte Cory Emmerton zum Führungstreffer.

Nach dem Seitenwechsel waren die Berner während fünf Minuten desorientiert, der LHC schlug aus der kurzen Phase klarer Dominanz Profit: Cody Almond traf per Nach-, Lukas Frick per Weitschuss. Es war schon die Entscheidung. Nicht, dass die Mutzen aufgegeben hätten, aber sie spielten ohne Überzeugung, ohne Selbstvertrauen.

Comeback von Krueger

Im letzten Abschnitt fielen die Gäste dann auseinander; es sind beunruhigende Anzeichen. Statt Skorerpunkte sammelten sie Strafminuten. Zuzug Andri Spiller nahm dreimal auf der Strafbank Platz, weil sich ein Teamkollege mehr als einen Zweier eingehandelt hatte. Aus den Siegertypen – etliche aus dem Kader sind in den letzten vier Jahren dreimal Meister geworden – sind Zauderer geworden. Die einzige positive Nachricht aus Berner Perspektive war das Comeback Justin Kruegers. Der Verteidiger trug zwar einen Gesichtsschutz, schien aber Vollgas geben zu können.

Im Heimspiel gegen den favorisierten EV Zug am Samstag gilt es für die Berner, vor der kurzen Pause noch etwas fürs Punktekonto zu tun – und vor allem fürs Selbstvertrauen.


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